Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 6, Kapitel 242

Drei Gleichnisse von der Barmherzigkeit Gottes. Das Geheimnis der Liebe.

Lukas.15,04] Welcher Mensch ist unter euch, der a hundert Schafe hat und, wenn er eins von ihnen verliert, b nicht die neunundneunzig in der Wüste läßt und geht dem verlorenen nach, bis er's findet? b (a Matthäus.18,12 = b Jeremia.50,06Hesekiel.34,11-12Johannes.10,11-12;  Lukas.19,10;  ⇒ jl.ev05.247,07a*;  jl.ev01.029,04jl.ev03.163,06gm.pred.029)
• Lk.15,05] Und wenn er's gefunden hat, so legt er sich's auf die Schultern voller Freude.
• Lk.15,06] Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.

   01] (Der Herr:) a »Wo ist unter euch ein Mensch, der da hundert Schafe hat, und so er eines davon verliert, daß er dann nicht alsbald lasse die neunundneunzig in der Wüste und hinginge nach dem verlorenen und es suche so lange, bis er es wiederfinde, b und, wenn er es gefunden hat, es auflege auf seine Achseln vor Freude? c Und wenn er dann heimkommt, so wird er alle seine Nachbarn zu sich laden und sagen: "Freuet euch mit mir, denn ich habe mein Schaf, das verloren war, wiedergefunden und gebe ein Gastmahl!" (a Lk.15,04; b Lk.15,05; c Lk.15,06)

• Lk.15,07] a Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.
   02] a Und Ich sage es euch: Also wird auch mehr Freude sein über einen Sünder, der verloren war, so er sich ernstlich gebessert hat, denn über neunundneunzig Gerechte , die der Buße nie bedurft haben!« (a Lk.15,07)

• Lk.15,08] Oder welche Frau, die zehn Silbergroschen hat und einen davon verliert, zündet nicht ein Licht an und kehrt das Haus und sucht mit Fleiß, bis sie ihn findet?
• Lk.15,09] Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freut euch mit mir; denn ich habe meinen Silbergroschen gefunden, den ich verloren hatte.
   03] a Oder welches Weib ist, das zehn Groschen hat und einen davon verliert, das da nicht alsbald ein Licht anzünde, das ganze Haus kehre und suche mit allem Fleiße, bis es finde den verlorenen Groschen? b Und so das Weib den verlorenen Groschen wiedergefunden hat, wird es nicht seine Freundinnen und Nachbarinnen zusammenrufen und sagen: "Freuet euch mit mir; denn ich habe meinen Groschen gefunden, den ich verloren hatte!"? (a Lk.15,08 b Lk.15,09)

• Lk.15,10] So, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
   04] a Und Ich sage es: Also wird auch eine große Freude sein im Himmel bei den Engeln Gottes über einen Sünder, der verloren war, aber durch eine wahre und ernste Buße sich wieder für die Himmel hat finden lassen!« (a Lk.15,10)

• Lk.15,11] Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne.
   05a] Und weiter höret noch ein gar vielsagendes Bild! a Es war ein gar sehr angesehener und über und über reicher Mensch, der hatte zwei Söhne. (a Lukas.15,11)

• Lk.15,12] Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht. Und er teilte Hab und Gut unter sie.
   05b] a Und der jüngste Sohn ging zum Vater und sagte zu ihm: "Gib mir den Teil oder den Wert meiner Güter, was mir als deinem Erben zukommt; denn ich will von dannen ziehen und in der Welt mein Glück machen!" Und der Vater teilte das Gut der Söhne und gab dem Jüngeren seinen Teil heraus. (a Lukas.15,12)

Lukas.15,13] Und nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land; und dort a brachte er sein Erbteil durch mit Prassen. (a Sprüche.29,03; JL.Ev06.242,06a)
   06a] a Und bald darauf sammelte der Jüngere all das Seine zusammen und zog ferne von dannen über Land und Land. Und als er einen Ort fand, da es seinen Sinnen gefiel, b brachte er daselbst all sein Geld mit Prassen durch. (a Lukas.15,13; b Sprüche.29,03) • Lk.15,14] Als er nun all das Seine verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land, und er fing an zu darben
   06b] a Und als er bald all das Seinige verzehrt hatte, kam eine große Teuerung in dasselbe Land, und er fing an zu darben. (a Lk.15,14)

• Lk.15,15] und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten.
   06c] a Darauf ging er hin und hängte sich an einen Bürger desselben Landes, daß er ihm einen Dienst gäbe, und der sandte ihn auf seinen Acker, seine Säue zu hüten. (a Lk.15,15)

Lukas.15,16] a Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm. (a Sprüche.23,21)
   06d] a Als er aber ein paar Tage die Säue hütete, da fing es ihn sehr zu hungern an, und er begehrte seinen Bauch zu füllen mit Trebern, die die Säue aßen, und niemand gab sie ihm. (a Lukas.15,16)

• Lk.15,17] Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger!
   07a] Da er aber also stark darbte und sich zur höchsten Not nur mit Wurzeln und Gras ernährte, so a ging er endlich in sich und sagte in seinen Gedanken: "Wie gar viele Tagelöhner hat daheim mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe vor Hunger! (a Lk.15,17)

Lukas.15,18] a Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. (a Psalter.051,06Jesaja.03,12 .13)
   07b] Ich will mich aber aufmachen und zum Vater ziehen und ihm sagen: "Vater, ich habe gesündigt in dem Himmel und vor dir!" (a Psalter.051,06Jesaja.03,12 .13; Lk.15,18)

• Lk.15,19] Ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner!
   07c] a Ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße; mache mich aber doch zu einem geringsten deiner Tagelöhner!" (a Lk.15,19)

• Lk.15,20] Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küßte ihn.
   08a] a Und also machte sich der Sohn auf und zog zu seinem Vater. Als er aber noch ferne von dannen war, da ersah der Vater den Sohn schon, und es jammerte ihn. Darum lief er ihm mit offenen Armen entgegen, fiel ihm um seinen Hals und küßte ihn. (a Lk.15,20)

• Lk.15,21] Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße.
   08b] a Der Sohn aber sprach zu ihm: "Vater, ich habe gesündigt im Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße!" (a Lk.15,21)

• Lk.15,22] Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße
   08c] Aber der Vater sagte zu seinen Knechten: "Bringet sogleich das beste Kleid hervor und tut es ihm an, und gebet ihm einen Fingerreif an seine Hand, und ziehet ihm Schuhe an! (a Lk.15,22)

• Lk.15,23] und bringt das gemästete Kalb und schlachtet's; laßt uns essen und fröhlich sein!
   08d] a Und bringet ein gemästetes Kalb her, schlachtet es und lasset uns essen und fröhlich sein! (a Lk.15,23)

• Lk.15,24] Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein. ( Eph.02,05)
   08e] a Denn dieser, mein Sohn, war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist gefunden worden! Und so lasset uns nun singen und fröhlich sein!" ( Eph.02,05; Lk.15,24)

• Lk.15,25] Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er Singen und Tanzen
   09a] a Aber der älteste Sohn war auf dem Felde, und als er nach Hause kam, hörte er Gesänge und den Reigen. (a Lk.15,25)

• Lk.15,26 und rief zu sich einen der Knechte, und fragte, was das wäre.
   09b] a Und er rief der Knechte einen zu sich und fragte ihn, was das wäre. (a Lk.15,26)

• Lk.15,27 Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wieder hat.
   09c] a Der Knecht aber sagte zu ihm: "Dein Bruder ist gekommen, und der Vater hat ihm ein gemästetes Kalb geschlachtet, da er den verlorenen Sohn gesund wieder hat." (a Lk.15,27)

• Lk.15,28 Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn. (a 28-32: Matthäus.20,15)
   09d] a Da ward der älteste Sohn zornig und wollte nicht hineingehen. Der Vater aber ging hinaus und bat ihn sogar darum. (a Lk.15,28; Matthäus.20,15)

• Lk.15,29 Er antwortete aber und sprach zu seinem Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten, und du hast mir nie einen Bock gegeben, daß ich mit meinen Freunden fröhlich gewesen wäre.
   09e] a Der älteste Sohn aber antwortete und sprach zum Vater: "Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot nie übertreten, und du hast mir nie auch nur einen Bock gegeben, daß ich dabei mit meinen Freunden gar fröhlich hätte sein können! (a Lk.15,29)

• Lk.15,30] Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut mit Huren verpraßt hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet.
   09f] a Da nun aber dieser dein Sohn gekommen ist, der sein Gut mit Huren verschlungen hat, so hast du ihm ein gemästetes Kalb geschlachtet!" (a Lk.15,30)

• Lk.15,31] Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein.
   09g] a "Mein Sohn, du bist allzeit bei mir", sprach der Vater, "und alles, was mein ist, ist auch dein!" (a Lk.15,31)

• Lk.15,32] Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden.
   09h] a Darum sollst auch du fröhlich sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, und er war verloren und ist wiedergefunden worden!" Da ging auch der älteste Bruder hinein und hatte eine große Freude an dem jüngsten Bruder. (a Lk.15,32)
   10] Sehet, diese Bilder sagen euch alles, dessen diejenigen bedürfen, die in ihrem Herzen in der Liebe dem Vater im Himmel gleichen: welche aber nur in der Weisheit allein stecken, die fühlen das große Bedürfnis der Liebe im Vater nicht.
   11] David, der Mann nach dem Herzen Gottes, hatte auch zwei Söhne, die er besonders liebte. Obschon ihn aber Absalom verfolgte und er (David) ihm alle Gewalt entgegenstellte, daß er ihn besiegte, welche Prämie hätte von David derjenige erhalten, der ihm den so heiß geliebten Sohn lebend wiedergebracht hätte! Salomo war wohl die Weisheit selbst und war stets um David; aber Davids Liebe und Neigung war Absalom.
   12] O Meine Lieben, dies Bild besagt unendlich viel! Welche Freude wird Davids Herz empfinden, wenn sein verlorener Absalom ihm einmal lebendig wieder zugehen wird!
   13] O Meine Lieben, in der Liebe liegt noch gar vieles verborgen, was keine Weisheit ergründet hat; darum ist der Vater als die ewige Liebe auch größer denn der Sohn, der als Ihr Licht hier vor euch ist.
   14] Darum sage Ich: vieles ist selbst bei den weisesten Menschen unmöglich, was bei Gott in Seiner Liebe dennoch alles möglich ist! - Glaubet ihr Mir dieses?«
   15] Sagte nun Lazarus voll Freude: »Herr, wir danken Dir allerinbrünstigst für diese Kundgabe; denn wer da nicht mit der siebenfachen Finsternis der Seele und seines ganzen Gemütes geschlagen ist, der muß es ja doch allerhandgreiflichst merken, was Du damit angedeutet hast. Ich wenigstens habe Dich ganz klar verstanden, und es wird das wohl bei vielen der Fall sein.«
   16] Sagten auch nahezu alle, die hier zugegen waren, daß sie das Gesagte wohl verstanden hätten.


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