Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 6, Kapitel 34

Ein großer Fischfang durch Jesu Hilfe.

   01] Es wurde darauf zwischen den etlichen zurückgebliebenen Jüngern, den Judgriechen und dem Philopold noch viel geredet; auch Ich und Kisjonah (Lorber schreibt diesen Namen auch oft ohne h "Kisjonah".) haben über so manches geredet: über das alte Priestertum, über die alten patriarchalischen und darum besten Regierungsweisen im Vergleiche mit der damaligen, als zu Meiner Erdenzeit gegenwärtigen, und es kam so der Morgen, und niemand war in der ganzen Gesellschaft, dem es vorgekommen wäre, als hätte er zuwenig geschlafen. Kurz, am Morgen war alles vollauf heiter, und wir gingen hinaus ans Meer und sahen eine Weile den munteren Fischern Kisjonahs zu, wie sie sich auf dem Wasser in ihren Fischerbooten herumtummelten, aber eben keinen gar zu reichen Fang machten.
   02] Ein paar Fischer kamen ans Ufer und sagten es dem Kisjonah: »Herr, heute sieht es mit unserem Fange etwas mager aus! Seit Mitternacht schon arbeiteten wir sehr fleißig; aber der fatale Ostwind treibt die Fische in den Grund, und es ist da nahezu nichts zu machen!«
   03] Fragte Kisjonah, wieviel sie gefangen hätten.
   04] Sagten die Gefragten: »Ein paar kleine Lägel dürften wohl voll sein; aber was ist das für zwanzig Fischerbarken und noch einmal soviel Boote?!«
   05] Sagte Ich zu den beiden Fischern: »Gehet nur noch einmal hinaus, und werfet eure Netze aus; denn bei aufgehender Sonne ist es am besten zu fischen!«
   06] Sagten die Fischer, da sie Mich nicht kannten: »Freund, das wissen wir wohl; aber beim stark gehenden Ostwind sieht auch da nicht viel heraus! Es ist zwar jeder Wind unserer Arbeit nicht günstig; aber der Ostwind ist der ungünstigste, besonders zur Winterszeit.«
   07] Sagte Ich: »Tut nur, was Ich euch sagte, und ihr werdet einen reichen Fang machen!«
   08] Da ruderten sie hinaus und sagten das den andern Fischern. Diese zuckten zwar mit den Achseln; aber da sie vernahmen, daß es Kisjonah also haben wollte, so warfen sie dennoch die Netze aus und fingen eine solche Menge von den besten und edelsten Fischen, daß beinahe die Netze zu reißen anfingen, und sie hatten zu tun, die große Menge der Fische in die großen Fischbehälter zu bringen. Natürlich fingen die Fischer sich darüber höchlichst zu verwundern an, da sie noch nie einen so reichen Fang gemacht hätten. Späterhin wurde es ihnen vom Kisjonah wohl beigebracht. Wer an diesem reichen Fange die wunderbare Ursache war. Und sie glaubten dann alle an Meinen Namen, obwohl Mich dann mehrere von den Fischern als den Sohn des Zimmermanns Joseph erkannten.
   09] Und so verstrich der halbe Winter unter allerlei nützlichen Belehrungen und kleinen Taten, die besonders anzuführen für niemand von einer erheblichen Wichtigkeit wäre, weil sich das alles mehr um das Wohl des irdisch-bürgerlichen Lebens handelte.
   10] So hat auch die nach einigen Tagen erfolgte Ankunft der Maria als der Mutter Meines Leibes wenig derartiges, das sich für eine Aufzeichnung eignete, außer, daß sie überaus froh war, Mich persönlich wiederzusehen, und daß sie sich von den Jüngern vieles erzählen ließ, was Ich alles getan und gelehrt hatte, was sie alles tief in ihrem Herzen behielt und danach dachte, wollte und auch handelte. Auch die beiden ältesten Brüder, respektive Söhne Josephs, kamen nach Kis und hatten da einen Bau, bei welchem Ich Selbst ihnen natürlich mit Rat und Tat behilflich war.
   11] Und so kamen die Osterfeste in die Nähe, und viele fingen an, die Vorbereitungen zu machen, um zu den Festen nach Jerusalem zu ziehen.
   12] Kisjonah fragte Mich auch, ob Ich Selbst hinauf nach Jerusalem ziehen würde.
   13] Und Ich sagte zu ihm: »Ich werde versprochenermaßen wohl hinaufziehen, aber Mich diesmal beim Feste und im Tempel schon gar nicht sehen lassen und bald wieder nach Galiläa kommen, wo Ich dann Mein Amt von neuem beginnen werde.«
   14] Sagten die Judgriechen: »So Du, o Herr, Dich aber dennoch im Tempel sehen ließest und wieder eine ähnliche Rede hieltest, so würden vielleicht von neuem wieder mehrere Templer stutzig werden und an Dich glauben gleich uns?«
   15] Sagte Ich: »Oh, sorget euch darum nicht, denn Ich werde noch oft im Tempel lehren; aber von den nunmehr darin seienden Pharisäern, Ältesten und Schriftgelehrten wird darob keiner stutzig werden und sich danach kehren, auf daß auch er selig werden möchte, sondern sie werden alle nur dahin trachten, Mich zu ergreifen und zu töten! Und dazu ist jetzt Meine Zeit noch nicht da; darum weiß Ich gar wohl, was Ich zu tun habe.«
   16] Mit diesem Bescheide waren alle zufrieden und richteten darum keine weitere Frage in solcher Hinsicht an Mich.
   17] Nur eine Episode kann hier noch vor unserer Abreise nach Jerusalem erwähnt werden, und das ist die Wiederankunft des Judas Ischariot.


Home  |    Inhaltsverzeichnis Band 6  |   Werke Lorbers