Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 5, Kapitel 269

Vom rechten Weg und vom rechten Salze.

01] Sagte Ich: »Hört! Nachdem wir unsere Glieder nun mit Speise und Trank gestärkt haben, so lasset uns nun aufstehen vom Tische, und wir wollen gehen und sehen, wo sich der neue Weg hinab nach Nahim befindet! Auch werde Ich euch, so ihr alle nichts dawider habt, daß man auch an einem Sabbate Gutes tue, die Salzquelle dieses Gebirges anzeigen, die sehr mächtig ist, dieweil du, Barnabe, schon davon Erwähnung gemacht hast. Gehet aber alle, die ihr hier seid, mit; denn das, was Ich euch hier zeige und beschere, soll ein Gemeingut aller sein, die in diesem Tale wohnen!«
02] Hierauf erhoben wir uns und gingen eine ziemliche Strecke talauf- und taleinwärts. Da kamen wir zu einer Felswand, die etwa eine gute Mannshöhe vom Boden eine starke Spalte hatte, in die man über einige schnell herbeigewälzte Steine leicht gelangen konnte. Wir waren sonach bald in der sehr geräumigen Kluft, hinter der eine große, grottenartige Höhle sich zeigte.
03] Und Ich sagte nun zu den Mitgegangenen: »Sehet, durch diese Höhle gehet ganz bequem und völlig gefahrlos! Gehet Mir nach und überzeuget euch selbst! Nur gegen das Ende wird die Höhlung um ein weniges enger, sie ist aber immer noch breit genug, um einen Ochsen durch sie gehen lassen zu können. In der Mitte des Hohlganges wird es freilich etwas dunkler werden denn hier; aber so viel Licht kommt dennoch hinein, daß von euch ein jeder recht gut die Stelle wird bemerken können, wohin er seinen Fuß zu setzen hat.«
04] Wir wanderten nun ohne alles Ungemach durch die Höhle, und als wir am Ende derselben waren und heraustraten ins Freie, da zeigte sich ein ganz leicht und völlig gefahrlos zu begehender, mit spärlichem Grase und Moose bewachsener Abhang bis in die Ebene, die freilich sehr wüst aussah, was aber eben sehr gut war, weil sie nur selten von irgendeinem Wanderer betreten wurde und darum unsere Hochtalbewohner desto unbemerkter ins tiefe Tal hinabkommen konnten.
05] Als Barnabe und alle, die da mit waren, das ersahen, da fielen sie vor Mir nieder und sagten: »Wir danken Dir, o Herr, aus allen Tiefen unserer Herzen; denn Du hast uns hierdurch, daß Du uns diesen neuen und sicheren Weg gezeigt hast, eine unaussprechlich große Wohltat erwiesen und hast uns erlöst von der großen Qual, die uns der frühere, entsetzliche Weg verursachte!«
06] Ich hieß sie aufstehen und sagte zu ihnen: »So wie Ich euch hier einen neuen, sichern und auch bequemeren Weg zu wandeln gezeigt habe, also zeige Ich euch allen auch einen allein wahren, guten und sichern Weg zum ewigen Leben!
07] Diesen Weg zeige Ich euch mit sehr wenigen Worten an, und diese lauten: Seid von ganzem Herzen sanftmütig und demütig! Liebet Gott über alles und jeder seine Nächsten wie sich selbst; denn darin bestehet das ganze Gesetz und alle Propheten! Dann glaubet, daß eben Ich Derjenige bin, der verheißen ward von Gott und geweissaget von den Propheten, so habt ihr die Pforte und den Weg in das Reich Gottes, das nun zu euch gekommen ist, ebenalso geöffnet, wie euch nun ein anderer Weg geöffnet und gezeigt ward aus diesem Hochtale hinab in die Niederung der Erde!
08] Daß da alle Gesetze Mosis in den zwei Geboten der Liebe beisammenstecken, versteht sich von selbst; denn wer Gott über alles liebt, der wird sicher alles, was da sündhaft ist, meiden und nicht sündigen wider das eine oder das andere Gebot Gottes, und wer seinen Nächsten liebt wie sich selbst, der wird ihm nichts Übles wollen und noch weniger etwas Übles tun.
09] Daß ihr aber diese Meine Worte beherziget und danach tun werdet, das ist dann das rechte Salz des Lebens, und Ich will denn euch nun darum auch ein natürliches Salz anzeigen und auch geben. Darum verlassen wir nun denn auch diese Stelle, kehren zurück in euer Tal, und wir werden dort in einem euch allen noch ganz unbekannten Winkel dieses Tales ein ganz reines und gutes Salz finden! Und so wollen wir unsere Wanderung dahin machen!«
10] Alle dankten Mir mit wahrer Inbrunst, und wir begaben uns auf den Rückweg.


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