Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 5, Kapitel 189

Die Frage nach dem Messias.

01] Sagt Hiram: »Das ist nun ganz gut, und wir haben dir nun nichts mehr dagegen einzuwenden; denn nun glauben wir es dir, der du es sicher allein wissen und hell genug begreifen kannst, daß es also und nicht anders ist. Wir natürlich können das weder einsehen noch begreifen, da wir nicht wissen um die zahllos vielen fremden Weltkörper und noch weniger um die Art ihrer höchst rätselhaften Bewohner, wer sie sind, wie sie aussehen, und wessen Geistes Kinder sie sind. Aber nur das meine ich dabei dennoch, daß wenigstens einige bessere Menschen dieser Erde noch bei ihren Erdenlebenszeiten davon Kunde erhalten sollten von oben, um sich danach gegen solche Menschen richten und rüsten zu können!«
02] Sagt Johannes: »Höre! Solche Menschen hat es auf der Erde noch zu allen Zeiten gegeben, und sie haben solches und ähnliches durch allerlei entsprechende Bilder den Menschen dieser Erde kundgetan - im Hohenliede Salomos finden sich solche Andeutungen mehrmals vor -; aber die Menschen, respektive ihre Seelen, haben ihre Sinne zu sehr hinaus in die Materie der Welt versenkt und so ihrem jenseitigen Geiste den Rücken zugewandt, daher können sie von den höchsten und reingeistigen Dingen auch nichts mehr fassen und verstehen. Eben darum aber sind nun wir in diese Welt gekommen, um die durch ihre höchsteigene Schuld verwahrlosten Seelen wieder aufzurichten und ihnen die rechten Wege zu ihrem geistigen und ewigen Lebensheile zu zeigen.
03] In der Folge nach uns wird das alles Tausenden durch den heiligen Geist Gottes noch tausendmal heller geoffenbart werden, als ich es nun euch offenbaren konnte. So aber dann auch über euch der Geist Gottes kommen wird, da wird er euch leiten in alle Tiefen seiner urgöttlichen Weisheit, und dann erst werdet ihr das auch vollkommen klar einsehen, was ihr jetzt erst so ganz schwach zu glauben angefangen habt. Bis dahin glaubet und forschet in den Schriften und auch in aller Natur; sie werden es euch sagen, daß es also und nicht anders ist! Den vollen Grund aber werdet ihr, wie gesagt, erst später vollends einsehen. - Habt ihr nun noch irgend etwas einzuwenden?«
04] Sagt Hiram: »Nein, mein edelster und weisester Freund! Nun waltet bei uns durchaus kein Zweifel in diesen Dingen mehr ob! Aber da wir nun denn schon gegen die Neige dieses schönsten Tages von so manchem geredet haben, so möchte ich dich denn doch noch um eines fragen. Ich bin zwar nur ein reiner Grieche, aber dessenungeachtet habe ich mir mit der Zeit vom Judentume so manches zu eigen gemacht, das mich sehr ergötzte, namentlich aber ihre Behauptung von einem Messias, der nichts weniger als gleich nur das höchste Gottwesen Selbst sein werde. Er werde sie alle natürlich gleich unsterblich machen und zu Jerusalem als ihr ewiger, unüberwindlicher König residieren und von dort aus gleich die ganze Welt und zugleich natürlich auch die ganze, ewige Unendlichkeit beherrschen.
05] Man lacht uns wegen unserer mythischen Götterlehre nun schon nahezu allerorten aus und erklärt sie für einen allerbarsten alten Unsinn; was soll man aber dann erst zu den Juden wegen ihres Messias sagen? Beim Himmel! Eine solch grenzenlose Dummheit und Wirre des menschlichen Geistes ist mir wahrlich denn doch noch nirgends in aller Welt, die ich bereist habe, je untergekommen! Sage mir, was denn da für ein loser Witz dahinterstecken soll! Das ist ja doch eine wahrhaft scheußlichste Großtuerei der besonders ganz vornehmen Juden hauptsächlich gegen uns Griechen und Römer, und sie freuen sich schon, wie uns ihr Zeus aus ihrem Lande hinaustreiben wird mit einem ungeheuren flammenden Schwerte, dem auf jeden wohlgeführten Hieb mindestens hunderttausend der verheerendsten Blitze entsprühen werden über alle Heiden! Nun, das ist denn doch ein bißchen zu stark! - Was sagst denn du als selbst Jude zu diesem alten, närrischen Judenwitze?«
06] Sagt Johannes: »Diese Sache ist auch nicht so ganz ohne, wie du als ein reiner Grieche meinen dürftest; und vielleicht liegt sie dir näher, als du etwa meinen könntest! Aber natürlich in der Art, wie du sie aus dem Munde der Juden vernommen hast, ist sie offenbarst eine der allerkolossalsten Lächerlichkeiten, hinter der auch nicht ein Funke von einer nur scheinbaren Wahrheit waltet! Das aber, was die Juden in der höchst dümmsten Weise erwarten und nachher noch bis ans Ende der Welt vergeblich erwarten werden, ist bereits, verborgen vor ihren blinden Augen und tauben Ohren, schon lange da, - aber nicht zur Vertreibung der den Juden höchst lästigen Heiden, sondern gerade umgekehrt: Die Juden werden aus dem Lande vertrieben werden, und den Heiden wird das Wort Gottes gegeben werden für immerdar! Doch über dieses Thema wollen wir später ein allbedeutsames Gespräch anfangen; jetzt aber wollen wir für ein Abendmahl und für ein Nachtlager zu sorgen beginnen! Denn wir bleiben morgen auch noch hier, und dann etwa noch ein paar Tage, und da wird sich noch gar manches besprechen lassen.«
07] Sagen die beiden, ganz erfreut über diese Zusicherung: »Es wird sogleich von allen unseren Seiten nach Möglichkeit für alles auf das beste gesorgt werden!«
08] Mit dem gehen beide ganz heiter ab, und Ich belobte den Jünger für seine unermüdliche Ausharrung und für seine wahrlich sehr große Geduld.


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