Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 5, Kapitel 251

Ein Heuschreckenzug.

01] Petrus ermannte sich bald und fragte Mich um den Grund solcher seiner Täuschung, und Ich sagte zu ihm: »Gehe du hinaus ans Meer, und du wirst des Grundes bald gewahr werden!«
02] Petrus tat, was Ich ihm befohlen hatte, und er sah, soweit seine Augen reichten, die Wasserfläche ganz mit Heuschrecken bedeckt. Sogar unser Schiff, das im Hafen des Petrus lag, war ganz voll von diesen Insekten. Petrus entsetzte sich vor diesem Anblicke, kam eiligst zu Mir ins Zimmer und fragte Mich, ob die Myriaden von Heuschrecken, die nun das Meer bedeckten, die Ursache seiner Zeitirrung gewesen wären.
03] Und Ich antwortete und sagte: »Allerdings! Als sie aus Ägypten dahergeflogen kamen, da verfinsterten sie gleich einer dichtesten Wolke die Sonne so sehr, daß du hier im Zimmer offenbar dir denken mußtest, das es schon Abend geworden sei. Ich aber sah in Mir die Ursache des so früh hereingebrochenen Abends und machte dich darauf aufmerksam, - und das ist nun aber auch schon alles, was Ich dir darüber zu sagen haben!«
04] Petrus war damit ganz zufrieden und ging abermals hinaus, zu schauen das große Naturspektakel.
05] Andreas und Philippus aber waren so ein wenig Naturforscher und fragten Mich, wie denn solche ungeheuren Heuschreckenmassen entstehen könnten, wo denn so ganz eigentlich ihr Entstehungsort sei, und wozu sie gut seien.
06] Sagte Ich: »Meine Lieben, es ist wohl ganz löblich, sich in der Natur ein wenig umzuschauen - denn sie ist ein großes Buch, geschrieben von der allmächtigen Hand Gottes, und gibt jedem biederen Forscher die schönsten Beweise von der Liebe und Weisheit und Macht des Vaters im Himmel -; aber ein zu verpickter Forscher kann bei seinen zu emsigen Forschungen sehr leicht auf Irrwege geraten, auf denen er von Gott ganz abkommt und am Ende alles Werden und Sein allein von den blinden und stummen Kräften der Natur ableitet.
07] Und sehet, eben derlei Erscheinungen können die puren Naturforscher zuerst ganz von Gott abbringen; denn sie erblicken da in der Natur eine plan- und zwecklose, überschwengliche Lebensreproduktionsfähigkeit, die irgendeines weisen Gottes ganz gut entbehren könnte. Sie können auf dem Wege bloß äußerer Forschungen freilich wohl nie einen innern Grund solcher Erscheinungen erschauen, weil sie mit ihrer ganz nur in die Materie vertieften Seele nimmer den Licht- und Liebegeist Gottes berühren und ergreifen können.
08] Wer aber in seiner Seele den Geist Gottes berührt und vollends ergriffen hat, dem wird es dann sein Geist selbst lehren, wie solche Begebnisse entstehen und warum, - und es soll dann erst ein solcher im Geiste geweckter Mensch die Dinge der Natur erforschen und sie allso enthüllt zeigen seinen unkundigen und unmündigen Brüdern, auf daß sie dadurch desto eifriger werden in der Erweckungstätigkeit ihres Geistes in ihrer Seele.
09] Um aber auf unsere Heuschrecken zurückzukommen, so entstehen sie zwar allenthalben auf den wärmeren Erdstrichen, aber zumeist zu gewissen Zeiten in Ägypten und im südlichen Asien. Da ist durch die Beschaffenheit des Klimas die stärkste Naturlebensgeisterproduktion, oder sie entwickeln sich dort am häufigsten, weil da der materielle Boden der Erde, die Wärme der Sonne, ihr starkes Licht, der stets mäßige Tau und noch eine Menge anderer Umstände so mächtig einwirken, daß stets eine große Menge früher noch gebundener Erdgeister frei werden, sich ehest mit den Luftgeistern verbinden, dann in eine leichte Materie gewisserart sich einpuppen und weiter in der Puppe sich sodann mit einem Leibe bekleiden und in das tierische Erdenleben eingehen.
10] Auf diese Art und Weise entstehen in den sehr warmen Ländern der Erde auch die Heuschrecken, und zwar sehr oft, obwohl sie auch aus ihren eigenen Eiern ausgebrütet werden können.
11] Ich sage euch: Alles, Bäume und Pflanzen und alles Getier der Erde, ist bestimmt, die gerichteten Geister aus der harten Materie zu erlösen, und das geht von Stufe zu Stufe bis zum Menschen. Was dann mit dem Menschen geschieht, das wisset ihr nun schon ohnehin, und so habe Ich über das vor uns liegende Naturgeheimnis nichts mehr zu erklären. - Aber nun rufet Mir Petrus herein; denn Ich werde ihn und euch etwas kundtun!«
12] Andreas und Philippus tun sogleich, was Ich ihnen geboten habe, und Petrus, kaum ins Zimmer tretend, fragte sogleich, was es sei, das Ich ihnen zu verkünden willens wäre.


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