Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 6, Kapitel 46

Eine Prüfung für die Jünger Jesu.

   01] Das wirkte wie ein Donnerschlag, so daß sich darob viele sehr entsetzten, und etliche sagten: »Herr, warum sagtest Du denn das nicht schon lange früher?! Wahrlich, wir hätten solch einen Unwürdigen unter uns schon lange entdeckt und für immer von uns entfernt, so Du in Deiner großen Geduld schon nicht Selbst an ihn Deine Hände legen wolltest!«
   02] Sagte Ich: »Ich habe es euch schon oft gesagt, daß auf dieser Welt alles seine Zeit und sein Maß hat. Zur Zeit der Ernte aber wird kein kluger Hauswirt das Unkraut mit dem reinen Weizen einsammeln, sondern allein die reinen Weizenähren, und er wird alles Unkraut, das auch wucherisch unter dem Weizen aufwuchs, von seinen Knechten in Bündeln zusammen sammeln lassen, um es dann zu verbrennen zum Düngen des Ackers. (Matthäus.13,25 ff.)

  • Johannes.06,65] Und er sprach: Darum habe ich euch gesagt: a Niemand kann zu mir kommen, außer es sei ihm denn von meinem Vater gegeben. (a Johannes.06,44; ⇒ jl.ev06.046,03-05)
       03] Ich sagte es euch aber ja eben darum früher schon, daß wahrhaft niemand zu Mir kommen kann, außer es ist ihm solches gegeben vom Vater, - welcher ist die Liebe und das Leben und die Wahrheit in Sich also, wie Ich es bin vom Vater aus und also im gleichen auch von Mir aus, da Ich im Vater und der Vater in Mir ist. (Johannes.06,65*; Johannes.06,44)
       04] Glaube ja niemand von euch, daß jemand darum schon wahrhaft bei Mir ist, weil er mit Mir nun umherzieht, Meine Worte hört und Meine Zeichen bewundert, - sondern nur allein der ist wahrhaft bei Mir, den eine innere, ganz reine Liebe zu Mir zieht, und der ohne alles Bedenken das vollauf glaubt, was Ich lehre, und daß Ich als nun zeitweiliger Menschensohn vom Vater ausgegangen bin und im Geiste eins bin mit Ihm.«
       05] Da sagten die Jünger, bis auf die Judgriechen inbegriffen und bis auf die Zwölfe: »Ja, wenn so, da nützt uns unser Umherziehen mit Ihm so wie so nichts! Das Harte und Unglaubliche verstehen wir nicht - und können es darum auch nicht glauben. Ihn vollauf ganz rein lieben ist auch so eine Sache, da Er Sich gegen uns nun fürwahr auf eine Art benimmt, die uns wenig Neigung für Ihn einflößen kann. Daher ziehen wir uns nur fein wieder zu unserem Moses zurück; denn der ist uns klarer und verständlicher. Gott lieben aber heißt ohnehin nur, Seine Gebote halten, und so hoffen wir, dereinst auch ohne den Glauben an diese rätselhaften Lehren selig zu werden.«

    Bekenntnis des Petrus: 'Du bist Christus...'

  • Johannes.06,66] Von da an gingen viele seiner Jünger hinter sich und wandelten hinfort nicht mehr mit ihm. (⇒ jl.ev06.046,06)
       06] Darauf gingen dann viele hinter sich und wandelten hinfort nicht mehr mit Mir, obwohl sie später viel über solche Meine Worte nachdachten. Da Ich aber zu niemandem der Fortgehenden ein Wort sagte, daß er etwa bleiben und Geduld haben solle, so fingen auch die Gebliebenen an, ganz betrübte Gesichter zu machen, und wußten nicht, wie sie daran waren, - ob auch sie gehen oder bleiben sollten. (Johannes.06,66*)

  • Johannes.06,67] Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt ihr auch weggehen? (⇒ jl.ev06.046,07)
       07] Da sagte Ich zu ihnen in einem freundlich-fragenden Tone: »Wollt denn auch ihr nun weggehen? Ihr seid von Mir aus ebenso frei wie ein jeder Mensch auf dieser Erde.« (Johannes.06,67*)

  • Johannes.06,68] Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; (⇒ jl.ev06.046,08a)
       08a] Da sagte zu Mir Simon Petrus: »Herr, wohin sollen wir nun gehen? Du allein nur hast ja Worte des Lebens, wenn wir sie auch nicht sogleich in aller ihrer Tiefe zu fassen imstande sind. Zur rechten Zeit wirst Du sie uns schon wieder näher beleuchten, wenn wir Deines höheren Lichtes würdiger sein werden denn jetzt. (Johannes.06,68*)

  • Johannes.06,69] und wir haben geglaubt und erkannt, daß du a Christus bist, der Sohn des lebendigen Gottes. (a Matthäus.16,16; ⇒ jl.ev06.046,08b)
       08b] Und dazu haben wir ja gleich anfangs geglaubt und erkannt, daß Du Christus und der lebendige Sohn Gottes bist, und da können wir dich, o Herr, ja unmöglich mehr verlassen! Herr, verstoße nur Du uns nicht, und habe Geduld mit unseren noch immer großen Schwächen!« (Johannes.06,69*; Matthäus.16,16)

    Jesus begründet Wahl des Judas zum Apostel trotz dessen Charakterschwächen.

  • Johannes.06,70] Jesus antwortete ihnen: Habe ich nicht euch Zwölf erwählt? Und einer von euch ist ein Teufel. (⇒ jl.ev06.047,09)
       09] Sagte Ich: »Also ist es gut und recht, und also bleibe es auch! Aber da wir noch hier in dieser offenen Musterschule zu Kapernaum weilen, so kann Ich nicht umhin, euch noch etwas zu entdecken. Ihr wisset, wie Ich vorigen Jahres in dieser Gegend aus den vielen Jüngern euch Zwölfe erwählt habe, und sehet, dennoch ist unter euch einer ein Teufel!« (Johannes.06,70*)


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