Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 5, Kapitel 117

Die Erkenntnis der Gottheit Jesu als Vorbedingung zur wahren Gottesliebe.

01] Sage Ich: »Allerdings, - denn wer in Meiner Liebe ist, der ist in allem, was aus Mir ausgehet! Aber aus Meiner Liebe ganz allein wirst du Mich wohl schwer als das erkennen, was Ich bin! Denn siehe, sehr und gar mächtig lieben kannst du auch dein Weib und vice versa (umgekehrt) dein Weib auch dich; aber darum wirst weder du deinem Weibe, noch dein Weib dir ein Gott sein!
02] So du Mich nur als einen puren, wennschon sehr guten und verständigen Menschen liebst und Ich dich ebenalso, da können wir Äonen von Jahren miteinander wandeln, und du wirst Mich dabei ebensowenig als einen Gott erkennen und begrüßen als Ich dich, der du sicher kein Gott, sondern nur ein Geschöpf desselben bist.
03] Willst du Mich aber als das erkennen, als was Ich vor dir stehe, so muß Ich Mich dir als derjenige durch Wort, Rede und Tat zu erkennen geben. Hast du Mich aber daraus wahrhaft erkannt und aus Meiner Macht und Weisheit einsehen gelernt, daß Ich offenbar mehr denn ein pur guter und verständiger Mensch bin, dann erst wird dein Herz demütig vor Mir in den Staub zurücksinken und in solcher gerechten Demut dann erst recht allerlebendigst zu Mir in aller Liebe erbrennen; und du wirst darin dann erst den lebendigsten Grund, Mich, deinen Gott und Schöpfer, über alles zu lieben, treu und wahr finden. Was aber dir gilt, das gilt auch jedem andern Menschen.
04] Wer Mich nicht als Gott erkennt, der kann Mich auch nicht als einen Gott wahrhaft über alles lieben! Hättest du Mich aber je als Gott erkennen können, so du von Mir nur rein menschliche Handlungen und Taten und Reden beobachtet hättest? Sicher nicht! Und wäre deine Liebe zu Mir so mächtig geworden, so du kein Göttliches an Mir entdeckt hättest?! Dadurch aber, daß Ich dich bloß nur mit aller Liebe und Neigung erfaßt hätte wie allenfalls ein Bräutigam seine Braut, hättest du nicht erfahren können, daß der Geist des allerhöchsten Gottes wohne und wirke in Rat, Wort und Tat in Mir, sondern Meine Weisheit und Meine Macht haben dir das erst verkündet, und es ist somit eben nicht ganz recht, so du Meine Weisheits- und Machtgröße ein erschrecklichstes Feuermeer nennest und der Meinung bist, daß damit die Menschen nie etwas zu tun haben sollen. Gerade das Gegenteil!
05] Die Menschen sollen mit aller Gier Mein Reich in allem und vor allem suchen und sollen sich als Meine werdenden Kinder stets mehr und mehr in ihres Vaters großem Hause in jeder Sphäre und Beziehung auszukennen anfangen. Dadurch werden sie dann auch in der wahren Liebe voll Demut wachsen, und sie werden dadurch am Vater, und der Vater auch an ihnen, eine stets größere, mit aller Liebe erfüllte Freude haben.
06] Wenn die Menschen also tun und leben werden ein wahres Leben in und durch Meine Weisheit, Liebe und Macht, dann werden sie auch ganz das sein, was sie alle eigentlich sein sollen. Sie werden dadurch erst als Meine wahren Kinder ebenso vollkommen werden, wie Ich da Selbst vollkommen bin, und werden dann Meine göttliche Weisheit, Macht und Größe nimmer mehr als ein erschreckliches Feuermeer finden. Ich meine, daß dir das nun auch klar sein wird!
07] Doch aber sage Ich euch allen hinzu, daß ihr alle vorderhand die Völker nicht alles das lehren sollet, was Ich euch nun gezeigt habe. Lehret sie vor allem Gott erkennen und lebendig an Ihn glauben und Ihn lieben über alles! Alles andere wird ihnen nach dem Bedarfe der Geist selbst enthüllen.«


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