Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 6, Kapitel 84

Abfertigung der drei pfuschenden Ärzte.

   01] Die drei Ärzte aber standen nun wie versteinert da, und keiner konnte ein Wort über seine Lippen bringen.
   02] Da fragte der Zöllner den ganz munteren Sohn, was er den dreien für ein Zeugnis gebe.
   03] Sagte der Sohn: »Ganz dasselbe, das ihnen dieser fremde, wunderbare Heiland gegeben hat! Ihnen liegt gar nichts an der Genesung eines Kranken, sondern nur daran, daß er recht viel von ihren Heiltränkchen verschluckt und sie dafür dann recht viel Geld erhalten. Daß sie aber niemandem irgend wahrhaft geholfen haben, das weiß die ganze Stadt und Gegend. Wie sie aber mir geholfen haben, so haben sie schon gar vielen geholfen, - nämlich von dieser Welt in die andere! Ich meine, daß ich genug geredet habe.
   04] Doch das ist wahrlich noch sehr bemerkenswert: Sie sind Juden, wie sie sagten aus Jerusalem, und brüsteten sich sehr mit ihrem Jehova, und daß sie nur dem für ganz gewiß helfen könnten, der an ihren Gott glaube und ein großes Opfer in Gold, Silber und Edelsteinen darbrächte, welches Opfer man ihnen in die Hände legen solle, auf daß sie es dann sendeten nach Jerusalem, allwo ein gewisser Hoherpriester in einer allerheiligsten Kammer des Tempels zu dem Jehova bete für den Kranken und diesem dann für bestimmt besser werden würde. Was sollen aber wir Griechen dazu sagen, die wir ohnehin schon viel zuviel Götter haben? Sollen wir noch einen Gott dazunehmen, auf daß auch der uns ebensogut nichts helfe, wie uns alle die andern noch nie in etwas geholfen haben, außer ihren schlauen Priestern, die für sie die reichsten Opfer mit wichtigen, den Göttern geweihten Mienen einnahmen und sie heimlich zu allerlei schlechten Dingen und Taten vergeudeten?!
   05] Ich aber lege nun hier ein offenes Bekenntnis ab und sage: Dieser wunderbare Fremde ist nun und für alle künftigen Zeiten ein allein wahrer Gott für mich! Er ist ein Jehova der Juden und ein Zeus der Griechen, Römer und Ägypter. In ihm müssen alle Götter vereinigt sein. Wir haben schon oft allerlei Märchen erzählen hören, wie dieser oder jener Gott in den alten Zeiten etwas bloß durch seinen allmächtigen Willen hervorgebracht hat; aber wir Griechen als auch Menschen haben noch nie das Glück gehabt, so etwas mit den eigenen Augen zu erschauen. Aber dahier steht ein Mensch, der das vermag, und er ist von mir aus ein wahrster Gott, was ich nun fest glaube, und diesen Glauben werde ich auch mein ganzes Leben hindurch gleichfort behalten. - Was saget ihr andern dazu?«
   06] Sagte der Zöllner: »Ja, mein Sohn, diesem deinem neuen Glauben werden auch ich und alle Menschen meines Hauses uns getreulichst anschließen! Denn einen völlig Toten kann nur ein Gott wieder ins Leben zurückrufen. Aber nun bestimme, du anbetungswürdigster, fremder Meister und - ich sage - Gott, was ich den drei Ärzten tun soll! Denn ihre Art, den Leidenden zu helfen, ist offenbar zu schlecht, als daß man sie ganz ungestraft solle dahingehen lassen!«
   07] Sagte Ich: »Laß sie gehen; denn sie werden noch der gerechten Strafen in die schwere Menge finden! Fürs erste wird sie, so dies alles bekannt wird, sicher kein Mensch mehr begehren, und fürs zweite werden sie dann das Weite ehest von selbst suchen müssen. Nun aber sollen sie gehen und dir einen jeden Groschen zurückbezahlen, den du ihnen für ihre nichtige Heilung ausbezahlt hast!«
   08] Hier machten alle drei ein ganz entsetzlich saures Gesicht; denn das Zurückzahlen von mehreren hundert Groschen, die sie vom Zöllner schon zum voraus erhalten hatten, ging ihnen durchaus nicht ein.
   09] Aber der Zöllner bestand nun darauf und sagte: »Wahrlich, ich habe dieses Geld nicht im geringsten irgend vonnöten; aber ich will es den Armen dieses Ortes, deren es viele gibt, geben, und das wird besser sein, als daß ich es euch für nichts und wieder nichts beließe! Gehet denn und überbringet mir noch in dieser Stunde das Geld, ansonst ich euch, ihr elenden Wichte, den Gerichten übergebe!«
   10] Da erhoben sich die drei Ärzte und machten sich zum Fortgehen auf.
   11] Ich aber sagte: »Es genügt, daß von euch nur einer um das Geld hingeht, es zu holen, - die beiden andern aber verharren unterdessen als Bürgen hier; denn gingen nun alle drei, so hätten wir sie nun wohl das letzte Mal gesehen! Der jüngste von ihnen aber gehe, weil er noch der ehrlichste ist; denn ginge einer von den zwei älteren, so ließe er die hier Weilenden sitzen, und er würde sich mit dem Gelde für immer von hier empfehlen. Also geschehe es denn!«
   12] Da erhob sich alsbald der jüngste der drei Ärzte, ging und brachte auch in Bälde das Geld.
   13] Als der Zöllner das Geld übernommen und in Verwahrung gebracht hatte, sagte er zum Überbringer: »Höre, da du nach dem Zeugnisse dieses wahrhaft göttlichen Meisters noch der Ehrlichste bist, so magst du nun hier verbleiben; aber die beiden andern sollen sich augenblicklich von hier entfernen! Willst du aber mit ihnen gehen, so sollst du daran auch nicht im geringsten gehindert werden.«
   14] Der jüngere Arzt aber sagte: »So ich darf, da bleibe ich, und ich weiß, was ich tun werde. In Gemeinschaft der andern bleibe und wirke ich nimmer; denn sie waren die Herren und ich gleichsam nur ihr Knecht und mußte mit ihnen nach ihrem Willen wider meinen Willen und wider mein besseres Erkennen Hand in Hand gehen. O Herr, das hat mir gar viele trübe Stunden und Tage bereitet! Aber was wollte, was konnte ich tun? Denn sich mit den zweien überwerfen, hieße sich den ganzen Tempel zu Jerusalem zum Feinde machen, und diese Feindschaft ist bekanntlich die allerärgste in der Welt. Stehe ich aber allein, und zwar aufgefordert von dir als dem ersten Vorstande der ganzen Stadt, dann lache ich über die Feindschaft des Tempels.«
   15] Sagte der Zöllner: »Gut, so bleibe du, - und die beiden andern gehen!«
   16] Die beiden andern aber waren schon fort und verließen diesen Ort mit schnellen Schritten; denn sie sahen ein, daß hier für sie kein weiteres Bleiben möglich sei, so Ich Mich etwa allda niederließe.


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