Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 5, Kapitel 214

Leichtglaube und Aberglaube.

01] (Der Herr:) »Aber neben dem wahren, notwendigen Glauben gibt es leider gleichwohl auch einen Leichtglauben, demzufolge gewisse träge, gar nichts denkende Menschen gleich alles für wahr halten, was ihnen jemand oft sogar nur scherzweise vorgesagt hat, oder häufiger noch aus purem Eigennutze. Nun, derart Gläubige gibt es jetzt wohl bei weitem eine größte Anzahl auf der Erde!
02] Mit solchen Leichtgläubigen ist aber eigentlich auch nicht viel zu machen; denn ob sie durch ihren Glauben etwas erreichen oder nicht, das ist ihnen nahe eins. Sie glauben nur und verwundern sich dann und wann auch ganz gleichgültig darüber und tun auch äußerlich, aber ohne allen innern Lebenswert, was eine Lehre ihnen zu tun auferlegt; ob sie damit auch nie etwas, außer dann und wann eine Langweile, erreichen, das ist ihnen gleich. Sie sind zu träge, kennen und haben keinen Lebensernst und sind darum ganz jenen Ephemeriden zu vergleichen, die bloß darum am Tage im Sonnenlichte pro forma herumschwirren, damit sie von den Schwalben desto leichter als Fraß gefangen werden. Über solche Glaubenshelden wollen wir denn auch kein Wort mehr verlieren.
03] Aberglaube und Leichtglaube sind aber ohnehin gleich; nur darin ist ein Unterschied, daß der Aberglaube stets aus dem Leichtglauben entspringt und eigentlich eine Frucht desselben ist.
04] Die unberechenbar argen Folgen, die aus dem Aberglauben entspringen, sind nun leider auf der ganzen Erde nur zu sicht- und fühlbar; alle tausendmal tausend Götzentempel hat der Aberglaube erbaut, und oft mit großen und schweren Opfern.
05] Aber nun ist die Zeit da, daß er vernichtet werde, und es ist also eine große Arbeit da; aber es fehlt noch sehr an tüchtigen und mutigen Arbeitern. Ich habe also ein großes Feld vor Mir, das nun zu bestellen ist, und dinge nun Arbeiter. Ihr wäret, so euch die rechten Wege wohleinsichtlich bekannt wären, schon auch ganz rechte Leute zu diesem Geschäfte; aber es versteht sich von selbst, daß ihr selbst zuvor in Meine neue Lebenslehre völlig eingeweiht sein müsset. Seid ihr aber das, dann wäret ihr vermöge eurer sonstigen Welterfahrungen ganz wohl zu gebrauchen. Daß der Lohn hier und besonders aber jenseits kein geringer sein wird, dessen könnet ihr schon zum voraus vollkommenst gewärtig sein. - Was sagst du, Mein Freund Epiphan, nun zu diesem Meinem für euch alle sicher ganz unvermuteten Antrage?«
06] Sagt Epiphan: »Hm, warum nicht? Wenn ich einmal von einer Wahrheit selbst gründlich und überzeugend durchdrungen bin, dann mache ich auch ohne Lohn, allein der Wahrheit zuliebe, einen Lehrer und habe gar keine Furcht, dabei Hungers sterben zu müssen. Denn obwohl die Menschen in dieser Zeit zwar sehr verdorben sind und in einer dicksten Selbstsucht leben, so sind sie einer guten neuen Lehre aber dennoch nicht abgeneigt; wenn nur ein rechter Lehrer zu ihnen kommt, so nehmen sie ihn noch immer auf, hören seine Lehren an, und wenn sie darin nur etwas Höheres und Wahres zu ahnen anfangen, dann lassen sie bald ihre Selbstsucht fahren und werden lieb und freigebig.
07] In dieser Hinsicht ist ein kleiner Grad von Leichtgläubigkeit bei den Menschen auch nicht schlecht; denn ohne den wäre es oft schwer, den Menschen einen Lehrer abzugeben. Nur aber soll der rechte Lehrer dann vor allem bemüht sein, seine Jünger darauf nicht im unbegründeten Leichtglauben sitzen und stecken zu lassen, sondern so lange mit ihnen arbeiten und sie führen, bis sie ins hellste Licht seiner Lehre ganz auf den Grund gedrungen sind. Hat er das durch seinen Eifer bezweckt, dann hat er etwas wahrhaft Gutes den Menschen erwiesen und kann darauf rechnen, daß sie ihm nicht undankbar verbleiben werden.
08] Wie viele Wohltaten genießen von den leichtgläubigen Menschen ganz falsche Lehrer, die da vorgeben, als verstünden sie etwas, und sogestaltig bald eine Menge Zuhörer finden, die sie anstaunen und ordentlich wetteifern, sich bei dem Lehrer durch allerlei Geschenke bemerkbar zu machen! Um wie vieles mehr werden sie das einem Lehrer tun, der ihnen die größten Lebensgeheimnisse und -verhältnisse gründlich und wohleinsichtlich erweisen und erörtern kann, theoretisch und natürlich, wo nötig, auch praktisch. Da bin ich schon dabei und allzeit zu haben; aber natürlich muß ich selbst zuvor gründlichst wissen, um was es sich bei dieser ganzen Geschichte handelt. Nun, harthörig bin ich nicht, auch nicht begriffsstutzig; was Aziona und Hiram begreifen, das werden auch ich und alle meine Nachbarn begreifen. Der natürlich - im Sacke wird bei uns nie eine Katze gekauft und in der Nacht kein Handel um Schafwolle abgeschlossen! Nun, Freund und Meister, worin besteht denn so ganz eigentlich deine Sache und deine - sage - neue Lehre?«


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