Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 5, Kapitel 149

Zeugnis des Cyrenius für Jesus.

01] Sagt Cyrenius: »Das nun wohl ganz und gar nicht; denn diesmal hast du die vollste Wahrheit, die sonst dem Munde eines Pharisäers nicht leichtlich entkommt, geredet und hast mein Gemüt wieder so recht heiter gestimmt! Übrigens aber muß ich dir denn bei der Sache, die deinen gar so gefährlichen Propheten oder gar Gottes Sohn betrifft, doch fürs erste die Bemerkung machen, daß Er bei euch leumundlich sehr verleumdet sein muß, und fürs zweite dir offen bekennen, daß ich den Höchstdenkwürdigen sehr wohl kenne und dir die offene Versicherung geben kann, daß Er ein höchst unschädlicher Mensch ist, der sich alle Mühe gibt, seinen Nebenmenschen nur zu nützen und sogar seinen allerärgsten Feinden, die offenbar ihr seid, trotzdem ihm alle eure großen Betrügereien, von denen weder einem Moses noch einem Aaron je etwas geträumt hat, nur zu wohl bekannt sind.
02] Oh, Er ist ganz Jude, aber nur im reinsten und echt mosaischen Sinne! Wo aber ist Moses, und wo ihr mit euren neuen Menschensatzungen? Er ist also wider das Nichtmosaische an euch, aber nicht wider euch selbst! Zu mir sind vom Volke aus schon eine so große Menge der empörendsten Klagen wider eure schnödesten Handlungen und Betrügereien gekommen, daß ich es mir wahrlich schon einige Male vorgenommen habe, euch mit bewaffneter Hand für alle Zeiten das Handwerk zu legen. Nur Er hat mich davon abgehalten! Wäre Er, der Sich meiner höchsten und vollsten Freundschaft bewußt ist, euer Feind, so hätte Er sicher nur eine größte Freude daran, so Er euch durch meine Hand in kürzester Frist ganz vom Schauplatze dieser Erde vertilgt haben könnte; allein gerade das Gegenteil!
03] Er bedauert eure große Verblendung, die ihr aber selbst angelegt habt. Er möchte euch nur zu der Wahrheit und zu dem einen, wahren Gott zurückführen, von dem ihr euch durch eure zahllosen Weltgelüste abgewendet habt, und mit euch den alten Bund erneuern; aber verderben will Er euch durchaus nicht. Wenn aber das Sein allerregster Wunsch und Wille ist, wie ist Er dann euer Feind? Hättet ihr Seine Mittel in euren Händen, wie oftmals hättet ihr Ihn schon getötet! Tut Er an euch etwas Ähnliches, wo Ihm doch dazu tausend der allerkräftigsten Mittel alle Stunden des Tages zu Gebote stehen?! Wie es in meiner Gewalt ist und steht, so habe ich auch Ihn einem höchst scharfen Examen unterzogen, welches Er auf das allerglorreichste bestanden hat.
04] Ich habe in Ihm eben jenen Menschen gefunden, den ich vor - sage - dreißig Jahren vor der grausamsten Verfolgung des alten Herodes gedeckt habe, und Er ist Ebenderselbe, der vor dreißig Jahren, als mein Bruder Augustus die Volksbeschreibung und -zählung im ganzen, weiten Römerreiche und somit auch im Judenlande einführte, zu Bethlehem in einem Schafstalle von des Zimmermanns Joseph jungem Weibe unter allerlei wunderbaren Erscheinungen geboren, von den Weisen des Morgenlandes durch einen sie dahin führenden großen Schweifstern erkannt und als ein künftiger König der Juden begrüßt und beschenkt, schon damals als eine ganz besondere Erscheinung für die Menschen dieser Erde von den erstaunten Hirten besangen ward, dessen ihr euch wohl noch ein wenig erinnern dürftet!
05] Sollte euch davon, obwohl ihr schon die sechzig Jahre Alters zählen dürftet, nichts zu Ohren gekommen sein, so steht hier mein Bruder Kornelius, der damals eben in Bethlehem das römische Beschreibungsgeschäft leitete, als ein sogar noch sehr wohl lebender Zeuge vor euch und nebst ihm ich selbst, der ich auch schon an dem kaum vierzehn Tage alten Kinde derartige Göttlichkeitsindizien wahrzunehmen und zu erfahren die höchst unerwartete Gelegenheit fand, die mich unter dem größten und ehrfurchtsvollsten Staunen keinen Augenblick in einem Zweifel ließen, daß dies Kind alleroffenbarst mehr als irgendein noch so vollkommenes Menschenkind sei.
06] Als ich nun in meinem Greisenalter das damalige Kindlein als einen Mann voll Geist und göttlicher Wunderkraft wiederfand, fand ich auch bald und leicht, daß Er eben aus dem besprochenen Kinde hervorgegangen ist, und es wird hoffentlich nicht schwer zu begreifen sein, daß ich dann selbst vor Ihm mein greises Haupt in der allertiefsten Ehrfurcht und Liebe zu beugen genötigt war, und das durch mein höchsteigenes Gefühl.
07] Und diesen Mann verfolget ihr so hastig und wollet Ihn gänzlich verderben und vernichten?! Oh, ihr allerunsinnigsten und blindesten Toren! Hat denn nicht Moses von Seiner Ankunft geweissagt und nach ihm nahezu alle großen und kleinen Propheten, die eure Väter in ihrer allererbärmlichsten Dummheit auch mit Steinen erschlugen, so wie ihr nun Diesen auch erschlagen möchtet?! Ihn, der allein euch allen helfen kann und auch will, verfolget ihr nun sogar schon mit aller List, heißet Ihn ein Scheusal, sprechet über Ihn den ärgsten Fluch aus und wollet Ihn dazu noch töten?!
08] Ihr habt diese Gegend, die ihr suchtet, nicht erkannt, weil der große, gefürchtete Fels aus dem Dasein verschwunden ist und diese ganze, ehedem überaus wüste Bucht in ein wahres Eden umgestaltet ward. Wer aber bewirkte das? Ich und alle hier Anwesenden sind Zeugen, daß dabei keine Menschenhand auch nur mit einem Finger betätigt war. Er war und ist unter uns und bewirkte solches Wunder bloß durch Seinen Willen!
09] Hier an meiner Seite steht ein Knabe; Josoe ist sein Name. Er lag schon beinahe zwei Jahre im Grabe, und nichts als die in Verwesung übergehenden Knochen waren von ihm noch vorhanden. Und dennoch war es dem von euch so bitter und hartnäckig verfolgten Manne ein leichtes, ihn bloß durch ein Wort also zu gestalten und wiederzubeleben, wie er nun da vor euch steht!
10] Dahier am Tische sitzen meine beiden Töchter, die mir durch arge Sklavenhändler geraubt wurden. Sie fielen bei einer Überfahrt übers Meer durch einen Sturm ins Wasser und schwammen, von den Unmenschen geknebelt, vollkommen tot auf der weiten Oberfläche des Meeres umher. Bei einem vorgestrigen Fischfangzuge, den wir alle mitmachten, wurden sie aufgefunden und hierhergeschafft. Eures Feindes Wort gab - Ihm allein alle meine Ehre! - ihnen also, wie ihr sie da sehet, das Leben wieder!
11] Nun frage ich euch, ob das wohl auch ein Magier zustande brächte, oder ob diese Zeichen in sich nicht schon großartiger sind als jene, die zur Zeit Mosis in der Wüste vollführt wurden! Was ich euch sage, das ist so streng wahr, wie ich selbst Cyrenius heiße, und es kann solches mit vielen hundert Zeugen noch mehr bekräftigt werden; und den Täter solcher Werke nennet ihr gewisserart ein Scheusal, verfolget Ihn und wollet Ihn sogar töten?! Welch ein kaum begreiflicher Grad von der allerblindesten Dummheit gehört doch wohl dazu!«


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