Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 7 Index

Kapitelinhalt 93. Kapitel: Das Böse und sein Gericht.

   01] Als der Mann das von Mir vernommen hatte, ward er ganz heiter und aß und trank, und seine Gefährten folgten emsig seinem Beispiele.
   02] Das Weib aber, das sich mit ihrem Manne unter ihnen befand, sagte ganz gerührt: »Oh, wie gut und wie gerecht ist doch der Herr! Wer Ihn wahrhaft erkannt hat, der muß Ihn ja über alles lieben! Oh, wenn die Templer da unten Ihn erkenneten, so würden sie Ihn gewiß auch über alles lieben und Seine weisesten Gebote halten! Aber bei denen läßt es der leibhaftige Teufel nimmer zu, weil sie seine getreuesten Diener und Knechte und darum vom Herrn aus keiner Gnade mehr würdig sind. Oh, einst in der Hölle werden sie das sicher ewig bereuen und sagen: "Oh, warum haben wir uns vom Teufel so sehr verblenden lassen!" Aber es wird ihnen dort solch eine Reue sicher nichts mehr nützen! O Herr, wir danken Dir, daß Du uns Armen und Unmündigen geoffenbart hast das Reich Deiner Gnade und hast es den Weisen dieser Welt vorenthalten!«
   03] Sagte Ich: »Hast recht wohl geredet, und das also, wie du es verstehst; - aber das merke dir hierzu, daß es in der Hölle keine Reue gibt zur Besserung eines Höllengeistes, die dahinaus ginge, daß es ihn ernstlich gereute, auf der Erde böse Taten verübt zu haben. Denn käme ein Höllengeist ernstlich zu solch einer Reue, so käme er auch zur Besserung und zur Erlösung; aber ein böser Geist - also ein Teufel - kann keine solche Reue in sich je aufkommen lassen, die gut wäre, sondern nur eine solche Reue, die so wie er selbst grundböse ist, und es reut ihn nur, daß er nicht noch unaussprechlich viel mehr des Allerbösesten in der Welt angerichtet hat.
   04] Daß bei solch einer Seele keine Besserung herausschaut und somit auch keine Erlösung, das kann wohl ein jeder Mensch von nur einigem Verstande sehr leicht einsehen.
   05] Wie aber bei einem Engel des Himmels alles grund- und erzgut ist, ebenso ist bei einem Teufel alles grund- und erzböse. Je inwendiger ein Engel denkt und will, desto gottähnlicher, freier und mächtiger ist er, und je inwendiger ein Teufel denkt und will, desto allem Göttlichen unähnlicher, unfreier und ohnmächtiger ist er; denn das Grundböse in ihm hemmt alle seine Kraft und ist sein Gericht und sein wahrer Tod.«
   06] Ja, Meine Liebe, wenn der Teufel von innen heraus einer guten Reue fähig wäre, so wäre er kein Teufel und befände sich nicht in der Hölle. Es kann darum ein Teufel von innen, also aus sich heraus, ewig nie gebessert werden, wohl aber ist das noch nach undenkbar langen Zeitläufen durch fremde Einwirkung von außen her möglich; die Einwirkungen aber müssen stets dem Innersten des Teufels, das - wie gesagt - grund- und erzböse ist, vollkommen entsprechen. Und so erstickt das auf den Teufel von außen her einwirkende Arge das innere Böse, und nur dadurch kann es in einem erzbösen Geiste nach und nach etwas heller und somit auch etwas besser, werden.
   07] Darum sind die Qualen der Höllengeister stets wie von außen her kommend, wie solches bei sehr bösen Menschen auch schon auf dieser Erde zu geschehen pflegt. Wenn bei einem erzbösen Menschen Lehre, Ermahnungen und die weisesten Gesetze nichts mehr fruchten und er in sich nur stets mehr und mehr sich bestrebt, den Gesetzen der Ordnung zuwiderzuhandeln, so kann er von innen, wie von sich aus, unmöglich mehr gebessert werden. Er kommt da in die Hände der scharfen und unerbittlichen Richter, die den Übeltäter mit höchst schmerzvollen äußeren Strafen belegen.
   08] Wenn da der Übeltäter gar vieles erleiden muß, so geht er nach und auch doch etwas mehr in sich und fängt an, über den Grund seiner Leiden reifer nachzudenken, erkennt seine Ohnmacht und dabei die Unerbittlichkeit der Gerichte; - ja er fängt endlich an einzusehen, daß er ganz allein der Grund und die Ursache seiner Qualen ist, und das durch seine bösen Taten, die er freiwillig und mit böser Lust gegen die Gesetze der allgemeinen Ordnung verübt hat. Weil er aber nun sieht, daß eben seine bösen Taten nun seine Quälgeister sind, so fängt er endlich an, sie in sich zu verabscheuen, und wünscht, sie nie begangen zu haben. Und siehe, das ist dann schon ein Schritt zu einer möglichen Besserung!
   09] Aber es dürfen da die Außenstrafen noch lange nicht zu Ende sein, weil der Übeltäter sein Böses nur darum zu verabscheuen begann, weil es böse Früchte trägt. Er muß jetzt erst durch äußeren Unterricht in sich zu erkennen anfangen, daß sein Böses in sich selbst wahrhaft Böses und es auch aus diesem alleinigen Grunde zu verabscheuen ist, und nicht darum, weil es für den Übeltäter notwendig böse Folgen nach sich zieht.
   10] Sieht dann der Übeltäter das ein und fängt an, das Böse des Bösen selbst wegen zu verabscheuen und das Gute eben des Guten wegen zu erwählen, so wird er in seiner Strafe geduldiger, da er sein Leiden ganz recht findet und es für eine Wohltat, durch die sein Leben gebessert wird, sieht und mit Geduld erträgt. Wenn der Übeltäter möglicherweise auf diesen Punkt gekommen ist und sein Inneres im Ernste besser und besser wird, so ist es dann erst an der Zeit, mit den äußeren Strafen insoweit nachzulassen, als eben das Innere des früheren Übeltäters wahrhaft besser geworden ist.
   11] Wenn die Weltrichter das verstehen würden, so könnten sie auch aus manchem Erzübeltäter einen guten Menschen schaffen; aber sie sind bei großen Übeltätern gleich mit der Todesstrafe bei der Hand und machen dadurch aus dem gänzlich ungebesserten Übeltäter für die Geisterwelt erst einen vollendeten Teufel. Das soll aber in der Folge unter euch nicht mehr sein!
   12] Wenn ihr aber schon richten müsset, so richtet, wie Ich es euch nun gezeigt habe, ein gerechtes Gericht zur wahren und sicher möglichen Besserung des Sünders, aber nicht zu seiner noch größeren Verteufelung!«


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