Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 5, Kapitel 193

Das herannahende Schiff mit den Häschern.

01] Mit diesem Winke begab sich das Weib samt den etlichen Kindern wieder in die Hütte und fing sogar bei ihrer Arbeit mit den Kindern an, den großen Zeus für solche übergroße Gnade zu preisen, bemerkte aber dennoch den Kindern, daß da für das Land, in dem die Götter erscheinen, nichts Gutes zu erwarten sei, sondern lauter schlimme Sachen als: Krieg, Hungersnot, Pest und große Länderüberschwemmungen.
02] Die Kinder aber sagten: »Aber diese Götter sehen ja doch gar freundlich aus! Wir werden sie morgen bitten, daß sie nicht gar zu schreckliche Übel über die Erde verhängen sollen!«
03] Sagte die Mutter: »Seid nun nur ruhig und stille! Das werden mit ihnen schon die Väter ausmachen; denn wir verstehen das zuwenig.«
04] Darauf wurde es dann stille in der Hütte, und wir verzehrten mit Aziona und Hiram unser Abendmahl, das den beiden gar überaus wohlschmeckte, ganz besonders aber der Wein und das Brot, welch beides Hiram nicht genug loben konnte. Als die Fische verzehrt waren, schaffte Aziona den Korb weg, kam wieder zu uns, und wir blieben sodann bei Brot und Wein gleich beim Tische sitzen und niemanden wandelte nur im geringsten ein Schlaf an. Bis eine Stunde vor Mitternacht verbrachten wir die Zeit mit allerlei mehr gleichgültigen Erzählungen.
05] Erst nach dieser Zeit erhob sich Hiram, starrte eine Weile hinaus in die Bucht und sagte dann mit einer gewissen Beklommenheit: »Meine Freunde, mir kommt es nicht geheuer vor; uns allen droht eine große Gefahr! Ich bemerke ein mit Kriegern und Häschern stark bemanntes Schiff in die Bucht hereinsteuern! Wahrlich, die haben nichts Gutes im Sinne! Du, Freund, der du dies Licht ordentlich erschaffen hast, lösche es aus, daß sie die Richtung verlieren und in der Nacht auf eine Sandbank geraten! Morgen wollen wir sie dann fragen, was sie hier suchten, und sie sollen uns zu einer guten Prise werden, so sie in feindlicher Absicht uns einen Besuch abstatten wollten.«
06] Sagte Ich: »Lassen wir das Licht nur leuchten! Bald sollst du Wunder unserer Macht schauen! Aber zuvor müssen sie ganz zu uns kommen; dann erst werden wir ihnen zeigen, was nach eurem Ausspruche die Götter vermögen!«
07] Mit dem stellte sich Hiram zufrieden; aber Aziona sagte: »Seht, liebe Freunde, ich hatte euch noch gefragt, ob ihr etwa von einem Feinde verfolgt werdet! Aber ihr sagtet: 'Mitnichten!' Hättet ihr uns nur etwas davon gesagt, wahrlich, wir hätten denen das Einlaufen in diese Bucht schon auf eine Art versäuert, daß sie dreißig Jahre lang genug daran zu denken gehabt hätten!«
08] Sagte Ich: »Ich wußte es wohl, was ohne unser Verschulden kommen werde; hätte Ich es euch aber gleich gesagt, so wäret ihr um eure notwendige Ruhe gebracht gewesen, ihr hättet euch mit der Verrammung der Einfahrt in diese Bucht gar entsetzlich viel Mühe gemacht, - und wozu denn? Habe Ich doch der höchsten Macht in Hülle und Fülle für mehr denn hunderttausend solcher Feindesschiffe! Wozu also noch solche Vorbereitungen? Die Prise samt dem Schiffe gehört dann ohnehin euch zu, und die wird nicht unbedeutend sein! Sie führen große Summen Bestechungs- und andere Gelder zu ihrer guten Verpflegung mit sich und noch eine Menge anderer irdischer Kostbarkeiten, die euch in eurer großen Armut sehr wohl zustatten kommen werden. Ich habe ganz geheim in Mir solches alles vorgesehen und habe euch zuallermeist eben darum nichts gesagt.
09] Hättet ihr das Schiff durch eure List und Gewalt, was auch ganz leicht hätte möglich sein können, als Prise genommen, so hättet ihr darauf in Kürze einen zehnmal größeren, feindlichsten Besuch eben wieder von Jerusalem aus bekommen und wäret samt und sämtlich als Raubmörder behandelt worden. Allein, das habt ihr nun nicht im geringsten zu befürchten; denn Ich Selbst werde euch im Geiste, wenn Ich auch nicht in der Person bei euch sein werde, allzeit beschirmen und euch nichts Übles zustoßen lassen.
10] Nun aber nähern sich die wahrhaft elenden Wüteriche schon so ziemlich und werden nun gleich samt den beiden uns allein verratenden Fischern ans Land steigen; da gebet fein Achtung darauf, was ihnen begegnen wird!«
11] Sagte Aziona: »Wenn sie nur keine Wurfgeschosse bei sich führen!«
12] Sagte Ich: »Oh, mitnichten, nur einige Spieße, Lanzen, Schwerter und Ketten führen sie mit sich; aber jetzt Ruhe, Meine Lieben!«


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