Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 5, Kapitel 89

Die Gefahren des Goldes.

01] (Der Herr:) »Du kennst nun den wahren Wert des Goldes und der Edelsteine; gebrauche sie auch in der Art und Weise, wie Ich sie dir nun angezeigt habe, so wirst du ganz in Meiner Ordnung stehen wie ein Patriarch der Urzeit!
02] Auch die Patriarchen der Urzeit kannten das Gold und gebrauchten es echt und gerecht; die aber anfingen, es nach dem eingebildeten Werte zu gebrauchen, die kamen auch ehest in ein großes Unglück. Denn aus dem eingebildeten Werte des Goldes, der Perlen und der Edelsteine erstanden erst die Diebe und die Straßenräuber, und ein König ward des andern Feind, sobald er in Erfahrung gebracht hatte, daß sein Nachbar etwa gar zuviel des gelben Metalles aufgehäuft hatte.
03] Also nur die Narrheit der Menschen erzeugt gegenseitige Verfolgungen! Aus ihr entstehen am Ende alle erdenklichen Laster, als da sind: Neid, Geiz, Habsucht, Stolz, Hochmut, Herrschgier, Fraß, Völlerei, Unzucht und allerlei Hurerei, - und am Ende Totschlag, Mord und alle Grausamkeiten, die sich die Menschen gegenseitig bereiten. Und was schuldet hauptsächlich daran? Zuallermeist die gänzliche Verkennung des Goldes und der vielen Edelsteine und Perlen! Die Menschen haben sich nach dem Maße des Goldbesitzes voneinander zu unterscheiden angefangen! Der Stärkere brachte viel zusammen, und der Schwächere ging leer aus. Der nun am Golde Reiche hatte einesteils wohl bald eine bedeutende Anzahl interessierter Freunde, und der Arme wurde alsbald zum wenigsten als ein halber Dieb, dem man nicht trauen darf, angesehen und daher verachtet! Was Wunder, so er bei solch einem Fingerzeig ehestens ein wirklicher Dieb ward?!
04] Ich aber will diese ärgerliche Sache nun nicht weiter verfolgen, da du, Mein Freund Cyrenius, dir alles Weitere von selbst ganz und gar leicht denken kannst! Aber das setze Ich noch hinzu: Wollt ihr mit der Zeit frei sein von allerlei Feinden, Dieben, Räubern und Mördern, so schätzet das Gold und alle die Edelsteine nach ihrem eigenschaftlichen Werte, und ihr werdet dadurch die Anzahl eurer Feinde um ein sehr bedeutendes vermindern; denn durch eure Weisheit werden dann viele selbst weise werden und Gottes Ordnung in allen Dingen erkennen! Und werden sie das, so werden sie auch edle und liebe Menschen werden, vor denen ihr euch nicht zu fürchten haben werdet.
05] Aber wenn ihr, oder zum mindesten eure Nachkommen, dem Golde, dem Silber und den Edelsteinen wieder den eingebildeten Wert werdet beizulegen anfangen, so werdet ihr wieder in die alten Feindschaftsverhältnisse treten, in denen ihr euch jetzt befindet. Ich sage es dir: Unter gewissen, wahren Verhältnissen ist alles gut auf der Erde und bringet Segen durch den wahren Gebrauch für Leib, Seele und Geist, und es ist dem Reinen alles rein, und für den, der selbst ein Licht geworden ist, kann es keine Nacht mehr geben; aber durch einen dummen, verkehrten und also ordnungswidrigen Gebrauch muß am Ende selbst das Beste schlecht werden und statt Segen und Heil - Fluch und Unheil bringen!
06] Du weißt, daß das Wasser die mannigfachsten und allerbesten Eigenschaften besitzt und zum physischen Leben der Menschen, Tiere und Pflanzen das allerunentbehrlichste Element ist; aber so der Mensch sich eine Wohnung wollte errichten in der Tiefe des Meeres, um darin zu hausen mit den Fischen, so wird er in solcher Wohnung schnell den Tod seines Leibes finden. - Also ist das Feuer gleich dem Wasser ein notwendigstes Element zum Leben; wer sich aber in ein Feuer stürzet in der Meinung, darin eine noch größere Masse des Lebens sich anzueignen, der wird bald als Asche keinen Funken Naturlebens mehr besitzen!
07] Und so geht es mit allen Dingen durch die Bank hindurch! Ja, selbst die giftigsten Pflanzen und Tiere haben ihren großen Segen für diese Erde; denn sie saugen den bösen Giftstoff aus der Luft an sich; ihre Natur ist also eingerichtet, daß ihnen das Gift, das in den ganz ungegorenen Naturlebensgeistern besteht, keinen Naturlebensschaden bringen kann.«


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