Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 7 Index

Kapitelinhalt 207. Kapitel: Jesus gibt als Jüngling Proben Seiner Allmacht.

   01] (Der Herr:) »Hierauf sagte der Grieche zu Joseph; »Nun erst erkenne ich deinen wunderbaren Sohn ganz wieder und habe eine große Freude darob, daß er uns Heiden nicht also beurteilt wie die andern Juden, die sich für die pursten Kinder Gottes betrachten und halten, aber als Menschen vor lauter Hochmut ordentlich stinken und sich untereinander ärger denn Hunde und Katzen verfolgen. Schon als ein zartes Kind hat dieser dein Sohn sich zu öfteren Malen über das Judentum, wie es jetzt besteht, bitter beklagt; aber nun als ein erwachsener Jüngling hat er sich klarer ausgesprochen und gezeigt, wie es so ganz eigentlich mit den Juden steht. Ich freue mich über sein Urteil nun um so mehr, weil er mir dabei ordentlich aus dem innersten Grunde meiner Seele geredet hat.
   02] Ist denn das von einem ernsten Volke Gottes eine Art, so sie jeden Heiden, der doch auch ein Mensch ist, gleich verdammen, und das sogar dann auch, wenn man ihnen noch so große Wohltaten erwiesen hat?! Warum verdammen sie denn unser Gold und Silber nicht?! Das ist für sie wohl schon zur Genüge; aber wenn unsereiner nur ihre Hausflur betreten hat, so halten sie ihr Haus und auch sich selbst auf einen ganzen Tag für verunreinigt! O der Narren! Für solch einen Wahnglauben habe ich gar keine Worte, um ihn als schlecht und dumm zur Genüge bezeichnen zu können! Und siehe, das bezeugte nun auch dein gottähnlich wunderbarer Sohn, und es hat mir das nun eine so große Freude gemacht wie sonst noch nie etwas anderes!
   03] Da wir aber nun diese Sache klar besprochen haben und wissen, was man von den Weltsatzungen der Juden zu halten hat, und man andernteils aber auch noch recht wohl weiß, daß du aus gar vielen Juden der ehrlichste und wahrhafteste bist und dich nicht an die leeren Formen bindest, so können wir nun schon miteinander abmachen, wie und unter welchen Bedingungen du mir das Wohnhaus und den großen Schweinestall erbauen möchtest. Dein wunderbarer Sohn wird es schon machen, daß du dabei von keiner Seite her irgend beanstandet wirst. Rede du, Freund, nun, was du dir da denkst!«
   04] Sagte Joseph: »Mein wundersamer Sohn und auch du habet wohl ganz vollkommen recht; kommt aber dann die Sache etwa doch auf, so werde dann nur ich zur Verantwortung gezogen werden! Wegen der Kosten werden wir ganz leicht fertig werden.«
   05] Sagte Ich: »Höre, du Mein irdischer Ernährer Joseph! Von Meinem Willen allein hängt es ab, ob dich bei der guten Arbeit jemand verraten kann; denn so Ich hier auch aus den gezeigten Gründen schon lange keine Zeichen mehr gewirkt habe, so bin Ich aber dennoch ganz Der, der Ich im Anfange war, und Mir sind alle Dinge möglich! Sonne, Mond, Sterne und diese ganze Erde, wie auch alle Himmel und die ganze Hölle müssen Mir gehorchen und sich richten nach Meinem Willen, - und Ich sollte da eine Furcht haben vor den finsteren und blinden Priestern unserer Synagoge?!
   06] Mache du nur mit dem Ehrenmanne den rechten Bauvertrag, - alles andere überlasse Mir! Wir werden dann mit dem Bau leicht fertig werden; denn Dem es möglich war, Himmel und Erde zu erbauen, Dem wird es etwa doch auch leicht möglich sein, einem biederen Griechen, der in seinem Herzen ein vollkommener Jude ist, ein rechtes Wohnhaus und einen Schweinestall zu erbauen! Ich sage es euch, daß ein Schweinestall wahrlich nicht zu jenen Bauten zu rechnen ist, die dem menschlichen Geiste eine Ehre machen; aber lieber ist Mir nun ein noch so schmutziger Schweinestall als der Tempel zu Jerusalem und gar manche Synagoge im großen Judenlande!«
   07] Sagte Joseph: »Aber höre, du mein Sohn, wie redest du heute gar so sehr vermessen?! Wenn das jemand von der Stadt gehört hätte und verklagte uns, was würde da aus uns werden? Wir würden ja der schrecklichsten Gotteslästerung beschuldigt werden und würden auch ohne Gnade gesteinigt werden!«
   08] Sagte Ich: »Sorge du dich um etwas anderes! Wer kann uns hören, wenn Ich es nicht will, und wer wird uns steinigen, wenn Ich ein Herr aller Steine bin? Da sieh hier diesen Stein, den Ich nun aufgehoben habe! Ich will nun, daß er für die Sinne der Welt völlig zunichte werde! Und siehe, er ist es schon! Wenn ein dummer Jude dann solche Steine nach uns würfe, werden sie uns wohl irgendwie schaden können?! Da sieh hinauf zur Sonne! Sieh, wie sie leuchtet mit ihrem hellen Lichte! Da Ich aber auch ein Herr über die Sonne bin, so will Ich, daß sie nun einige Augenblicke lang kein Licht von sich geben soll! Und siehe, es ist nun finster wie in der Nacht!«
   09] Hier erschrak Joseph und auch der Grieche, und die, die im Hause waren, kamen voll Entsetzen heraus und fragten ängstlich, was denn das nun wäre, und was es zu bedeuten hätte.
   10] Ich aber sagte: »Nun bin Ich schon so lange bei euch, und ihr kennet Mich noch nicht! Das ist Mein Wille! Ich aber will nun wieder Licht! Und sehet, die Sonne leuchtet wieder so vollkommen wie zuvor! Zu bedeuten aber hat das sonst nichts, als daß ihr alle wissen und erkennen sollet, daß Ich bei euch bin.«
   11] Da sagten alle: »Dem Herrn alles Lob, - unser Jesus hat wieder seine Kraft von Gott überkommen!«
   12] Sagte Ich: »Ich habe nichts überkommen; denn all die Kraft und die Macht sind Mein. Ich und Der, der in Mir lebt, sind Eins und nicht Zwei. - Und nun sage du, Joseph, Mir, ob du noch eine Furcht vor den Juden und Ältesten der Synagoge hast!«
   13] Sagte Joseph: »Ja, du mein liebster Sohn und auch mein Herr, bei so bewandten Umständen habe ich wohl keine Angst und Furcht mehr; denn nun erst habe ich völlig mein Heil gesehen. Nun werden wir aber auch ohne weiteres Bedenken uns sogleich an den bewußten Bau machen und heute noch uns dahin begeben, wo dieser unser alter Freund sein Haus und den Stall erbaut haben will!«
   14] Sagte der Grieche: »Ich danke euch zum voraus; der Lohn wird im reichsten Maße folgen. Die Stelle aber ist von hier nicht gar so weit, und da ich gute Lasttiere draußen bei der Herberge stehen habe, so werden wir noch heute vor dem Sonnenuntergange leicht die Stelle erreichen, allwo ich mit den Meinen wohne.«
   15] Hierauf berief Joseph die andern Brüder und teilte ihnen mit, was sogleich zu geschehen habe. Aber Joses meinte, daß es gut wäre, so einer von ihnen daheim bliebe, weil auch im Orte alle Tage etwas auskommen (vorkommen) könne; zugleich falle das weniger auf, und die Aufseher der Synagoge, die auf dieses Haus Meinetwegen ohnehin stets ihre Augen und Ohren gerichtet hätten, würden den Abgang Josephs weniger merken und nicht nachfragen, wo und bei wem er eine Arbeit genommen habe.
   16] Darauf sagte Ich: »Auch du sollst einmal recht haben, doch nicht ganz! Ich sage und verordne aber, daß außer Jakobus niemand mit uns zu gehen braucht und wir somit nur für drei das nötigste Werkzeug mitzunehmen brauchen, und das nur deshalb, damit man wisse, daß wir uns als Zimmerleute vom Hause wegbegeben. Jakobus, mache dich darum reisefertig!«
   17] Jakobus ging, machte sich reisefertig und schaffte das Werkzeug her.
   18] Als wir drei mit dem Griechen aber schon unsere Füße in Bewegung setzen wollten, da kam Maria, Meines Leibes Mutter, und fragte uns, wie lange wir aus sein würden.
   19] Sagte Joseph: »Weib, das läßt sich bei solch einer großen Arbeit wohl nicht zum voraus bestimmen!«
   20] Sagte darauf Ich: »Die Menschen können das freilich wohl nicht; doch Mir ist auch das möglich!«
   21] Sagte Maria: »Nun, so sage du es mir, wie lange ihr aus sein werdet!«
   22] Sagte Ich: »Volle drei Tage, das ist heute, morgen und übermorgen; am Sabbat noch vor dem Sonnenaufgange werden wir wieder hier sein!«
   23] Sagten alle: »Wie werdet ihr drei in zwei Tagen ein großes Wohnhaus und einen großen Schweinestall aufbauen?«
   24] Sagte Ich: »Das wird unsere Sache sein: ihr andern aber kümmert euch nur, daß daheim eure Arbeit in der Ordnung sei!«
   25] Da sagte Maria zu Mir: »Aber, mein liebster Sohn, wie kommst du mir heute doch wieder einmal gar so sonderbar vor! Du bist heute ja ganz gebieterisch! Wie kommt denn das?«
   26] Sagte Ich: »Weil Ich das eures Heiles wegen sein muß! Aber nun halte uns nicht länger auf; denn mit diesem Reden gewinnt keiner von uns etwas. Für den Menschen ist seine Zeit gar kostbar!«
   27] Sagte Maria: »Ja, ja, dir kann man in nichts widersprechen, - du hast allzeit recht; daher reiset nur glücklich, und kommet glücklich wieder!««


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