Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 5, Kapitel 122

Die Wichtigkeit des Tatchristentums.

01] (Der Herr:) »Ihr möget sie von Wort zu Wort mit ehernen Schriftzeichen für alle Zeiten der Zeiten aufzeichnen, so daß kein Häkchen davon abgeht, und könnet sie also predigen und vorlesen allen Völkern, und alle Völker sollen aus vollem Halse rufen: »Ah, siehe da, das ist eine gar sehr vortreffliche Lehre und ist eines Gottesmundes würdig!«, aber es will dennoch niemand Hand ans Werk legen und vollauf nach ihren Grundsätzen, und Forderungen tätig werden, - nützet da dann diese Meine noch so rein aufbewahrte Lehre jemandem etwas? Ich sage es euch: Gar nichts nützt das! Oder nützt jemandem, der krank ist, eine Arznei etwas, wenn er sie nicht einnimmt und gebraucht nach der Vorschrift des wohlerfahrenen Arztes?!
02] So aber jemand nur einiges Wenige weiß von dieser Meiner Lehre und tut aber sogleich danach, so wird er davon schon offenbar einen größeren und lebendigeren Nutzen haben als der andere, der zwar mit aller Ehrfurcht von Mir und Meiner Lehre spricht, aber nie bei sich selbst sich zur Tat danach entschließen kann. Denn der erstere wird durchs Handeln nach dem Wenigen, das er vernommen hat, eben das Vernommene in seiner Seele beleben, und es wird aus dem kleinen Samenkorn bald eine große Ernte aus dem lebendigen Geiste erfolgen, die keine böse Macht je mehr zu zerstören imstande sein wird, während der zweite Lobredner und treue Aufbewahrer Meiner Lehre, vom geistigen Hunger geplagt, auch alle andern Lehren zusammenscharen und dabei dennoch des geistigen Hungers sterben wird. Wird Mich dann drüben seine Seele erkennen, wenn sie hier durch ihre Tätigkeit sich den wahren Geist Meiner Worte nicht in aller Wahrheitsfülle zu eigen gemacht hat?
03] Ich setze nun den Fall, es wüßte jemand von Meiner Lehre nicht mehr als das nur, daß man Gott über alles und seinen Nächsten wie sich selbst lieben soll, und dächte darüber also ganz ernstlich: »Sieh, das ist eine gute Lehre! Es muß ein allerhöchstes Gottwesen geben, das nach allem dem, was da von Ihm erschaffen ist, als sehr gut und überaus weise dasteht, lebt und sich bewegt. Dieses sonach überaus gute, weise und allmächtige Wesen muß man also auch mehr achten, schätzen, ehren und lieben als alles andere in der Welt. Mein Nebenmensch ist so gut wie ich ein Mensch und vom Schöpfer mit den gleichen Rechten in diese Welt gesetzt. Er darf daher nicht unterschätzt werden, sondern ich bin durch die Vernunft sogar genötigt, ihm das zu erweisen, was ich mir selbst erweise. Denn unterschätze ich ihn, so unterschätze ich auch mich, weil ich auch nur ein Mensch und nichts Weiteres mehr bin. Ich erkenne das als einen obersten Lebensgrundsatz und will ihn daher auch vorerst für mich selbst strenge tatsächlich beachten!«
04] Dieser Mensch tut nun das und sucht auch seine Umgebung dazu zu bewegen, teils durch sein Beispiel und teils durch seine ganz einfache und schlichte Lehre, und bildet so sein Haus zu einem wahren Muster wahrer und gottergebener Menschen aus. Was sind aber in Kürze die Früchte solch eines löblichsten Unternehmens? Die Menschen leben in Frieden. Keiner erhebt sich über den andern. Der Verständige gibt sich in aller Geduld die ernste und mit aller Liebe erfüllte Mühe, den Unverständigen zu sich heraufzubilden, und macht ihn auf alle die ihm bekannten Wunder in der Schöpfung aufmerksam und freut sich, den Schwächeren gestärkt zu haben.
05] Weil solches alles aber da in der Tat geschieht, so wird das auch ins Leben der Seele aufgenommen; die Seele wird dadurch dann offenbar stets tätiger und lebenskräftiger.«


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