Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 5, Kapitel 218

Wichtigkeit der Gemütsruhe.

01] Sage Ich: »Ja, ja, da hast du ganz recht und völlig gut geredet; Ruhe, die wahre, innere Gemütsruhe ist für jeden Menschen das notwendigste geistige Element, ohne das er nichts wahrhaft Inneres und geistig Großes zu fassen vermag, und darum gewähre Ich euch auch gerne das, was du soeben verlangtest.
02] Es ist aber solch eine Ruhe, in der dem Leibe und seinen Gliedern die Tätigkeit vorenthalten wird, dennoch keine Ruhe, sondern vielmehr eine innere große Tätigkeit der Seele danach und darin, sich mit ihrem Geiste, den sie wahrzunehmen angefangen hat, mehr und mehr zu einen. Und so du eine solche Ruhe verlangst, so tust du, wie auch ein jeder andere, wohl daran, und nach fortgesetzter und täglich einmal vorgenommener solcher innerer Ruhe, oder besser Seelentätigkeit, wirst du erst zu fühlen anfangen, welch einen großen wahren Lebensnutzen du daraus gewonnen hast.
03] Nun aber möget ihr alle euch in eure Hütten, die sich mit diesem früher wüsten Boden nun auch um etwas gebessert haben, zurückziehen und besehen, was euch alles zugute geworden ist. Dann kommt gen Abend wieder!
04] Ich aber werde unterdessen Mich mit dem beschäftigen, was Mir von Meinem Vater auferlegt ist, der da wohnt im Himmel und völlig eins ist mit und in Mir. Wer aber hier bei Mir den Tag über verweilen will, der kann auch das tun; denn es ist kein Muß, daß sich darum jemand von hier entferne, sondern nur wer es will, und es wird ihm eins wie das andere zum großen Nutzen sein. Und nun tuet, was euch euer Wille gibt!«
05] Hierauf erheben sich bis auf Hiram und Epiphan alle und eilen voll Begierde in ihre Hütten, um da zu erfahren, was daheim alles vor sich gegangen ist und sich da alles verändert hat. Und als sie daheim anlangen, können sie sich nicht genug erstaunen und verwundern über die gar stattlichen Häuser, die nun die Stellen ihrer früheren, elendsten Hütten einnehmen, und über die vielen Fruchtbäume, Weingärten, Äcker und Wiesen, und sie loben Gott den Vater, von dem Ich ihnen Meldung gab, daß Er einem Menschen der Erde solch eine Macht gegeben habe.
06] Epiphan aber ermannt sich und sagt: »O Herr und Meister aller Meister! Ich aber ziehe es dennoch vor, hier zu bleiben; was den andern geworden ist durch Deine Güte und göttliche Macht, das wird auch mir geworden sein, - eine Wohltat, für welche wir alle und unsere Kindeskinder Dir nie zu irgendeiner Genüge werden zu danken und Dich zu loben und zu preisen imstande sein.
07] So unschätzbar groß aber auch diese von Dir uns erwiesene Wohltat ist, so steht sie dennoch in keinem Vergleiche zu der, die durch Deine Lehre, unseren Seelen geworden ist. Denn nur durch sie sind wir als ehedem ganz verwilderte wahre
Menschentiere zu eigentlich wahren Menschen geworden. Du hast uns erst das rechte Leben gezeigt, und hast uns seinen Wert kennen gelehrt.
08] Früher hatten wir nur Liebe für den Tod, nun aber haben wir eine wahre und große Liebe fürs Leben, das einer übergroßen Vollendung nach allen Richtungen hin fähig ist, während der Tod ewig Tod bleibt und nie irgendeine gradatime (schrittweise) Vollendung zulassen kann. Und eben darum ziehe ich es nun vor, bei Dir, o Herr und Meister, zu verbleiben, damit mir nichts entgeht, was Dein - sage - wahrhaftest heiliger Mund noch weiteres verkünden wird.«
09] Sage Ich: »Was die andern taten, ist gut; aber was du tust, ist besser. Denn jedes Wort, das aus Meinem Munde geht, ist Licht, Wahrheit und Leben; fassest du Meine Worte in deinem Herzen und tust danach, so überkommst du mit dem vernommenen Worte schon auch das wahre, ewige Leben.
10] So aber jemand Meine Worte hört, aber sodann nicht danach tut und handelt, den wird Mein Wort nicht lebendig machen, sondern ihm nur dienen zum Gerichte und zum Tode. Ist das auch schon nicht Mein Wille also, sondern nur Gottes ewige Ordnung, so kann Ich ihm aber dennoch nicht helfen, dieweil er nur sich selbst helfen soll.
11] Denn so einem Hungernden eine Speise gereicht wird, und er ißt sie nicht, sondern betrachtet sie bloß, so ist da der Speisegeber nicht schuld, wenn der Hungernde dabei verhungert und stirbt, sondern offenbar der Hungernde selbst, dieweil er keine Speise zu sich nehmen wollte. Und ebenalso steht es mit dem, dem Ich Mein Wort als das wahrste Brot aus den Himmeln vorsetze, der es aber bloß anhört und nicht danach tätig werden will. Darum sei niemand ein purer Hörer, sondern auch ein Täter Meines Wortes, so wird er dadurch wahrhaftest gesättigt werden mit dem Brote aus den Himmeln in seiner Seele und wird fürder nimmer sehen, fühlen und schmecken einen Tod, da er sonach selbst ganz zum Leben aus Gott geworden ist. - Fassest du dieses?«


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