Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 8

Kapitelinhalt 190. Kapitel: Jesus über den Zweck der Naturordnung.

   01] Hierauf dankte mir Kado für diese Erklärung und bat Mich, daß nun auch Ich den argen Naturgeistern durch Meine Macht gebieten möchte, daß sie sich über jene böse Stätte hinaus weder den Menschen noch den Tieren und Pflanzen schädlich erweisen sollen.
   02] Sagte Ich: »Das ist schon lange zuvor geschehen, ehe du Mich darum zu bitten gedachtest; was Mein Geist durch Josuas Mund gebannt hat, das bleibet also! So weit das Gras gedeiht, und so weit Schafe und Ziegen und Ochsen und Esel weiden, ist das Land gut; doch darüber hinaus ist es böse.«
   03] Sagte nun der Wirt: »Es ist aber wahrlich schade um ein so bedeutendes Stück Land, daß es nicht fruchtbar gemacht werden kann; denn es könnte darauf für viele Menschen Brot in Übergenüge geerntet werden. Dir, o Herr und Meister, wäre es ja doch leicht möglich, dieses Stück Land aller seiner bösen Naturgeister ledig zu machen. Du dürftest nur ein Wort sagen, und das Land wäre gut.«
   04] Sagte Ich: »Freund, du hast da ganz recht, und Ich lobe deinen Glauben, - aber da kann Ich nicht deinem Wunsche gemäß handeln; denn täte Ich das, so würde Ich Meiner einmal gestellten Ordnung zuwiderhandeln, was da wohl nicht und niemals stattfinden kann und wird!
   05] Denn wo die Erde Berge hat, da müssen sie auch sein. Wo da Quellen, Seen und Bäche und Ströme und Meere sind, da müssen sie auch also sein wie am menschlichen Leibe die verschiedenen Sinne. Und wo sich derlei arge Flächen auf der Oberfläche der Erde vorfinden, da müssen sie sein; denn das Erdreich, die Luft und das Wasser müssen eine nahezu endlos große Anzahl von verschiedenartigen Naturgeistern in sich vereinen, auf daß aus ihnen allerlei Mineralien, Metalle und Steine entstehen und Pflanzen und Tiere, jegliches nach seiner Art, ihre Nahrung und ihren Bestand finden und haben können.
   06] Wo demnach die Menschen solche Flächen auf der Erde finden, auf denen weder irgendwelche Pflanzen wachsen, noch Tiere einer oder der andern Art vorkommen, da sollen sie sich auch nicht ansiedeln; denn da ist unterirdisch sicher eine solche Quelle, durch die die unlautersten Naturgeister auf die Oberfläche der Erde befördert werden, um sich mit der Luft und mit dem Wasser zu einen.
   07] Es gibt der gesunden Flächen in Tälern und auf den Bergen zur Übergenüge, auf denen die Menschen, wenn sie genügsam sind, ihren Unterhalt in Hülle und Fülle finden und haben können, und sie haben nicht nötig, auch die bösen Wüsten zu bewohnen und urbar zu machen.
   08] Siehe, das Meer bedeckt gar große Flächen der Erde, und ebenso auch die Seen und Ströme, und einen großen Teil der Erdoberfläche bilden auch jene Hochgebirge, die nicht nur ganz kahl dastehen, sondern dazu noch ihre oft weiten und breiten Hochtäler und Flächen mit stetigem Eise und Schnee bedeckt haben! Möchtest du da nicht auch zu Mir sagen: "Herr und Meister, da Dir nichts unmöglich ist und die Menschen sich stets ganz gewaltig auf der Erde mehren und am Ende zu wenig guten Landes haben dürften, auf dem sie ihr nötiges Nährbrot gewinnen könnten, so mache Du nun die weiten Wasserflächen und die unfruchtbaren hohen Berge zum festen, guten und fruchtbaren Lande, und es werden dann die Menschen, so ihrer auch um tausendmal tausend mehr wären denn jetzt, hinreichend zur Genüge des Fruchtbodens besitzen!"? Und Ich müßte dir darauf entgegnen: "So Ich das täte, da würde wohl sehr viel festes Land entstehen; aber es würde nichts mehr wachsen auf solch einem trockenen Festlande."
   09] Es muß demnach schon alles also sein, wie es ist, auf daß es auf der Erde fruchtbare Länder geben kann. Wenn die Menschen nach dem ihnen geoffenbarten Willen Gottes lebten und handelten, so hätten sie der Früchte zum Ernähren des Leibes mehr denn zur Übergenüge. Denn den oft und oft unter den Menschen eintretenden Mangel an Nährmitteln und die Hungersnot erzeugen nur die Menschen selbst durch ihre Selbstliebe, Habsucht, Herrschgier, Trägheit und dabei durch einen daraus hervorgehenden Hang zum übermäßigen Wohlleben und zum diesirdischen Reichtum.
   10] Betrachte die vielen reichen Prachtmüßiggänger in den Städten! Sie haben viele Güter und Schätze, - und was tun sie den armen Menschen dafür, daß sie für sie im Schweiße ihres Angesichtes nahe Tag und Nacht arbeiten? Nichts und noch einmal nichts tun sie ihnen; denn der karge Tagelohn und eine schlechte und magere Nährkost steht in keinem Verhältnisse zu dem, was die Armen für die großen und reichen Prachtmüßiggänger tun, und wird von Mir aus denn auch als nichts angesehen.
   11] Was Gutes tut wohl zum Beispiel ein Herodes den Menschen, die ihm die ihnen auferlegten großen Steuern bezahlen müssen und für ihn den harten Frondienst verrichten? Sieh, derlei Herodesse gibt es nun in der Welt eine übergroße Menge; und diese machen die Not und alles Elend unter den Menschen und erzeugen durch ihre nie zu sättigende Habgier Teuerung und Hungersnot unter den Menschen, wofür sie aber im Jenseits ihren wahrlich für sie nicht erfreulichen Lohn erhalten werden. Denn wahrlich, wahrlich, ehe ein solcher Herodes ins Himmelreich eingeht, eher wird ein Kamel durch ein Nadelöhr hindurchgehen!
   12] Darum gedenket ihr Reichen nur allzeit auch reichlich der Armen, und ihr werdet es finden, daß es auf der Erde des guten Fruchtbodens mehr denn zur großen Übergenüge gibt! - Hast du, Wirt und Besitzer großer Güter und Reichtümer, das nun wohl begriffen?«
   13] Sagte der Wirt: »Ja, Herr und Meister, ich habe das alles nun nicht nur ganz wohl begriffen, sondern habe auch den festen und unwandelbaren Entschluß gefaßt, danach zu handeln, und es wird auch mein Bestreben sein, viele meinesgleichen zu meiner nunmaligen Ansicht zu bringen und sie danach zum Handeln zu bewegen.«
   14] Sagte Ich: »Daran wirst du wohltun, und der Lohn aus den Himmeln wird für dich nicht unterm Wege verbleiben; denn wer jemanden, besonders aus der Klasse der Reichen, zum Lichte des Lebens und zum freudigen und freundlichen Handeln danach bekehrt, der wird einen gar großen Lohn des ewigen Lebens für seine Seele zu gewärtigen haben.
   15] Aber nun wird sogleich die Sonne vollends aufgehen, und wir wollen den Aufgang betrachten, und unsere Seelen sollen sich daran erfreuen und erheitern!«


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