Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 243

Das Wesen Gottes. Des Erdenlebens notwendige Probeschwere.

01] Sage Ich: »Ja ja, das ist eben der Knoten, den Ich auf die Gehirnerklärung nicht nur in dir, sondern in mehreren von euch entdeckt habe, und Ich habe euch auch eben darum zu fragen aufgefordert.
02] Es versteht sich ja von selbst, daß Gott, als die höchste und purste Liebe von Ewigkeit unverändert gleich, nimmerdar irgend lieblos sein kann, und daß Sie alle Ihr zu Gebote und zu Diensten stehenden Mittel auf das allerlebhafteste anwenden wird, um irgendeine wie immer kranke Seele zu heilen. Aber der Seele ihr eigenes charakteristisches Ich kann Sie nicht nehmen, sondern muß es belassen und die Seele in solche Zustände kommen lassen, die sie, wenn sonst alles nichts nützt, durch eine Art Witzigung zurechtbringen!
03] In einem äußersten Falle kann dieser Weg freilich nur ein äußerst langwieriger werden; aber es trägt dann niemand die Schuld als die zu sehr starr- und eigensinnig gewordene Seele, die freilich das zumeist nur infolge dessen wurde, was Ich euch von ihrer Unvollkommenheit ehedem erzählt und erklärt habe.
04] Aber es ist das ja der vollstarke, höchst eigene Wille der Seele; sie will es also und tut immer nur, was ihr gut dünkt! Nun, da geht es mit einem allmächtigen und also gewaltigsten Entgegenwirken nicht; denn das würde der Seele erst die allerunerhörtesten Qualen bereiten! - denn schon ein leisestes Einfließen bereitet ihr die unsäglichsten Schmerzen; was würde sie bei einem allzustarken Einfließen erst auszustehen haben?!
05] Gott ist in Sich das höchste Feuer alles Feuers und das stärkste Licht alles Lichtes! Wer aber kann ein Feuer ertragen, wenn er nicht selbst Feuer, und das höchste Licht, wenn er nicht selbst Licht ist?! Da siehe das linke noch hier seiende Gehirn! Ersiehst du irgendein Feuer darin oder irgendein Licht, auch nur so stark leuchtend wie ein Sonnenwendkäferlein in der Nacht? Was gehört dazu, bis dieses Gehirn ganz Feuer und hellstes Licht wird?!
06] Wollte Ich aber mit aller Gewalt hier einzufließen anfangen, so wirst du diese beiden Linksgehirnhaufen nicht mehr schauen; denn sie werden sofort in jene dir noch bekannten Feuerzünglein aufgelöst werden und sich zerstreuen, bis Mein Wille sie irgend erfaßt und aus ihnen ein neues Wesen bildet. Was ist aber dann mit dieser gegenwärtigen Wesenheit?!
07] Damit aber kein Wesen, das einmal besteht, ewig je irgend in seiner seelischen Sphäre zerstört und in ein anderes Wesen übergehen kann und verlieren das Ur-Ich, so ist dahin Meine als ewig unwandelbar fest gestellte Ordnung ja auch gut! Und mag eine Seele mit ihrer Vollendung noch solange zu tun haben, so bleibt sie dennoch ihr eigenstes Ur-Ich und wird sich als solches auch für ewig unwandelbar erkennen, was denn hoffentlich doch tröstender ist, als so die Seele als völlig zerteilt in ein anderes Individuum übergehen würde, allwo alle Erinnerung an ein früheres Sein notwendig verschwinden müßte und keine Spur von einem früheren konkreten Sein übrigbliebe! Wozu wäre dann ein sich selbst frei bestimmendes Vorleben gut gewesen? Wäre da ein Mensch wohl besser daran denn ein kriechender Wurm im Staube?!
08] Das Vorleben ist doch zumeist mit allerlei Drangsalen gesegnet. Der Mensch, und sei er ein Königssohn, muß von seiner Geburt bis zum Grabe hin so manche sehr schwere Probe mitmachen. Er hat sich oft tausend Pläne gemacht, die er alle auf das gelungenste ausführen wollte; aber es traten bald unvorhergesehene Hindernisse entgegen, und aus allen den schönen Plänen wurde nichts. An ihre Stelle traten allerlei Plackereien, Krankheiten, Verdrießlichkeiten, - kurz, auf einen Anmutstag kommen gewöhnlich fünf Tage, von denen keiner etwas besonders Erfreuliches aufzuweisen hat, und in einem Lebensjahre hat ein Mensch sicher dreißig ganz vollendet schlechte Tage gehabt!«


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