Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 8

Kapitelinhalt 90. Kapitel: Jesus über die rechte Sabbatheiligung.

   01] (Jesus:) »Nur für die Kinder mag die Gemeinde ein eigenes Schulhaus errichten und es mit einem oder bei einer größeren Gemeinde nach Bedarf auch mit mehreren wohlerfahrenen und sittsamen Lehrern versehen, die der Jugend das Lesen der Schrift, also auch das Rechnen, das Selbstschreiben und noch mehrere nützliche Kenntnisse beizubringen haben. Haben sie das an jedem Tage gewissenhaft und redlich mit Fleiß und Eifer getan, so haben sie auch an einem jeden Tage den Sabbat geheiligt; und der Gemeinderabbi wird dasselbe tun, wenn er solch eine Schule zu öfteren Malen besucht und Lehrer und Schüler zu Fleiß und Eifer ermuntert und ihnen von Zeit zu Zeit gute Lehren gibt in Meinem Namen. Was er aber da zu reden haben wird, für das wird schon von Mir aus gesorgt werden.
   02] Also ist es auch recht, so eine stehende Gemeinde sich nebst dem Schulhause für Kinder ein Versammlungshaus errichtet, in dem sie sich von Zeit zu Zeit in Meinem Namen versammeln kann und mag. Aber es soll in einem solchen Hause dann nicht nur pur der bestellte Gemeinderabbi das Recht zu reden und zu predigen haben, sondern ein jedes männliche Gemeindeglied, so es von Meinem Geiste dazu ermuntert worden ist. Denn es soll in einem solchen Hause nicht nur von der Schrift und von den Propheten und von Mir gepredigt werden, sondern auch von andern Dingen zur tieferen und wahren Erkenntnis Gottes und zur Belebung der Liebe zu Gott und dem Nächsten; und da soll der reden, der von Meinem Geiste in ihm dazu ermuntert wird, und die Gemeinde samt ihrem Gemeinderabbi soll ihn hören. Und so sie das tun wird an was immer für einem Tage, da wird sie auch eine wahre Sabbatheiligung begehen.
   03] Ich will aber damit nicht sagen, daß ihr deshalb die Ordnung der Zeit und die Zählung der Stunden, der Tage, der Wochen, der Monde und der Jahre ganz außer acht lassen sollet; das könnet und sollet ihr auch immerhin tun. Aber ihr sollet nicht die gewissen Tage, weil sie in der Woche oder im Monde oder im Jahre die soundsovielten sind und diesen und jenen Namen haben, für besser und heilsvoller halten als die andern; denn an der Zahl und am Namen liegt gar nichts, sondern nur am Leben und Handeln nach dem geoffenbarten Willen Gottes.
   04] Denn wer da an einem Sabbat an seinem Nächsten gesündigt hat, für den war der Sabbat wahrlich kein Sabbat! So aber jemand an einem andern Tage seinem Nächsten etwas Gutes erwiesen hat, für den war auch dieser andere Tag ein vollkommener Sabbat.
   05] Darum soll in der Folge unter Meinen wahren Nachfolgern alles völlig frei sein, und nichts kann einen Tag zu einem wahren Sabbat erheben als allein nur Taten, die aus der wahren und lebendigen Liebe zu Gott und dem Nächsten hervorgehen. Pfui und Schande solch einer dümmsten Menschensatzung, die das für eine Sabbatschändung erklärt, so man einem Armen und Bedrängten auch an einem Sabbat eine Hilfe bringt! Pfui und Schande solchen Priestern, die das Volk lehren, daß Gott ein Wohlgefallen habe an ihrem ekligen Geplärre und an ihren Opferzeremonien, die nur ein Greuel vor Mir sind, wie sie es auch allzeit waren!
   06] Darum werde der Sabbat nun erst ein wahrer Werktag, und alle Zeremonie bestehe im reinen Handeln nach Meinem Worte; das werde Ich allzeit mit Wohlgefallen ansehen und die wahren Sabbatheiliger auch belohnen mit aller Meiner Gnade und Liebe. Also spricht nun der Herr!
   07] Die aber den Sabbat heiligen werden in der Weise wie die Templer es nun tun und schon seit lange her getan haben, und die dem Sabbat eine gewisse magische Heiligungswirkung zuschreiben, so wie den gewissen Festtagen und den Neumonden, die sollen von der Feuerflut Meines gerechten Zornes verzehrt werden! - Das hat nun auch der Herr gesprochen, vor dem alle Tage, Wochen, Monde und Jahre völlig gleich sind.
   08] Habt ihr das nun verstanden, wie da für alle Zeiten und Ewigkeiten gültig lautet Meine Meinung? Denn wahrlich, wahrlich sage Ich euch: Himmel und Erde, die ihr nun sehet, werden einst vergehen; aber Meine Worte werden bleiben in Ewigkeit! Das ist nun so Meine Meinung!«
   09] Als die Pharisäer solches von Mir vernahmen, wußten sie nicht, was sie Mir darauf erwidern könnten; die Römer aber frohlockten heimlich, weil Ich die Ansicht des Markus durch Meine Rede gutgeheißen hatte, zu der Ansicht des Schriftgelehrten aber ganz überaus bedeutende Änderungen anriet. Es merkten aber das die Pharisäer und ärgerten sich heimlich, obschon sie davon offen nichts merken ließen.


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