Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 111

Von der Mosaischen Speiseordnung.

01] Sagt dazu Cyrenius: »Hat mich selbst gewundert, daß Deine Jünger das nicht verstehen sollen, was doch ich und sicher alle andern recht gut verstanden haben! Aber nun, da Du, o Herr, schon einmal in der Verfassung bist, Dinge, die noch nie jemand vor Dir erklärt hat, klarzumachen, so möchte ich denn von Dir nun vernehmen, was es denn bei den Juden mit dem Verbote des Genusses unreiner Speisen und mit dem Berühren gewisser als unrein bezeichneter Dinge für eine Bewandtnis hat! Wir Heiden genossen alles und wurden doch nach unserer Lehre nicht unrein! Die alten Ägypter aßen auch alles, was nur die Zeit und Erfahrung als genießbar darstellte, und ich weiß nichts von einer Verunreinigung, - im Gegenteile weiß ich aus der Geschichte, daß Ägypten sehr reine und wahrhaft große Geister auf seinem Boden getragen hat; auch bei uns Römern gab es deren zu allen Zeiten. Warum mußten gerade die Juden allerlei entbehren?«
02] Sage Ich: »Weil ihr Geschlecht, als von Adam her erhalten, von oben her war und zur gegenwärtigen Zeit zum größten Teile noch ist und bestimmt dazu, daß Ich in seiner Mitte in die Welt und in diese Materie kommen konnte zum Heile aller Kreatur. Du hast doch vernommen, wie durch Mich nun die gesamte Materie gesegnet und geheiligt wurde, dieweil auch Ich Selbst die Materie angezogen habe?! Du bejahest solches in deinem Gemüte! Siehe, vor Meiner Darniederkunft auf diese Erde lag, wie du nun weißt, mehr oder weniger der Fluch auf derselben, - nicht als hätte Gott sie verflucht, sondern weil sie in sich durch Eigenliebe, Selbstsucht, Hochmut und Herrschsucht als ein zusammengeklumptes Geistiges zum Selbstfluche geworden ist!
03] Es gab und gibt in der Materie aber dennoch verschiedene Grade und Abstufungen zwischen sehr viel, mehr, weniger und nahe gar keiner Härte. Je härter aber irgendeine Materie ist, desto wilder und in sich unreiner ist sie auch, weil ihr in sie zusammengeklumptes Geistiges im gleichen Verhältnisse aus desto mehr des bekannten Unkrautes besteht.
04] Die Tiere, die sich gleich anfangs der Bevölkerung dieser Erde zu den Menschen gesellt haben - als das Rind, das Schaf, die Ziege, und unter den Vögeln die Henne und die Taube -, sind sicher von reinerer Natur und sind sanfteren Charakters, und ihr Fleisch ist dem Menschen, der von oben her kam, sicher wegen der reineren Erhaltung der Seele am zuträglichsten gewesen; nur mußten selbst diese Tiere ganz vollkommen gesund sein und durften auch nicht in der Brunstzeit geschlachtet werden, weil in solch einer Zeit das sonst reine Tier unreiner ist.
05] Es gesellten sich aber nachderhand auch noch andere Tiere - als das Pferd, der Esel, das Kamel, das Schwein, der Hund und die Katze - zum Menschen, doch schon anfänglich nur mehr zu den Kindern dieser Welt, während mit Ausnahme des Esels allein, und nachderhand auch des Kamels, die vorbenannten Tiere mit den Juden in einer sehr geringen Freundschaft standen und noch gegenwärtig stehen.
06] Noch hat ein echter Jude eine eigene Furcht vor einem Pferde, vor einem Hunde, ist kein Freund einer Katze und traut dem Kamele eben auch nicht zuviel. Das zahme Wassergevögel ist ihm zuwider, und die Trut- und Hühner kann er schon gleich um die ganze Welt nicht leiden, und es wird noch lange dauern, bis er dieser Tiere Freund sein wird. Das ekelt den echten Juden ganz gewaltig an, während es den Griechen, wie auch euch Römern, schon lange einen angenehmen und sehr beliebten Braten gegeben hat.
07] Von nun an stehen die Sachen freilich ganz anders und werden noch viel anders stehen, so Ich einmal nach Hause gegangen sein werde! Zum Zeichen alles dessen werde Ich nach Meiner Heimkehr im großen Garten des Bruders Kornelius einem Meiner Jünger, der noch ein Erzjude vom alten Schrot und Korn ist, zeigen, was für Speisen in der Folge ohne alles Bedenken gegessen werden können. (Apostelgeschichte.10,09-16)
08] Nun habe Ich dir den Grund auch von dieser Mosaischen Eßsatzung für die Juden gezeigt, und du und ihr alle müsset solchen nun wohl einsehen! Darum ist es nun Zeit, zu dem überzugehen, dessentwegen wir uns eigentlich und hauptsächlich auf diesen Berg gemacht haben!«


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