Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 7 Index

Kapitelinhalt 163. Kapitel: Moses und Elias ermahnen die neubekehrten Pharisäer.

   01] (Der Herr:) »Gebet aber nun noch weiter acht! Es sollen zu eurer völligen Beruhigung noch mehrere Zeugen aus dem Jenseits kommen und euch sagen, daß eben Ich der verheißene Messias der Juden zunächst und durch sie auch aller Menschen der ganzen Erde bin! Wählet aber nun selbst, wen ihr sehen und sprechen wollet!«
   02] Sagten die beiden: »Herr, wenn Du es schon einmal also willst, so laß uns Moses und Elias sehen; denn die beiden waren wohl sicher Deine größten Propheten!«
   03] Sagte Ich: »Allerdings! Weil ihr sie gewählt habt, so will Ich denn auch, daß sie kommen!«
   04] Als Ich das ausgesprochen hatte, da fuhr es aus der reinen Luft wie ein starker Blitz, und die beiden Zeugen standen mit sehr ernster Miene vor den Pharisäern, verneigten sich auch tiefst vor Mir, und Moses zeigte unter sehr feurigen Blicken mit der rechten Hand auf Elias hin und sagte mit einer donnerähnlichen Stimme: »Kennet ihr den?«
   05] Da erschraken die beiden Pharisäer gewaltig und konnten Moses vor Angst nicht antworten; denn sie erkannten in Elias nur zu bald Johannes den Täufer, zu dessen Gefangennehmung und Enthauptung sie selbst das meiste beigetragen hatten.
   06] Elias aber sagte: »Da euch die scharfe Axt an die Wurzel gelegt ist, so erkennet ihr erst, daß euer Gericht vor der Tür ist. Es war für euch die höchste Zeit, daß ihr euch bekehrt habt, und da der Herr, der Allmächtige, euch Selbst gnädig ward, so vergebe auch ich euch den an mir begangenen Frevel. Aber tausendfaches Wehe denen, die ihre argen Hände auch an den Leib des Herrn legen werden! Das Gericht und der Fluch ist ihnen schon an die Stirne gezeichnet.«
   07] Hierauf faßte der eine Pharisäer etwas mehr Mut und sagte mit bebender Stimme: »O großer Prophet, wer hätte es denn je geahnt, daß in dir der Geist des Elias verborgen war?!«
   08] Sagte Elias: »Steht es denn nicht geschrieben, daß Elias zuvor kommen werde und bereiten die Wege des Herrn? Habt ihr denn nicht gelesen: "Sieh, eine Stimme des Rufenden in der Wüste - bereitet dem Herrn die Wege! - Siehe! - Ich sende Meinen Engel vor Dir her, daß er ebne Deine Fußstapfen!"
   09] So ihr aber das wußtet, warum glaubtet ihr nicht? Warum verfolgtet ihr mich, und warum verfolgtet ihr bis jetzt auch den Herrn?«
   10] Sagte voll Angst der Pharisäer: »O du großer Prophet, habe Geduld mit unserer großen Blindheit; denn nur diese ist die Hauptschuld an all dem von uns und durch uns verübten Bösen!«
   11] Sagte Elias: »Was euch der Herr vergeben hat, das werde euch auch von uns vergeben! Aber hütet euch sehr, daß euch nicht abermals eine neue Versuchung blende; denn aus einem neuen Abgrunde würdet ihr schwerlich je wieder zum Lichte erstehen!«
   12] Hierauf verschwanden die beiden Propheten wieder, und die Pharisäer wandten sich bittend an Mich, daß Ich kein ähnliches Zeichen mehr wirken solle; denn es habe sie das schon in eine zu große Angst und Furcht versetzt.
   13] Sagte Ich: »So euch schon das in eine so große Angst und Furcht versetzt hat, wie würdet ihr euch denn dann befinden, so Ich euch die große Anzahl aller derer vorstellen würde, die durch eure große Rach- und Verfolgungssucht auf die elendeste Weise aus dieser Welt geschafft worden sind?«
   14] Sagten die Pharisäer: »O Herr und Meister, tue Du uns nun nur das nicht an; denn das würde unser Tod sein!«
   15] Sagte Ich: »Das eben nicht, solange Ich nun um eures Glaubens willen bei euch bin; denket euch aber, daß ihr denn doch einmal mit allen jenen Seelen im großen Jenseits sicher zusammenkommen werdet! Was werdet ihr ihnen zur Antwort geben, so sie euch vor dem Throne Gottes mit Allgewalt zur Rechenschaft fordern werden?«
   16] Sagten die Pharisäer: »O Herr und Meister von Ewigkeit, wir wollen ja in dieser Welt noch alles tun, was Du uns nur immer zu tun befehlen willst; aber laß dann jenseits uns zu keiner solchen Verantwortung kommen, denn da könnten wir auf tausend ja nicht eins erwidern! Gib uns aber in Deiner Güte und Erbarmung einen Rat, was wir noch tun sollen, um dereinst auch jenseits von solch einer Angst und peinlichsten Plage verschont zu werden!«
   17] Sagte Ich: »Was ihr zu tun habt, das habe Ich euch schon gesagt, und ihr werdet dadurch zum Licht und Leben gelangen; aber das sage Ich euch auch, daß es für euch gut ist, daß ihr euer Gewissen genau durchforschet und so die ganze Größe all eurer Sünden und Laster, die ihr begangen habt, durchschauet.
   18] Habt ihr das getan, dann habt ihr euch fürs erste der Sünden entäußert, werdet auch einen rechten Abscheu vor ihnen überkommen und sie wahrhaft im Herzen bereuen; dazu werdet ihr dann auch leicht und wirksam den festen Vorsatz fassen, ja keine Sünde mehr zu begehen, sondern nur den Wunsch stets lebendiger in euch fühlen, jeden Schaden, den ihr je jemandem zugefügt habt, nach allen euren Kräften wieder gutzumachen. Ihr werdet dazu in voller Tat wohl nicht imstande sein, besonders bei denen, die sich schon jenseits befinden; aber da werde Ich euren festen Willen fürs Werk annehmen und für euch alles gutmachen, was ihr Übles angerichtet habt.
   19] Aber ihr müsset das wohl höchst ernst beherzigen, sonst kann mit euch wohl das geschehen, was der Prophet Elias zu euch geredet hat; denn ihr werdet noch so manche Versuchungen zu bestehen haben! Ein altes Fleisch legt seine alten Gewohnheiten nicht so leicht ab, wie jemand in seinem ersten guten Vorsatze sich das vorstellt. Ihr werdet zwar mit Mir ziehen; aber an Meiner Seite, solange Ich noch auf dieser Erde umherwandeln werde, werdet ihr gleich Meinen anderen Jüngern in noch gar manche Versuchungen kommen, und es wird sich dann auch schon zeigen, wie schwach euer Fleisch noch ist, wenn der Geist in euch schon zu einer bedeutenden Stärke gediehen ist. Darum aber ist es eben so notwendig, alles aufzubieten, damit die Seele aus der alten Gefangenschaft des Fleisches kommen mag, und das kann nur dadurch geschehen, daß ihr das tuet, was Ich euch angeraten habe; denn die Sünde verläßt die Seele in dem Maße, in welchem die Seele die Sünde als Sünde erkennt, sie bereut, verabscheut und sie hinfort nicht mehr begeht. - Habt ihr das nun wohl begriffen?«


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