Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 8

Kapitelinhalt 147. Kapitel: Raphael über Schnee und Eis.

   01] Nach einer Weile fragte der Hauptmann abermals den Raphael, sagend: »Höre, du unser junger, allerholdester und hochverehrtester Freund, mir ist nun soeben noch etwas in Hinsicht auf die Wirkung des Elektrons eingefallen, und ich möchte es in Kürze von dir vernehmen, ob die Erscheinungen des Winters auch von der Tätigkeit der Äthergeister herrühren und wie.«
   02] Sagte darauf Raphael: »Allerdings! Im Winter, besonders in den mehr nördlichen Teilen der Erde, wie im gleichen auch in den tief südlichen Landen, Inseln und Meeren, fallen die Strahlen der Sonne stets schiefer auf die samt der atmosphärischen Luft kugelförmig runde Erde. Dadurch werden denn auch die Äthergeister auf der nördlichen und südlichen Erdhälfte gegen die Pole hin von den Strahlen der Sonne, die da offenbar schwächer werden, wie auch durch die geringer werdende Reibung der bis an den Äther hinaufreichenden Luft um vieles weniger denn im Mittelgürtel der Erde in ihrer Ruhe gestört. Dadurch aber werden sie denn auch untätiger und daher wirkungsloser.
   03] Solche Untätigkeit aber hat dann auch das zur Folge, daß die Luftgeister selbst untätiger werden und am Ende auch ganz ohne alle Regung wie erstarrt einander drücken würden, so in solchen Teilen der Erde nicht die inneren Erdgeister in größeren Massen aufstiegen und sie in ihrer Ruhe störten. Diese gewisserart ungeladenen Gäste verspüren die in der Luft vorhandenen Äthergeister und fangen an, zumeist dorthin flüchtig zu werden, wo es weniger Erdgeister gibt, und das geschieht nach der Richtung gegen den Mittelgürtel der Erde. Die flüchtigen Äthergeister nötigen bei solchen Gelegenheiten denn auch die ihnen verwandten Luftgeister zur Mitflucht, und es fangen daraus fürs Gefühl der Menschen, Tiere und Pflanzen eisigkalte Winde zu wehen an, die ihrer um vieles geringeren Tätigkeit wegen kalt sind; denn nur die erhöhte und vermehrte Tätigkeit erzeugt Wärme.
   04] Wenn sich die unreinen Geister in der Luft der Erde stets stärker und stärker mehren, so werden sich dadurch auch Dünste und Wolken stets in dichteren Massen zu bilden und zu zeigen anfangen, werden von den schon beschriebenen Winden mit fortgetragen und sehr gedrückt. Dadurch entsteht ein Kampf, bei dem die unreinen Geister in der Form des Schnees auf die Erde herabgeworfen und dabei auch gereinigt werden, und das oft in großen Massen. Das ist dann für den Erdboden wieder gut und dienlich, weil durch den Schnee die Erde gedüngt und ihre Fruchtbarkeit erhöht wird.
   05] Ich sehe aber in dir noch eine Frage, und die besteht darin, daß du als ein Hauptmann durch den Wissensdurst getrieben, von mir noch gerne erfahren möchtest, ob das Eis auf den Flüssen, Seen, Teichen und auch auf den Meeren auch durch die gewissen Geister erzeugt wird.
   06] Ganz sicher! Durch zu geringe Tätigkeit und durch ihren Trieb nach Ruhe werden sie enger aneinander, gewisserart wie gepreßt, ohne sich dabei irgend tätig zu regen; dadurch werden sie im Verein mit den Luftgeistern schwer, drücken auf die Geister des Wassers, die dadurch auch in eine völlige Untätigkeit übergehen, und diese völlige Untätigkeit ist hernach eben das, was sich dir am Wasser als Eis zeigt. Je weniger Tätigkeit in sich demnach die euch nun zur Genüge gezeigten Geister entwickeln, desto kälter muß es denn auch in den Gegenden werden, in denen den Geistern eine zu geringe Gelegenheit zur erhöhteren Tätigkeit geboten wird. Darum gefrieren im Winter denn auch rasch dahinfließende Ströme und Bäche um vieles schwerer als ganz ruhig stehende Gewässer, weil die gewissen Geister in ihnen notgedrungen tätiger sind als in den stehenden Gewässern.
   07] Siehe, Menschen und auch Tiere, so sie träge und untätig sind, kommen vor Wärme in keinen Schweiß, und in einer kalten Jahreszeit schon gar nicht: aber Menschen, die sich recht tätig herumtummeln, werden selbst im Winter noch an innerer Naturlebenswärme keinen Mangel haben. Die Trägheit in allem ist gewisserart der Tod und das Gericht eines jeden Wesens.
   08] Darum denn ermuntert auch eure Nebenmenschen zur Tätigkeit, denn in der Tätigkeit bildet sich das Leben, in der Trägheit aber der Tod. Mit dem habe ich euch nun auch in dieser Richtung ein gutes und wahres Licht gegeben; benützet es der Wahrheit gemäß, und es wird euch gute Früchte tragen!«
   09] Hierauf dankten wieder alle dem Raphael auch für diese Belehrung und priesen seine Weisheit, die ihm auch eigen sei in der Beleuchtung und gründlich klaren Darstellung aller früher von keinem Naturweisen nur annähernd der Wahrheit nach erkannten und erklärten Erscheinungen in der Naturwelt.
   10] Es konnten sich aber diese neuen Jünger von der Gestalt der Erde trotz der weisen Rede Raphaels dennoch keinen richtigen Begriff machen.
   11] Und der Hauptmann sagte darum zu Raphael: »Ich kann mir nun schon das meiste, über das du uns belehrt hast, recht gut vorstellen, da ich einsehe, wie die Geister oder die geheimen Naturkräfte überall beschaffen sind, und wie sie wirken; aber von der Gestalt der Erde fehlt mir noch eine richtige Vorstellung. Möchtest du mir nicht ein faßlicheres Bild von ihrer Gestalt und Beschaffenheit entwerfen?«
   12] Sagte Raphael: »Mein lieber Freund, mit Worten geht das wohl durchaus nicht, denn da könnte ich dir die Gestalt der Erde ein Jahr lang beschreiben, so hättest du noch keinen vollkommen richtigen Begriff von ihr; aber ich will euch Neulingen etwas anderes zu eurer helleren Aufklärung über die Gestalt der Erde tun, und zwar so ihr es wollt, das, was ich euch zur Erklärung des Fortlebens der Seele nach des Leibes Tode getan habe. Ihr werdet in solch einem erhöhten Sehzustand der Seele in wenigen Augenblicken die ganze Erde übersehen und euch dann sogestaltig den wahrsten Begriff von ihrer Gestalt selbst machen können.
   13] Wir werden aber dazu nicht des dritten Grades des inneren Seelensehezustandes benötigen, sondern nur des zweiten, und ihr werdet die Erde ganz, wie sie ist, vom Nord- bis zum Südpol übersehen, und so ich euch aus solch einer Verzückung wieder wachrufen werde, da werde ich auch dafür sorgen, daß euch das Geschaute in der möglichst klaren Erinnerung bleiben wird. So ihr also das wollet, so will ich euch auch das tun.«
   14] Sagten alle: »Wir bitten dich darum, tue uns das!«
   15] Es traten aber auch die andern Römer auf und sagten: »Höre! Wir haben wohl zwar schon vom Herrn eine derartige und wundervolle mit Anschauung verbundene Erklärung über die Gestalt der Erde überkommen, daß wir sie vom Nord- bis zum Südpol und dem ganzen Umfange nach völlig genau kennen; aber wir meinen, daß es uns dennoch auch zum Nutzen dienen würde, so du uns nun auch mit den Neulingen in die Verzückung zögest, auf daß wir von dem Gesehenen mit in aller Wahrheit zeugen könnten! Wenn du das für gut findest, so tue auch uns den Gefallen!«
   16] Sagte Raphael: »Euch tut das zwar nicht mehr not; aber des größeren Zeugnisses halber kann ich euch solchen Gefallen ja auch mit erweisen, und so machet euch denn nun gefaßt darauf!«


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