Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 5, Kapitel 264

Die Heiligung des Sabbats.

01] Als wir frühmorgens erwachten, fanden wir schon das ganze Haus voll Tätigkeit, und auf dem Herde brannte schon ein munteres Feuer, um das mehrere Töpfe standen, in denen allerlei würzhafte Speisen für uns und für die Hausleute gekocht wurden; auch Fische waren da, und zwar die besten und schönsten Gebirgsforellen. Die geheilte Tochter war die Alleremsigste am Herde und tummelte sich sehr, um uns ein gutes Morgenmahl so bald als möglich zu bereiten. Als sie Meiner ansichtig ward, da stürzte sie ordentlich mit einer Liebehast auf Mich hin und dankte Mir abermals für ihre Heilung.
02] Ich aber sagte zu ihr, wie sie heute, als an einem Sabbat, also arbeiten möge?
03] Darauf antwortete Elisa und sagte: »Herr und Meister, es stehet aber in der Schrift ja nirgends ein Gesetz, das dem Menschen verbieten würde, an einem Sabbat Gott zu dienen!«
04] Sagte Ich: »Ganz gut, - am Sabbat soll man wohl vorzüglich Gott allein dienen; aber du dienest nun mit deinem Fleiße ja nur Mir und Meinen Jüngern! Sind wir denn Götter?!«
05] Sagte die emsige Tochter: »O Herr, Deine Jünger sind wohl nur Menschen gleich wie unsereins; aber Du bist Gott durch und durch, was ich jetzt nur zu klar einsehe! Und so ich und alle im Hause durch ihre Tätigkeit nun Dir dienen, da entheiligen wir den Sabbat sicher nicht!«
06] Sagte Ich: »Aber sage Mir, du Meine allerliebste Elisa, wer es dir da gesagt hat, daß Ich ein Gott sei! Denn sieh, so Ich ein Gott wäre, und Jehova im Himmel ist doch auch ein allerwahrhaftigster Gott, da gäbe es dann ja doch offenbar zwei Götter; in der Schrift aber heißt es doch ausdrücklich: a "Ich allein bin dein Gott und Herr; darum sollst du keine andern und fremden Götter neben Mir haben!" (a 2. Mose.20,03; 5. Mose.05,07) Nun, wie reimt sich dann das, wenn auch Ich ein Gott sei, zusammen?«
07] Sagte Elisa neben ihrer fleißigen Zurichtung der Fische: »O Herr, das reimt sich sehr gut zusammen!«
08] Sagte Ich: »Ja wieso denn?«
09] Sagte sie: »Weil Du und der Vater im Himmel nicht zwei, sondern ganz vollkommen eins seid und der Himmel allzeit und ewig nur dort ist, wo Du, o Herr, bist!«
10] Sagte Ich: »Wer aber hat dir das gesagt, und wer hat dich darin unterwiesen?«
11] Sagte sie: »Zuerst Du Selbst, o Herr! "Der Friede sei mit dir und deinem Hause!" und "Das Reich Gottes ist nahe zu euch gekommen!", das sind Worte, die nur einem Gottesmunde entströmen können! Darauf kamen Deine Wundertaten, die außer Gott niemand verrichten kann! Dann habe ich gestern, als Du, o Herr, Dich zur Ruhe begeben hast, noch viel von dem zwölfjährigen Jesus im Tempel mit meinem Vater gesprochen und im Jesajas alle die auf Dich Bezug habenden Texte durchgeschaut, und da hat sich's denn doch mehr als sonnenhell herausgestellt, daß Du als der verheißene Messias niemand anders bist und sein kannst als eben in Deinem Geiste der Jehova Zebaoth Selbst! Sieh, o Herr, das sind meine Gründe. Dich nun für das zu halten, was Du offenbar bist!«
12] Sagte Ich: »Nun, du sollst recht haben, wie auch dein Erdenvater; aber ihr dürfet Mich an eure Nachbarn nicht vor der Zeit verraten! Und da ihr also Mich erkannt habt und durch euren Fleiß heute als an einem Sabbat nur Mir dienet, so arbeitet; aber sehet zu, daß ihr dadurch nicht etwa jemanden von euren Nachbarn ärgert!«
13] Sagte Elisa: »Oh, da habe Du keine Sorge! Wir alle sind über diesen Punkt weit hinaus. Wir verrichten an einem Sabbate zwar keine schwere, knechtische Arbeit; aber was da not tut, das verrichten wir auch an jedem Sabbat. Wir stehen nun nicht mehr unter des Tempels Gleisnerei und seinen eigennützigen Gesetzen, von denen sich ein jeder Reiche auf eine gewisse Zeit loskaufen kann, sondern unser Gesetz ist die Wahrheit und ihr Gutes, und die verbietet niemand, an einem Sabbat das Nötigste für sein Haus zu besorgen.
14] Wenn aber schon das gänzlich tatenlose Herumgehen und -stehen zur Gewinnung des ewigen Lebens so etwas Notwendiges wäre, so würdest Du, o Herr, allen Menschen dadurch sicher mit einem guten Beispiele vorangehen, daß Du am Sabbate keine Sonne, keinen Mond und keine Sterne auf- und niedergehen ließest, was da sicher auch in Deiner Allmacht stünde. Also dürfte da auch kein Wind gehen, keine Wolken und Nebel aufsteigen, kein Bach fließen, kein Meer sich regen, und auch sogar die Tiere müßten als Beispiele für uns Menschen die völlige Sabbatruhe instinktmäßig beachten! Aber so man die gesamte, große Schöpfung nur einigermaßen genau beobachtet, so ersieht man nur zu bald, daß Du an den Sabbaten ebenso tätig bist wie an allen andern Werktagen, und da wir schon Gottes Kinder nach der Schrift sind, so tun wir doch sicher nichts Unrechtes, so wir in allem den guten, heiligen und lieben Vater nachahmen!«
15] Sagte Ich: »Wahrlich, so viel Klugheit hätte Ich in dir als Mensch kaum gesucht! Darum bleibe, wie du bist, und gehe allen mit einem guten Beispiele voran, wie der Vater im Himmel stets allen Menschen mit dem besten Beispiele vorangehet!«


Home  |    Inhaltsverzeichnis Band 5  |   Werke Lorbers