Das große Evangelium Johannes

Band 5, Kapitel 1

Niederschrift nach wörtlichem innerem Diktat an Jakob Lorber

Jesu Wiederoffenbarung seiner gesamten Lehren und Taten (02.08.1851-19.07.1864)


Das wunderbare Mahl.

1] Sage Ich: »Es ist aber nun auch schon eine Stunde über den Mittag, darum sorge du, Markus, für ein Mahl; Mein Raphael helfe dir! Nach dem Mahle wollen wir dann sehen, was uns der Tag noch alles bringen wird. Ordnet euch alle an die Tische, und du, Raphael, aber schaffe die beiden Gehirnhaufen von unserem Tische, dann erst hilf dem Markus!«
2] Raphael tat das in einem Augenblick und sagte dann zum Markus: »Soll ich dir nach eurer Menschenart behilflich sein oder nach meiner Art? Sage, wie es dir lieber ist! Weniger Aufsehen würde es offenbar machen, wenn ich dir nach menschlicher Weise helfe; aber nach meiner Art ersparten wir viel Zeit, und diese ist denn doch etwas sehr Kostbares! Was du demnach willst, das werde ich tun, und du wirst nirgends etwas auszustellen haben, als wäre irgend etwas versäumt worden.«
3] Sagt Markus: »Ja, Freund aus den Himmeln, deine Art, die Speisen schnellst auf die Tische zu bringen, wäre freilich sehr vorteilhaft - denn trotz der Hilfe der Dienerschaft des Cyrenius geht es doch so hübsch lange her, bis die Speisen für so viele Menschen auf die Tische gebracht werden; aber es hat hier einen andern Haken! Die Speisen sind in genügender Vielheit noch gar nicht völlig bereitet! Wenn da deine überirdische Gewandtheit etwas vermag, da wäre sie wohl vorderhand am allerrechtesten Platze; sonst wird es wohl noch einer guten halben Stunde benötigen, bis alles zum Auftragen bereitet sein wird!«
4] Sagt Raphael ganz gemütlich zum Markus: »Das meine ich ja auch: schnellst bereiten und ebenso schnell die Tische mit den geziemenden Speisen und Getränken versehen! Ich sage dir, man muß nur wollen, und es geht dann alles! Wenn du willst, so kostet es mich nur einen allerkürzesten Augenblick, und alle Speisen stehen allerbest bereitet auch schon auf den Tischen vor den Gästen!«
5] Sagt Markus: »Wäre schon alles recht; aber dann werden die Menschen das für eine himmlische Zauberei halten und vielleicht eine ganz erklärliche Furcht vor den Speisen bekommen und werden sich kaum getrauen, dieselben zu genießen, - besonders die Schwarzen, die hier ohnehin auf alles so aufmerken, daß ihnen sicher gar nichts entgeht!«
6] Sagt Raphael: »Oh, denen macht es gerade am wenigsten; denn diese sind ans Wunderbare schon gewöhnt! Spät ist es auch schon, und der Herr wird etwa nach dem Mahle etwas von großer Wichtigkeit vorhaben, was nur Er allein wissen kann, und so ist es offenbar besser, wir machen es mit meiner geistigen Schnelligkeit, und es wird sich daran niemand stoßen! Zugleich ist dies das letzte Mittagsmahl, das der Herr hier einnimmt, und es schadet darum nichts, wenn es so ein wenig wunderbar aussieht! - Bist du da nicht auch meiner Ansicht?«
7] Sagt Markus: »Ganz vollkommen; denn du als ein erster Geist aus den Himmeln wirst es wohl besser wissen und verstehen als ich, was hier schicksamer und vorteilhafter ist! Daher tue du nun nur ganz vollkommen nach deinem Gutdünken!«
8] Als Markus solches dem Raphael kundgab, begaben sich beide in die Küche, in der wie gewöhnlich des Markus Weib, seine Töchter und Söhne und noch etliche Diener des Cyrenius alle Hände voll zu tun hatten, und dennoch war das Mahl für so viele nur kaum erst bis zur Hälfte fertig.
9] Da sagte Markus: »Oh, da wird's noch eine Stunde hergehen, bis da alles fertig wird!«
10] Sagt dessen Weib: »Ja, mein lieber Gemahl, wir beide können keine Wunder wirken, und es läßt sich da nichts übers Knie brechen. Da heißt's geduldig ausharren, bis man alles herrichten kann!«
11] Sagt Markus: »Weißt du was, laß du nun samt den Töchtern das Kochen, Sieden und Braten stehen; der Raphael als ein wahrer Schnellkoch wird damit bald zu Ende sein!«
12] Sagt das Weib: »Das wäre wohl gut; denn es sind alle schon recht müde von der vielen Arbeit!«
13] Mit dem traten alle Köche und Köchinnen zurück, und Raphael sagte darauf: »Nun könnet auch ihr an euren Tisch gehen! Alles ist bereits auf den Tischen, und alle Gäste nehmen bereits das Mahl ein. Komm, alter Markus, und setze dich als mein Mitarbeiter zum Tische und iß nun einmal von meiner Küche, und beurteile, ob ich wohl auch zu kochen verstehe! Dein Weib und deine Kinder und die Köche des Cyrenius aber haben ohnehin einen eigenen Tisch vor dem Hause, der mit denselben Speisen und Getränken bestens bestellt ist.«
14] Sie gehen nun alle aus der Küche, und als sie die Hunderte von Gästen an den Tischen essend und trinkend ersehen, da sagt Markus, höchst erstaunt über diese Erscheinung: »Ja, wie ist denn das möglich? Du hast mich ja doch nicht einen Augenblick verlassen, und alle Tische sind voll, und das, wie man's sieht, in großem Überfluß! Du hast auch nicht eine Speise bereiten und noch weniger auf die Tische stellen können! Ich bitte dich, sage mir doch nur ein bißchen was, wie du das zustande gebracht hast; denn wahrlich, alles begreife ich eher als deine ganz verzweifelt unbegreifliche Schnelligkeit, besonders in Handlungen, die doch an eine gewisse zeiträumliche Ordnung für diese Erde notwendig gebunden sind! Ich bitte dich nochmals, mir darüber nur so einen kleinen Wink zu geben, wie du die Speisen bereitet hast und woher sie genommen! Denn von den in meiner Küche halbbereiteten ist nichts auf diese vielen Tische gekommen, weil ich sie soeben noch ganz wohlbehalten darin ruhend und ihrer Bestimmung harrend gesehen habe!«
15] Sagt Raphael: »Da hast du nicht gut genug geschaut; denn dein ganzer Vorrat ist erschöpft! Sieh nur nach, ob es nicht also ist!«
16] Markus macht schnell einen Nachblick und findet Küche und Speisekammer rein ausgeräumt. Nun kommt er mit noch größerem Staunen heraus und sagt: »Ah, Freund, da ist es aber mit dir rein nicht mehr auszuhalten! Wahrlich, ich mag keinen Bissen drei Tage lang über meine Lippen kommen lassen, so du mir nicht irgendeinen Wink gibst, wie du das angestellt hast!«
17] Sagt Raphael: »Gehen wir nun auch an den Tisch; dort wollen wir davon einige Worte miteinander tauschen!«
18] Auf das begibt sich Markus mit dem Raphael zu unserem Tische, an dem es schon recht lebhaft herging. Raphael greift gleich zu, legt auch dem Markus einen schönen Fisch vor und nötigt ihn zu essen. Markus mahnt ihn zwar zur Erklärung der Schnellkocherei und der ebenso schnellen Bedienerei; aber Raphael sagt ganz freundlich: »Jetzt, lieber Freund, iß und trink! Wenn wir beide für den Leib wieder die erforderliche Stärkung durch die gesegnete Speise und den gesegneten Trank bekommen haben werden, dann wollen wir auch ein paar Wörtchen über meine Schnellkocherei und Schnellbedienerei miteinander verplaudern!«


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