Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 6, Kapitel 83

Jesus erweckt den verstorbenen Sohn des Zöllners.

   01] Hierauf ging der Zöllner eiligen Schrittes nach Hause und erkundigte sich daheim gleich nach dem Befinden seines so sehr geliebten Sohnes.
   02] Die drei Ärzte aber sagten zu ihm: »Herr, mit deinem Sohne steht es sehr schlimm! Dem ist nicht mehr zu helfen! Wir haben wohl alles versucht, was uns nur immer Wissenschaft und Erfahrung eingaben, aber es war alles eine vergebliche Mühe. Wenn wir ihm noch eine Stunde das Leben erhalten können, so haben wir an ihm ein großes Wunder ausgeübt!«
   03] Da ging der Zöllner zum Sohne, der schon auf dem Sterbebette lag; aber er sagte dennoch zu ihm: »Mein Sohn, diese drei Ärzte werden dir nicht helfen, aber es wird bald ein anderer Arzt kommen, der wird dir helfen; denn auf den setze ich nun all mein Vertrauen,und meinen vollsten Glauben.«
   04] Da hob der Kranke das Haupt auf und sagte mit gebrochener, schwacher Stimme: »Ja, der Tod wird mir helfen, - sonst kein Arzt mehr!«
   05] Hier kamen dem Vater die Tränen, und er sagte zum Sohne: »Nein, nein, nicht der Tod, sondern das Leben wird dir helfen! Denn der fremde Arzt, den ich gesprochen und zuvor noch nie gesehen habe, wußte, daß du volle sieben Jahre schon krank seist, und er sagte es auch, daß er dir noch helfen könnte, so du auch schon gestorben wärest, und so glaube ich denn auch fest seinen Worten.«
   06] Darauf sagte der Sohn nichts mehr, und die Ärzte sagten: »Lassen wir ihn in aller Ruhe; denn die geringste Anstrengung tötet ihn! Sieh hin, sein Gesicht hat schon alle Todesmerkmale!«
   07] Es dauerte nun noch eine halbe Stunde, da seufzte der Kranke noch einmal auf und starb.
   08] Da sagten die Ärzte: »Wo ist nun dein Arzt, der deinem Sohne helfen könnte, so er auch schon gestorben sein würde?!«
   09] Da trat Ich in das Zimmer des Kranken und sagte laut: »Hier stehe Ich und bin kein Maulreißer, wie ihr es seid, sondern was Ich sage, das ist vollste und nie trügende Wahrheit aus den Himmeln Gottes!«
   10] Da sprachen die erbosten Drei: »Dahier liegt der Tote vor dir, du fremder Großsprecher! Hilf ihm nun, wenn dir das möglich ist, und wir wollen uns bis zur Erde vor dir verbeugen und selbst bekennen, daß wir nichts als eitel pure Maulreißer sind!«
   11] Sagte Ich: »Ich brauche weder eure Verbeugung und noch weniger euer Bekenntnis, sondern Ich tue, was Ich tue, weil Ich es also tun kann und auch also tun will! So Ich aber sage, daß Ich das tun kann, so maße Ich Mir nichts an, da Ich das tue aus Meiner höchsteigenen Macht, die in Mir ist, und Ich bedarf dazu keines andern Mittels denn allein Meines allereigensten und freiesten Willens; ihr aber saget es aller Welt laut, daß ihr die ersten Meister eurer Kunst seid, - und was ist der Erfolg eurer Maulreißerei?
   12] Da vor euch liegt er! Der junge Mensch bekam ein leichtes Fieber, - ein Löffel voll gebrannten Salzes mit sieben Löffeln voll Weines hätte den Menschen für immer geheilt! Ihr wußtet wohl um dieses Heilmittel; aber da dachtet ihr und sagtet dabei: "Oh, das ist eines Reichen Sohn, der kann das leichte Fieber jahrelang herumtragen, und das trägt uns viel Geld ein! Wenn der Sohn alt genug wird, da wird ihn das Fieber ohnehin von selbst verlassen." Ich aber sage es euch, ihr argen Ärzte: Das Fieber hätte den Sohn auch schon seit langem verlassen, allein ihr unterhieltet es eures Verdienstes wegen, machtet daraus ein Zehrfieber, das ihr nun nicht mehr zu heilen vermochtet, und somit waret ihr eurer schnöden Gewinnsucht wegen wahre Mörder dieses jungen Menschen!
   13] Ihr nanntet Mich einen Maulreißer und habt Mich nie zuvor gesehen und erkannt; Ich aber kenne euch schon gar lange und sagte als euer "Maulreißer" nun über euch die vollste Wahrheit und habe euch dadurch euer eigenes Bekenntnis zu machen erspart! Daß Ich aber über euch die Wahrheit nun geredet habe, davon soll die volle Wiederbelebung dieses verstorbenen Menschen das hellste Zeugnis geben!«
   14] Da sagten die drei Ärzte, höhnisch lächelnd: »Na, da sind wir sicher von jeder Anklage befreit!«
   15] Sagte Ich: »Das wird sich sogleich zeigen!«
   16] Hier trat Ich zu dem Toten hin und sagte: »Jorabe, stehe auf von deinem Schlafe, und gib Zeugnis über die große Falschheit dieser drei, die Mich zuvor einen Maulreißer schalten!«
   17] Augenblicklich erhob sich der Tote von seinem Lager und war so frisch und gesund, als ob ihm nie etwas gefehlt hätte. Der Vater ward darob so voll Freude, daß er nicht wußte, ob er Mir oder dem ihm wiedergegebenen Sohne sich zuerst aus Liebe und Dankbarkeit an die Brust hinwerfen solle.
   18] Ich aber sagte zu ihm: »Lasse das nun noch; sorge aber dafür, daß der Sohn Jorabe etwas zu essen bekomme und darauf etwas Wein!«
   19] Da wurde alles schnell angeordnet und für uns ebenfalls ein großartiges Mahl mit.


Home  |    Inhaltsverzeichnis Band 6  |   Werke Lorbers