Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 6, Kapitel 99

Joreds armes Fischerdörfchen wird von Jesus reich gesegnet.

   01] Nachdem aber die Jünger ihren Unterricht beendet hatten, da kam alles wieder zu Mir und dankte Mir mit hoch aufgehobenen Händen für die Heilung und ganz besonders für die Lehre, durch die sie nun zum ersten Male zu der Einsicht gelangt seien, was eigentlich der Mensch ist, und wozu er bestimmt ist.
   02] Ich aber sagte zu ihnen: »Meine Lieben, tuet danach, dann erst wird euch völlig klar werden, daß die Lehre, die ihr vernommen habt, nicht aus dem Munde eines puren Menschen stammt, sondern wahrhaftest aus dem Munde Gottes, und sie in sich die höchste und reinste Wahrheit und also das Leben selbst birgt!«
   03] Sie versprachen alle auf das teuerste, das alles strengst zu beachten, nur um das einzige baten sie Mich, daß Ich, da es Mir sicher auch möglich sein müßte, ihr Dörfchen dahin nur ein wenig segnen möchte, daß sie hinsichtlich ihrer natürlichen Bestehung nur um ein ganz geringes leichter auskämen und nicht gar so mager und elend leben müßten. Wenn sie so wie bis jetzt nur unter den größten Anstrengungen sich ihre kargste Nahrung fort und fort erwerben müßten, so könnten sie zu dieser neuen und so ernsten Lebenssache viel zuwenig Zeit erübrigen, was für sie nun etwas sehr Schmerzliches wäre.
   04] Da sagte Ich: »Nun, was möchtet ihr wohl? Möchtet ihr recht fette Wiesen für eure Ziegen und Schafe, und möchtet ihr auch Obstbäume und Fruchtäcker und eine reichlichere Fischerei haben und daneben etwa auch ein wenig bessere Häuser und Wirtschaftsgebäude?
   05] Sagte der Vorsteher: »Oh, Herr und Meister des Lebens und aller Dinge, das alles wäre sehr gut und für uns überaus wünschenswert, aber wir sind alles dessen noch gar lange nicht würdig! Daher wären wir vorderhand schon mit einer nur ein wenig fetteren Weide für unsere mageren Ziegen und Schafe mehr als vollkommen zufrieden. Wenn dann und wann uns auch ein reichlicherer Fischfang könnte beschieden sein, so wären wir ja ohnehin die glücklichsten Menschen auf der Erde!«
   06] Sagte Ich: »Höret, bei euch kommt es nun im Ernste auf das alte Sprichwort an, das also lautet: "Wer das Kleine nicht ehrt, ist auch des Größeren nicht wert!" Da ihr aber das Kleine ehret, so seid ihr auch des Größeren wert. Und so denn werde euch alles, was Ich zuvor ausgesprochen habe!«
   07] In diesem Augenblicke standen ganz niedliche Häuser mit ganz guten Wirtschaftsgebäuden da, die ganze weite Sand- und Geröllsteppe ward zur üppigsten Wiesenflur, und strichweise waren die fruchtreichsten Weizenäcker zwischen den Wiesenfluren zu sehen. Um die Häuser prangten mit guter Umzäunung die edelsten Obstbäume von allerlei Art und Gattung, sogar die Rebe fehlte nicht, und was das Fischwasser betrifft, so ward es auch derart gesegnet, daß man nun schon bis uns Ufer die schönsten Fische in großen Gruppen streifend ersah, und die freien Wiesen waren voller Ziegen und Schafe; aber auch innerhalb der neuen Zäune, die ganz zierlich um die Wohnhäuser, Wirtschaftsgebäude und Obstbäume liefen, bemerkten die Einwohner eine Menge Geflügel, wie es sonst bei den reichen Griechen üblich war.
   08] Als die armen Einwohner das alles auf einmal ersahen, da wußten sie anfangs gar nicht, ob das wohl Wirklichkeit oder ein schöner Traum sei. Erst nach einer Weile kamen sie zu sich und fingen an, ein ordentliches Dankgeheul anzustimmen.
   09] Aber Ich beruhigte sie wieder und ermahnte sie, erstens sich nun darum nie und niemals zu übernehmen, da sonst gar leicht ein Hochgewässer ihnen das alles wieder nehmen könnte, - zweitens sollen sie das nicht aller Welt, die dadurch herkommen könnte, zu laut verkünden, wie sie dazu gekommen sind, da die Welt solches nicht fassen könnte, sie höchstens verlachen würde und nicht unterließe, ihnen zu schaden. Sie sollen nur sagen, daß dies ein Lohn ihres besseren Lebenseifers sei. Und drittens sollen sie untereinander liebreich und sehr verträglich sein, und keiner solle je seinen Nachbarn um ein etwa möglich größeres Glück beneiden, sondern sie sollen alle untereinander voll Liebe und voll Diensteifer sein, einer für den andern, und sollen führen ein reines, keusches und dadurch Gott wohlgefälliges Leben, und es werde da der gegenwärtige Segen nie von ihnen weichen.
   10] Sie gelobten das alles auf das teuerste und unter lautem Weinen und Schluchzen vor Freude.
   11] Nun aber sagte Ich abermals zu ihnen: »Gehet jetzt in eure neuen Wohnungen, und nehmet von allem Besitz, was ihr darin finden werdet!«
   12] Sie aber baten Mich, daß Ich ihnen nun die neuen Wohnungen als diesem und jenem eigentümlich seiend gnädigst anzeigen möchte, da sie sie nun gar nicht auskenneten, wem das eine oder das andere gehöre.
   13] Da beschied Ich die Jünger, daß sie diesen Menschen das tun sollten. Und die Jünger taten das, und es war diese Sache also bald in eine gut Ordnung gebracht.
   14] Da aber die Bewohner in den neuen Wohnhäusern auch eine reichliche Versorgung vorfanden, so wollten sie alle noch einmal zu uns zurück, um ihren abermaligen lautesten Dank vor Mir auszusprechen; aber die Jünger sagten ihnen, daß sie das nur ganz still im Herzen tun sollen, und daß Ich sie gar wohl verstehen werde, da Mir selbst der allerleiseste Gedanke eines auch in der größten Ferne seienden Menschen nicht fremd sei und bleibe. Daher sie sich das auch zu Herzen nehmen sollen, ja keine schlechten Gedanken in sich aufkommen zu lassen, da Ich darum augenblicklich wisse würde.
   15] Da gaben sich die Einwohner zufrieden und fingen an, alles in den seligsten Augenschein zu nehmen, was ihnen durch dieses Wunderzeichen alles zuteil geworden war.


Home  |    Inhaltsverzeichnis Band 6  |   Werke Lorbers