Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 8

Kapitelinhalt 146. Kapitel: Die Frage nach Raphaels Wesen.

   01] (Raphael:) »Suchet daher die Menschen in allem der von euch erkannten Wahrheit nach wohl zu unterweisen, so werdet ihr das geistige Glaubensfeld wohl düngen, und der Same des Wortes Gottes wird da bald und leicht feste Wurzeln treiben, und der aus dem Samen emporkeimende Stamm wird sich zu einem wahren und kräftigen Lebensbaume entfalten!
   02] Nur Wahrheit und Licht in allen Dingen muß ein Mensch, der zum Leben des Gottesgeistes in sich dringen will, in sich lebendig und klar erfassen; denn jeder Schatten in der Seele kann sie auf Irrwege bringen, auf denen sie sich dann schwer zurechtfinden wird.
   03] So ihr aber den Menschen das Evangelium predigen werdet, da befreiet sie zuvor von dem verderblichen vielfachen Aberglauben, und sie werden dann bald der großen Segnungen des Wortes Gottes gewahr werden und zu euren Freunden werden!
   04] Nichts aber wird vom Herrn und allen Engeln der Himmel mit größerer Liebe und Segnung angesehen als eben die allgemeine, wahre Liebe und Freundschaft unter den Menschen; diese aber kann nur dann zu walten anfangen, wenn die Menschen sich in aller Wahrheit und im hellsten Lichte aus Gott entgegenkommen. Denn die reine Wahrheit befriedigt das Herz und macht es sanft und demütig und dadurch gegen jedermann freundlich und liebdienstlich beflissen, weich und barmherzig.
   05] Nehmet euch diese Worte wohl zu Gemüte und handelt danach, so werdet ihr viel Segen unter den Menschen verbreiten, und des Herrn Gnade wird in euch lebendig werden! - Habt ihr dies alles nun wohl aufgefaßt und begriffen?«
   06] Hier dankten alle dem Raphael und bejahten die Frage.
   07] Der Hauptmann aber, über die Weisheit Raphaels höchst erstaunt, sagte zu ihm: »O du holdester junger Freund, wie hast du wohl zu solch einer großen Weisheit gelangen können? Denn die Lehren, die du uns nun schon gegeben hast, und die Macht, die du besitzest, und die du uns auch schon auf eine mehrfache und wunderbarste Weise gezeigt hast, zeugen dahin, daß auch du offenbar mehr sein mußt als ein auf dieser Erde aus dem Leibe eines Weibes geborener Mensch. Sage es uns doch, ob nicht auch du so etwas von einem Gotte bist!«
   08] Sagte Raphael: »O allerdings, denn ein jeder Mensch, der nach dem Willen und nach der Ordnung Gottes lebt, hat die Lebensmacht und Kraft Gottes in sich, ist darum ein Kind Gottes und kann zu Gott "Heiliger Vater" in aller Wahrheit und Klarheit rufen. Wer aber das tut und tun kann, der wird ja wohl auch so ein starkes Etwas von dem einen und allein wahren Gott in sich haben, nicht nur für diese Zeit, sondern für die Ewigkeit!
   09] Du staunest über mich, und ich sage es dir, daß nun schon mehrere Jünger des Herrn, so es nötig wäre, dasselbe zu leisten imstande wären, was ich vor euch geleistet habe. Ich bin darum nichts mehr und nichts weniger als ein Mensch, der in einer Zeit aus dem Leibe eines Weibes ist in die Welt geboren worden, aber nicht gestorben ist und auch nie sterben, sondern ewig fortleben wird, weil er in sich als ein reiner Geist ein Herr seines Lebens geworden ist, - was aber auch ihr alle werden könnet und auch werdet, so ihr nach der Lehre des Herrn leben und handeln werdet.Nun habe ich euch auch das, insoweit es für euch jetzt taugt, erklärt; ein Weiteres werdet ihr zur rechten Zeit schon noch erfahren.«
   10] Mit dem begnügten sich die Fragenden und fragten nicht weiter, wer Raphael noch wäre.
   11] Die zehn Hauptrömer aber, die da wohl wußten, was es mit dem Raphael für eine Bewandtnis hat, sagten nichts aus, da ihnen Raphael dahin einen Wink gegeben hatte, daß sie ihn nicht ruchbar machen sollten, da die Neulinge sich an einem reinen Geiste in ihrem Herzen gestoßen hätten und ihre Seele zu bald und für sie nicht heilsam den Glaubenszwang überkommen hätte.


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