Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 8

Kapitelinhalt 121. Kapitel: Besichtigung des alten Königshauses durch Jesus und seine Jünger.

   01] Sagte der Wirt: »O Herr und Meister, da geschieht meinem Hause doch wahrlich zu viel Heiles und zu viel der nie verdienten Gnade, denn bisher habe ich noch wenig Verdienstliches zum ewigen Leben gewirkt!«
   02] Sagte Ich: »Freund, Gott sieht aber nicht auf das, was du schon getan oder nicht getan hast in der Beschränktheit deines inneren Lichtes und Willens, sondern nur auf das sieht Gott, was du von nun an in der Folge tun wirst! Da aber Gott deinen ernsten Willen wohl sieht, so kannst du auch schon zum voraus Seiner Gnade und des rechten und vollwahren Heiles dich erfreuen. Hätte Ich dich nicht schon lange eher gekannt als du Mich, so wäre Ich nicht in dein Haus gekommen.«
   03] Mit dieser Meiner Versicherung war der Wirt vollends zufrieden und dankte Mir mit den Seinen für solche Lehren und für alle Gnade, die Ich seinem Hause erwiesen habe.
   04] Darauf sagte er zu den Seinen, daß sie im zweiten Stockwerke, in dem wir uns befanden, alle Zimmer und Gemächer öffnen sollten, was denn auch alsogleich geschah.
   05] Wir bewegten uns zuerst nach rechts in den anstoßenden großen Saal, der vor Reichtum und alten Denkwürdigkeiten strotzte. In diesem Saale befand sich schon eine große Marmorplatte in der Wand gen Mittag, in der folgender Psalm Davids mit unverlöschbarer Farbe noch ganz wohl leserlich geschrieben stand und nun vom Hebräischen ins jetzige Deutsche verdolmetscht also lautete (ps.008)

   07] Als Ich den Psalm also von der Marmorplatte abgelesen hatte, da hatten alle eine große Freude, und der Wirt bat Mich, daß Ich ihm denn auch ganz kurz die Erklärung dieses Psalmes geben möchte; denn es komme ihm vor, daß darunter ein weiser und prophetischer Sinn verborgen sei.
   08] Und Ich sagte zu ihm: »Da hast du abermals ganz richtig geurteilt, und Ich werde dir auch den verborgenen Geist der Wahrheit zeigen; aber du wirst ihn nicht völlig fassen, weil David da von der noch fernen Zukunft sprach und sang.«
   09] Hierauf erklärte Ich den verborgenen Geist des Psalmes in der Weise - nur etwas gedehnter -, als er hier nun in den Einschlußzeichen kurz und leicht verständlich dargestellt ist. Damit war der Wirt sehr und dankbarlichst zufrieden und die andern alle auch; denn sie fanden das mit dem völlig übereinstimmend, was Ich ihnen schon bei anderen Gelegenheiten über das Los Meiner Lehre und über die ferne Zukunft geweissagt hatte in wohlverständlicher Rede.
   10] Darauf führte uns der Wirt zu einem uralten Schrank, der gar zierlich aus Zedern- und Ebenholz gemacht war, öffnete ihn und sagte: »Dieser Schrank enthielt die besonderen Schriften und Aufzeichnungen des großen und mächtigen Königs, von denen sich nun nichts mehr vorfindet. Ich benutze ihn aber nun zum Aufbewahren alles dessen, was ich an Schätzen, aus jenen Zeiten herstammen sollend, besitze.«
   11] Er öffnete darauf mehrere geheime Fächer dieses großen Kastens und zeigte uns eine Partie Darmsaiten, die David selbst gemacht hatte, eine Steinschleuder und ein paar Steine, dann eine Lanze, mehrere Schreibtafeln, was alles die Römer mit großer Aufmerksamkeit betrachteten und bewunderten.
   12] Mich aber fragte der Wirt, sagend: »Herr und Meister, ist dieses Reliquienzeug wohl echt aus den Zeiten Davids?«
   13] Sagte Ich: »Freund, ob echt oder unecht, das ist da nun wohl einerlei, denn alles das hat für den wahren, nur nach dem Geiste der Lebenswahrheiten aus Gott strebenden Menschen gar keinen Wert; was aber als Hinterlassenschaft des weisen Königs der Juden einen Wert hat, das ist der Geist in seinen Schriften und Gesängen, und auch das, was die Chronik von seinen Taten für die Menschen aufbewahrt hat. Denn einst im andern Leben wird der Mensch nur von dem sein seligstes Dasein haben, was er sich durch gute Taten nach dem Willen Gottes zu eigen gemacht hat.
   14] Übrigens schadet es einer durch gute Taten edlen und reinen Seele nicht, so sie eine Freude an den geschichtlichen Altertümern hat; nur enthalte sie sich einer Art übertriebener Verehrung für derlei Dinge, die als in sich tote Gegenstände für ihr inneres Leben keinen Wert haben können.
   15] Wer solche Dinge zu hoch verehrete, der triebe mit ihnen eine Art schädlicher Abgötterei und verfiele am Ende leicht in allerlei Aberglauben. Und das wäre eben dem finsteren Heidentume gleich, dem um des Reiches Gottes willen, das nun zu allen Menschen kommt, nach allen Richtungen zu steuern ist, auf daß es nicht in der neuen Lehre Wurzel fasse, sie verunreinige, verderbe und den inneren Sinn des dir erklärten Psalms vor der Zeit unter den Menschen bewahrheite, in der die Menschen eben durch allerlei Aberglauben von einer Gottlosigkeit in die andere versinken werden.
   16] Darum zeige du diese Reliquien auch nur solchen Menschen, die von keinem Aberglauben beseelt sind, sondern sie nur als pure geschichtliche Dinge betrachten und ihnen keine sogenannte magische Heilswirkung beilegen.
   17] Sieh an die Berge und ihr Gestein! Das sind Werke der Macht und Weisheit Gottes und sind für dich schon unaussprechbar alt, sind als solche sicher um gar vieles denkwürdiger als die Werke von der Hand eines Menschen. Welcher Vernünftige aber möchte die Berge darum verehren oder gar anbeten, weil sie unfehlbar Werke der Allmacht und Weisheit Gottes sind und ein überhohes Alter aufzuweisen haben! Sie sind und bleiben Materie und haben ihre Bestimmung zum Nutzen der Erde.
   18] Und so haben derlei Altertümer auch nur den kleinen Nutzen, daß sie als Beweise der Geschichte teilweise dienen können, insoweit sie als erweisbar echt betrachtet werden können, was aber freilich für die nach der reinen Wahrheit forschenden Menschen in allen Dingen eben etwas schwer darzutun ist.
   19] Diese Sachen da sind zwar echt, - aber so auch Ich dir das Zeugnis gebe, so erhöht das ihren Wert nicht. Und so weißt du nun auch, was du von diesen Reliquien zu halten hast. Du kannst nun diesen Schrank denn auch wieder schließen und uns in den andern Saal führen der Römer wegen!«


Home  |    Index Band 8  |   Werke Lorbers