Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 5, Kapitel 187

Drei Einwände gegen das Fortleben nach dem Tode.

01] Sagt Hiram: »Ich muß staunen über deine Kenntnis der Dinge. Das hat dir keine Weltschule und deine Phantasie auch nicht gegeben! Es möchte schier also sein, weil du das hier vor uns so leicht und wie dir schon seit undenklichen Zeiten her als etwas sehr Bekanntes entwickelt hast; denn wahrlich, so etwas läßt sich aus den Fingern nicht heraussaugen! Wir sagen dir nun nur das, daß wir von allem zwar soviel als nichts dem Grunde nach verstehen und begreifen; aber wir glauben es nun vollkommen, weil du es uns sagst, der du uns nun in der kurzen Zeit unseres Beisammenseins doch die allerungeheuersten Proben deiner Allwissenheit und deiner unbestechlichsten Wahrhaftigkeit auf die einfachste und klarste Weise von der Welt abgelegt hast.
02] Dennoch aber habe ich bezüglich der Nachexistenz noch drei wichtige Fragen an dich zu stellen. Kannst du uns auch da eine befriedigende Lösung geben, so wollen wir dir zuliebe unsere ganze kynische Weisheit (Kyniker nannte man in Griechenland Angehörige einer Philosophenschule, die den Verzicht auf alle Kulturgenüsse erstrebte.) fahrenlassen und dich dann bitten, uns eine bessere zu lehren. Die Fragen aber sind ganz kurz und einfach diese:
03] Was sind das für Geister, die ihre ihnen gleich zu bildenden Seelen in Leiber von Taubstummen und in von Geburt an ganz vertrottelte und Narren-Leiber setzen? Welch eine geistige Heranbildung einer Menschenseele läßt sich in solchen Leibern nach unseren Vernunftgrundsätzen erwarten? - Das ist die erste Frage.
04] Was ist mit den Seelen der Kinder, die sterben, noch lange bevor sie eigentlich ihres Bewußtseins fähig sind, wobei von einer geistigen Heranbildung gar keine Rede sein kann? Von welchen jenseitigen vollkommen reinen Geistern aus Gott stammen diese ab? -Siehe Freund, das ist die zweite sehr gewichtvolle Frage!
05] Und die dritte Frage laute: Was ist mit jenen Seelen, die auf der Erde in ihrem Fleische zwar zu so mancher Weltbildung und Intelligenz gelangt sind, aber dann eigenwillig und ganz eigenmächtig zu wahren Scheusalen der besseren menschlichen Gesellschaft werden? Warum haben das ihre sie ins Dasein setzenden, sicher aus Gott dir gleich weisen Geister zugelassen, und warum kümmerten sie sich nicht mehr um jene durch sie hervorgerufenen und mit ihnen eins werden sollenden Seelen? Oder ist das dem reinen Geiste etwa gar eines, welche Bildungsstufe eine Seele in dieser Welt und in ihrem Leibe erhält?
06] Siehe, Freund, da stecken noch so einige Widersprüche deiner früheren Diktion, die wir selbst beim besten Willen nicht unter ein Dach bringen können! Denn entweder ist der Akt solch einer Lebenseinigung ein höchst ernster, von dem das Wohl oder Wehe dann die ganze Ewigkeit hindurch abhängt - und dem mächtigen jenseitigen Geiste kann es unmöglich einerlei sein, ob seine durch seine Macht und Intelligenz aus Gott gebildete oder aus der Materie entwickelte Seele selbst ihm gleich ein vollendetes Geistwesen oder ein wahres Scheusal wird -, oder dieser vorerwähnte Akt ist kein höchst und sogar heilig ernster, sondern nur so eine launige Spielerei. Dann haben wir über alle deine noch so hohe Weisheit hinaus unbestreitbar recht, so wir behaupten, daß da in der großen Naturwelt alles nur eine eitle Spielerei ihrer Kräfte ist, und wir leben nur als ein vorübergehender Scherz der großen Natur, und mit dem Tode hat es sein Ende für immerdar, unbekümmert, was irgendwo unsterbliche, sich um alle Natur nie kümmernde, vollkommene Geister machen!
07] Denn soll zum Beispiel mich auch irgend so ein jenseitiger Urgeist aus Gott ins Dasein gerufen haben, will sich aber dann gar nicht mehr um mich kümmern, so ist er dann ja kein nütze, und so ich als Seele ganz mich selbst für ihn bilden soll, ohne daß er doch etwas Merkliches dazu beihilft, da kann mich dann ein solch lauer Geist aber auch schon für die ganze Ewigkeit meiden! - Nun, Freund, wie sieht es da mit einer guten und weisen Antwort aus?«
08] Sagt geheim zu Mir Petrus: »Herr, jetzt wäre ich mit meiner Weisheit aber auch schon am Ende! Bin nun recht ängstlich darum, wie sich da Johannes herauswinden wird!«
09] Sage Ich: »Sei unbesorgt! Durch Mich und mit Mir geht alles!«


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