Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 74

Das Wesen Gottes und Seine Menschwerdung.

01] Sagt Zorel: »Der sagt: "Zorel kann alles, so er als der echte Zorel es will!"; und der will es nun, und so wird ihm sicher auch geholfen werden! Könnte ich aber wenigstens nur etliche Wochen bei dir sein, so ginge die Sache offenbar leichter und schneller!«
02] Sagt Johannes: »So du nur den vollkommen ernsten Willen, ein besserer Mensch zu werden, gefaßt hast, so wirst du schon unter Männern verbleiben, die ebenso stark sind wie wir in der unmittelbarsten Nähe des großen und lebendigen Lichtes aus Gott!«
03] Sagt Zorel: »Was und wer ist denn so ganz eigentlich euer Gott, den ihr Juden den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs nennet?«
04] Sagt Johannes: »Diese Frage wirst du, so du in dir in deinem Lichte eins geworden sein wirst, klarst beantwortet finden, so wie wir sie gefunden haben; wollten wir dir aber nun solches näher zu erklären suchen, so würdest du uns nicht verstehen dein Leben lang. Das aber kannst du wohl zum voraus wissen, welchen Begriff sich ein wahrer Mensch von Gott machen soll, und so höre denn!
05] Der allein wahre und einige Gott ist in Sich ein ewiger, purster Geist aus Sich Selbst, ausgerüstet mit dem höchsten Grade des Selbstbewußtseins, mit der tiefsten und lichtvollsten Weisheit und mit jenem festesten Willen, dem kein Ding unmöglich ist.
06] Gott ist das Wort in Sich, und das Wort selbst ist Gott. Dies ewige Wort aber hat nun Fleisch angenommen, kam in die Welt zu den Seinen, und diese erkennen nicht das Licht, das dadurch in die Welt gekommen ist. Darum wird dieses Licht den Kindern genommen und den Heiden (Abergläubern) überantwortet werden. Denn die Heiden suchen nun die Wahrheit, des Lichtes Kinder aber fliehen sie, wie die großen Verbrecher das Gericht. Darum also wird es den Kindern genommen werden und gegeben den Heiden, wie solches soeben der Fall ist und geschieht.
07] Denn zu Jerusalem wohnen des Lichtes Urstammkinder, ächten die Wahrheit aus Gott und hängen sich stets mehr und mehr an die Nacht, an die Lüge und an ihre losen Werke. Aber die Heiden durchwandern die Welt und suchen die Wahrheit, und so sie sie gefunden haben, da haben sie eine große Freude und loben und preisen den Geber des Lichtes über alle die Maßen wahrhaft im Herzen und in der Tat.
08] Hier sieh dich um, und du ersiehst eine bedeutende Volksmenge! Die größte Anzahl sind Heiden, die das Licht aus den Himmeln gesucht haben. Sie haben es gefunden und freuen sich dessen; aber Jerusalem, die Stadt des Herrn, sandte nur Schergen und Häscher aus, daß sie das Licht erdrücken sollten! Doch die ausgesandt wurden, waren klüger als die, welche sie ausgesandt hatten; sie kamen aus ihrer großen Finsternis ans Licht, hatten eine rechte Freude am selben und blieben im selben. Sie haben das Licht zwar gefangengenommen, aber nicht für die Kerker Jerusalems, sondern für sich, für ihre Herzen, und sind nun unsere Brüder im Lichte aus Gott, und freuen sich desselben und Dessen, von dem das große Licht ausgeht.
09] Du kamst als ein Heide hierher, zwar nicht, damit du ein Licht fändest für deine Lebensnacht, sondern Gold und Silber. Aber wer da kommt aus den Kerkern in das Licht der Sonne, der wird es nicht leichtlich verhüten können, daß er erleuchtet wird. Und also ergeht es dir hier. Suchtest du auch eben nicht das Licht, so wirst du nun aber dennoch erleuchtet, da du an die Sonne kamst, das heißt nicht an das Licht der Natursonne, die jetzt soeben den Horizont des Unterganges berührt, sondern an das Licht der Geistessonne, das erleuchtet mit aller Weisheit die Unendlichkeit, auf daß alle Wesen, die der Gedanken fähig sind, aus diesem Lichte denken und wollen können, so wie auf dieser Erde also auch auf zahllosen anderen Welten, mit denen aus Gott der endlose Raum erfüllt ist.
10] Lasse dich demnach durchleuchten von diesem Lichte, das du nun ein wenig zu merken anfängst, daß es durchleuchtet deine Eingeweide, und du wirst durch ein kleinstes Fünklein dieses Lichtes schon glücklicher werden, als so du dich in den Besitz aller Schätze der Erde versetzen könntest. Suche du nun selbst das wahre Reich der Wahrheit, und es wird dir alles andere als eine freie Zugabe werden, und du wirst an nichts irgendeinen Mangel haben!« (mt.06.033}


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