Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 5, Kapitel 240

Die Heilung eines besessenen, mondsüchtigen Knaben.


01] Wir landeten, befestigten unser Schiff und stiegen noch bei hellem Tage ans Land. Es war aber an diesem Tage ein großer Jahrmarkt und viel Volkes anwesend.

  • Matthäus.17,14] a Und als sie zu dem Volk kamen, trat ein Mensch zu ihm, und fiel ihm zu Füßen (a = Markus.09,14; = Lukas.09,37;  ⇒ jl.ev05.240,02a*; Vaterbriefe.195)
    02a] a Als wir aber zum Volke kamen, da wurden wir von vielen Menschen alsbald erkannt, und einer kam, fiel Mir zu Füßen (a Matthäus.17,14*; = Markus.09,14; = Lukas.09,37)

  • Matthäus.17,15] a und sprach: »Herr, erbarme dich über meinen Sohn! denn er ist mondsüchtig und hat ein schweres Leiden; er fällt oft ins Feuer und oft ins Wasser; (a = Markus.09,17; = Lukas.09,38;  ⇒ jl.ev05.240,02b*; Vaterbriefe.195)
    02b] a und sagte: »Herr, erbarme Dich über meinen Sohn, er hat ein schweres Leiden; denn er ist mondsüchtig, wie die Ärzte sagen, und hat darin eine große Qual, daß er oft ins Feuer und ins Wasser fällt! (a Matthäus.17,15; = Markus.09,17; = Lukas.09,38)

  • Matthäus.17,16] a und ich habe ihn zu deinen Jüngern gebracht, und sie konnten ihm nicht helfen.« (a = Markus.09,18; = Lukas.09,40;  ⇒ jl.ev05.240,02c*; Vaterbriefe.195)
    02c] Als erst vor nicht gar langer Zeit Deine Jünger hier waren und durch Auflegung ihrer Hände viele recht schwere Kranke geheilt haben, a da brachte ich auch meinen Sohn zu ihnen; aber sie konnten ihm nicht helfen.« (a Matthäus.17,16*; = Markus.09,18; = Lukas.09,40,  Vaterbriefe.195)

  • Matthäus.17,17] a Jesus aber antwortete und sprach: »O du ungläubige und verkehrte Art, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch erdulden? Bringt ihn mir her!« (a = Markus.09,19; = Lukas.09,41;  ⇒ jl.ev05.240,03*; Vaterbriefe.195)
    03] a Da sagte Ich zu eben jenem Teile Meiner Jünger, dessen Glaube noch zu keinem Fels geworden war, und der eben vor ein paar Monden allda in Meinem Namen gewirkt hatte: »O du ungläubige und verkehrte Art! Wie lange soll Ich denn noch bei euch sein und wie lange euch dulden?! Bringet Mir den Kranken hierher!« (a Matthäus.17,17; = Markus.09,19; = Lukas.09,41; Vaterbriefe.195)

  • Matthäus.17,18] a Und Jesus bedrohte ihn; und der Teufel fuhr aus von ihm, und der Knabe wurde gesund zu derselben Stunde. (a = Markus.09,25-27; = Lukas.09,42;  ⇒ jl.ev05.240,04*; Vaterbriefe.195)
    04] Da erhob sich der Vater des kranken Sohnes, eilte in sein Haus und brachte ihn alsbald zu Mir. Als der Knabe bei Mir war, da machte er ein erbärmlich verzerrtes Gesicht; denn der arge Geist, von dem der Knabe besessen war, riß ihn noch ein paarmal vor Mir und stieß dabei durch den sehr verzerrten Mund des Knaben mehrere arge Flüche und Verwünschungen aus, die hier wiederzugeben eine unnütze Sache wäre. a Ich aber bedrohte den argen Geist sehr und hieß ihn, augenblicklich zu verlassen des Knaben Leib und zu fahren hinab zur Hölle. Da fuhr der Arge sichtlich aus dem Knaben, und der Knabe ward sogleich völlig gesund. (a Matthäus.17,18*; = Markus.09,25-27; = Lukas.09,42;  Vaterbriefe.195)

    Geistige Entsprechung des Gestalt des Besessenheitsgeistes

    05] Der arge Geist aber hatte die Gestalt einer großen, schwarzen, zottigen Katze und bat Mich, sagend: »Du Sohn des Allerhöchsten, erlasse mir die Hölle und bestrafe mich durch sonst etwas!«
    06] Ich aber sagte: »Hebe dich von hier und büße deine vielen Greuel, die du vor achtzig Jahren hier auf Erden, im Fleische seiend, verübt hast, in den kahlen Talschlünden des Mondes, allwo du ehedem warst!«
    07] Da bekam der Arge die Gestalt eines mit großen Fledermausflügeln versehenen Affen und flog sogleich auf und pfeilschnell davon. Da wunderten sich die Menschen, und viele entsetzten sich über solchen Anblick.
    08] Ich aber beruhigte sie und sagte: »Fürchtet euch nicht; denn Mir ist die Gewalt gegeben im Himmel wie auf dieser Erde, und dieser Geist, der sieben Jahre lang den Knaben gepeinigt hat, wird fortan nimmer dieser Erde nahe kommen!«

     

    Ursache und Zweck der Besessenheit

    09] Da fragte Mich aber der Vater des nun ganz kerngesunden Knaben: »Herr, warum mußte denn diesem meinem Sohne das geschehen, da er bisher noch nie irgend auf eine nur scheinbare Weise gesündigt hat, so wie sich überhaupt auch mein ganzes Haus stets streng nach dem Gesetze verhalten hat? Und doch mußte gerade der Allerunschuldigste solch eine geraume Zeit hindurch gar elendiglich gemartert werden! So etwas kann ja doch nur durch die Zulassung Gottes geschehen! Warum aber läßt Gott so etwas zu?«
    10] Sagte und antwortete Ich: »Den Gott besonders liebhat, den prüft Er, und so der Geprüfte die Prüfung wohl besteht, dann hat er aber auch für ewig sein Heil gefunden!
    11] Es ist aber deines Knaben Seele aus einer jener großen Welten, deren zahllos viele über dieser und unter dieser Erde erfüllen den endlos großen Himmelsraum. Ihr war um ihres Heiles willen nebst der Probe des Fleischtragens auch diese notwendig, durch welche sie nun schon in der Jugend jene Kraft erhielt, die so manche andere Seele nicht erlangt, so sie auch hundert Jahre lang den Druck ihres schweren Fleisches zu ertragen hätte.
    12] Gaube es Mir: Die Menschen wissen es nicht und können es auch nicht wissen, warum da irgend etwas ist und geschieht; aber Gott weiß ganz und gar um alles!
    13] Der arge Geist aber war vor achtzig Jahren ein gar wucherischer Schweinemäkler und trieb einen großen Handel, ward sehr reich und trieb als Jude am Ende sogar den Sklavenhandel, wobei er großer Grausamkeiten sich bediente. Er starb endlich eines elenden Todes, und sein Los war, zu gelangen in das Reich der Teufel als selbst Teufel.
    14] Und weil es ihm da schlecht behagte, so fing er an, in sich zu gehen und gedachte in seinem Innersten: 'Warum muß ich denn ein Teufel geworden sein? Daran schuldete mein schlechter, gefräßiger Leib. Laßt mich noch einmal zurückkehren in das gute, nüchterne Fleisch eines unschuldigen Knaben, und ich will darin zu einem Engel werden! Und so des Knaben Fleisch nur irgendeine kleinste Begierde nach einer Gefräßigkeit verspüren sollte, so soll es von mir aber auch sogleich gezüchtigt werden!'
    15] Und siehe, da dies der zwar sehr argen Seele ein ganz ernster Entschluß war, so ward er ihr faktisch gewährt. Der Erfolg davon aber ist nun für den Knaben ein guter, und die früher sehr arge Seele hat nun für sich schon eine bessere Richtung und schon etwas mehr Menschliches angenommen. Das Weitere werden die höchst kahlen und unwirtlichen Talschlünde des Mondes tun!«

     

    Grund der Mondsucht; Mondseelen

    16] Hierauf fragte Mich der Mensch weiter und sagte: »Ist denn der Mond auch eine Welt? Und wie ward denn mein Sohn mondsüchtig? Denn er mußte nebst der Besessenheit das sein, weil der Vollmond auf sein Leiden einen großen Einfluß hatte.«
    17] Sagte Ich: »Daß der Mond auch eine Art Erde und Welt ist, das wirst du nun noch schwer oder gar nicht begreifen, obwohl es also ist; aber Meine Jünger begreifen das, und die späteren Nachkommen werden es nur zu gut begreifen und einsehen. Daß aber dein Knabe stets eine so große Furcht vor dem Vollmonde hatte, das lag nicht in seiner Natur, sondern in der seines Plagegeistes, der ursprünglich aus jener sehr magern und höchst unwirtlichen Welt herstammte. Alles Weitere brauchst du nicht zu wissen.«
    18] Als viele Umstehende das auch mit anhörten, sagten sie: »Das ist doch ein sonderbarer Mensch! Er leistet Wunder wie irgend ein großer Prophet, gleich darauf fängt er aber an zu faseln und redet gleich einem Irrsinnigen!«
    19] Aber der Mensch trat zu ihnen hin und sagte ganz ernstlich: »Er ist sicher nicht irrsinnig, - aber wir sind es, weil wir seine Weisheit gar nicht zu fassen imstande sind!«
    20] Da entstand ein kleiner Wortstreit unter ihnen, den aber der geheilte Knabe durch einige sehr triftige Worte zu Ende brachte.

     

    Warum Jünger bei der Teufelsaustreibung versagten

  • Matthäus.17,19] a Da traten seine Jünger zu ihm, als sie allein waren, und fragten: b »Warum konnten wir ihn nicht austreiben?« (a = Markus.09,28b Matthäus.10,01;  ⇒ jl.ev05.240,21*; Vaterbriefe.195)
    21] a Darauf traten Meine Jünger zu Mir und fragten Mich, sagend: »Herr, sage nun aber uns, b warum wir eben diesen Geist nicht haben auszutreiben vermocht; denn wir haben ja doch mehrere andere in Deinem Namen ausgetrieben?« (a Matthäus.17,19* = Markus.09,28b Matthäus.10,01;  Vaterbriefe.195))

  • Matthäus.17,20] Jesus aber antwortete: »Wegen eures Unglaubens. Denn ich sage euch: a Wahrlich, wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr zu diesem Berge sagen: Heb dich von hier nach dorthin!, so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein. (a = Lukas.17,06Matthäus.21,211. Korinther.13,02;  ⇒ jl.ev05.240,22a*; Vaterbriefe.195)
    22a] a Sagte Ich: »Vorerst um eures Unglaubens willen! Denn Ich sage es euch: b Wahrlich, so ihr des festen, ungezweifelten Glaubens habet nur wie ein Senfkörnlein groß, so möget ihr zu diesem hohen Berge sagen: 'Hebe Dich von hinnen dorthin übers Meer!', so wird er sich auch sogleich heben, und euch wird nichts unmöglich sein! (a Matthäus.17,20*; b Lukas.17,06Matthäus.21,211. Korinther.13,02;  Vaterbriefe.195)

  • Matthäus.17,21] a Aber diese Art fährt nur aus durch Beten und Fasten.« (a = Markus.09,29;  ⇒ jl.ev05.240,22b*; Vaterbriefe.195)
    22b] a Aber diese Art fährt dennoch nicht anders aus denn durch Beten und Fasten. (a Matthäus.17,21*; = Markus.09,29;  Vaterbriefe.195)
    23] Als ihr hier waret, da hatte der Knabe noch nicht den höchsten Grad des Fastens und Betens erreicht, wie das sein Besitzer verlangte. Nun aber ist dieser Fall eingetreten, und da hätte der Gläubigste von euch ihn auch auszutreiben vermocht, obschon der Geist sich sicher noch sehr hartnäckig erwiesen hätte. Aber jetzt war es also besser. - Nun wird es aber schon Abend, da die Sonne sich unter den Horizont senkt, und so wollen wir in das Haus des Menschen gehen, dessen Knaben Ich geheilt habe!«

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