Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 7 Index

Kapitelinhalt 162. Kapitel: Abraham erscheint vor den Templern.

   01] Petrus ging hin und richtete Meinen Auftrag an die Templer aus, und diese kamen schnell zu Mir und sagten: »Herr, du hast uns schon die größten Beweise geliefert, so daß wir nun auch nicht den allergeringsten Zweifel mehr darüber haben, was und wer du bist, und wir verlangen von dir darum kein Zeichen mehr; doch so du schon eins wirken willst, so werden wir dir dafür sicher höchst dankbar sein aus dem tiefsten Grunde unseres Herzens!«
   02] Sagte Ich: »Ihr sehet nun wohl schon so ziemlich ein, daß eben Ich der verheißene Messias bin, und daß es nach Mir keinen mehr geben wird; aber ihr sehet noch nicht ein, daß der Messias niemand anders ist als eben derselbe Jehova, der dem Moses am Sinai die Gesetze gab und darum am letzten Festtage im Tempel von Sich wohl aussagen konnte: "Eher denn Abraham war Ich!", weshalb ihr Mich denn auch steinigen wolltet. Damit ihr das aber einsehet, erfahret und dann auch fest glaubet, will Ich euch eben ein besonderes Zeichen wirken. Und so habt denn alle wohl acht darauf, was da alles geschehen wird!
   03] Ich will nun als ein Herr auch der Geisterwelt, daß Mein Abraham hier erscheine und euch ein Zeugnis gebe von Mir; wenn er da sein wird, da möget ihr selbst mit ihm reden!«
   04] Hierauf senkte sich eine lichte Wolke auf den Hügel nieder, und aus der Wolke trat Abraham hervor, verneigte sich tief vor Mir und sagte: »Wie höchst überaus und wie lange schon habe ich mich Deines Tages der Herniederkunft gefreut, und meine Freude übersteigt nun alle Grenzen, weil ich Deinen Tag auf Erden gesehen habe! Aber so sehr ich mich auch über Dich, o Herr Jehova Zebaoth, freue, so wenig Ursache habe ich, mich über meine Nachkommen zu freuen! Wahrlich, die Nachkommen der Hagar sind um vieles besser in ihrer Art denn die Nachkommen aus der Sara!
   05] O Herr, Deine Liebe zu diesem entarteten Geschlechte und Deine Geduld mit ihm übersteigt alle Grenzen Deiner endlosen Schöpfungen!
   06] Als ich Dich dereinst bat, daß Du die zehn Städte mit Sodom und Gomorra noch verschonen möchtest um der etlichen Gerechten willen, da lautete Deine Antwort bitter: Du möchtest ihrer wohl schonen, so darin nur in allem zehn und am Ende gar nur zwei bis drei völlig Gerechte sich befänden. Da aber auch diese nicht da waren bis auf den einzigen, Lot, so schontest Du der zehn Städte nicht, rettetest allein den Lot, alles andere ward mit Feuer vertilgt.
   07] Wenn ich nun diese meine Nachkommen betrachte, so kommt auf die dreifache Anzahl der einstigen Bewohner der zehn Städte kaum ein Gerechter, und Du, o Herr, schonst dieses hurerische und ehebrecherische Geschlecht noch! Für Deine unbegrenzte Liebe und übergroße Geduld verfolgen Dich die Elenden noch und sind von dem argen Wahne beseelt, Dich sogar zu töten.
   08] O Herr, laß doch einmal ab von Deiner zu großen Geduld! O Herr, lange wartete ich auf den Isaak; nur Deine Kraft erzeugte ihn im Leibe der Sara. Als er schon ein gar rüstiger Junge geworden, da verlangtest Du, um zu prüfen meinen Glauben und meinen Gehorsam, daß ich ihn Dir opfern solle. Ich unterzog mich Deinem Willen; aber Du Selbst hieltest mich dann ab von der vollen Ausführung des anbefohlenen Werkes, beschertest mir dafür einen Ziegenbock, den ich dann an Stelle Isaaks zu opfern hatte, und gabst mir den Isaak wieder. Oh, wie gar sehr wohl tat das meinem Herzen!
   09] Doch es wäre damals besser gewesen, so ich an Stelle des Bockes dennoch Isaak geopfert hätte, auf daß aus ihm nicht ein Geschlecht hervorgegangen wäre, das schon in der Wüste unter dem Sinai in Deiner heiligsten Gegenwart ein goldenes Kalb anzubeten begann und nun ärger geworden ist denn alle noch so finsteren Heiden und anderen Kinder der Welt, die von der Schlange gezeugt worden sind auf dem Wege der großen Hurerei Babels. O Herr, strecke einmal aus Deine Rechte und vertilge Deine Feinde!«
   10] Diese Worte betonte der Geist Abrahams mit einer gewaltig ernsten Stimme.
   11] Ich aber sagte zu ihm: »Du weißt es, daß Ich hinfort die Menschen nicht mehr aus Meinem Eifer, sondern sie nur durch sie selbst will richten lassen, der wenigen Gerechten willen, die vor dem Mammon dieser Welt ihre Knie noch nicht gebeugt haben. Darum lassen wir nun die freiwillig stumme und blinde Welt wandeln ihre Wege und das Gericht führen über sich, das sich eben die Welt selbst bereitet zu ihrem Untergange.
   12] Meine wahren Kinder aber will Ich Selbst führen die Wege des Lichtes und die Pfade des Lebens. Was zu retten ist, das soll nun auch gerettet werden; was sich aber nicht will retten lassen und nicht frei werden will vom eigengeschaffenen Gericht und Tode, dem werde auch zuteil, was es will!
   13] Will jemand die Freiheit und mit ihr das ewige Leben, so werde es ihm auch zuteil; will aber jemand das Gericht und den Tod, so werde ihm auch das zuteil! Denn von nun an wird kein Jude mehr sagen können: "Ich hätte schon auch die Wege des Lichtes betreten, wenn ich von ihnen eine Kunde erhalten hätte!" - Ich habe allenthalben Selbst gelehrt und gewirkt, und heute noch werde Ich etliche siebzig Jünger entsenden, die Meine Lehre an alle Enden des ganzen alten Judenreiches hinaustragen sollen und sie verkünden den Heiden und Juden, und in einem Jahre werden in Meinem Namen Meine alten und ersten Jünger dieses Evangelium hinaustragen in alle Welt. Wohl jedem, der es annehmen und sein Leben danach richten wird!«
   14] Hierauf verneigte sich der Geist Abrahams wieder tief vor Mir, dankte Mir und verschwand.
   15] Da sagten die beiden Pharisäer: »Herr, Herr und Meister von Ewigkeit, das war wohl ein tüchtiges Zeichen; wir meinen: Wenn das alles auch die anderen Pharisäer gesehen hätten, so würden sie sicher auch ebenso gläubig werden, wie wir nun gläubig geworden sind. Warum wirkst Du denn vor ihnen keine solchen Zeichen?«
   16] Sagte Ich: »Weil eben Ich am allerbesten weiß, wie sie ein solches Zeichen aufnehmen würden! Ihr vier seid nun wohl die letzten, die aus dem Tempel noch zu retten waren; mit allen andern ist nichts mehr! Ich werde aber demungeachtet auch noch zu öfteren Malen im Tempel lehren und werde auch Zeichen wirken; aber ihr werdet euch dann selbst überzeugen können, welchen Eindruck das auf die Templer machen wird. Ja, es wird noch viel Volk an Mich zu glauben anfangen, aber diese Hohen des Tempels in dieser Welt nimmer!«


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