Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 50

Die gereinigte Seele wird bekleidet.

01] Hier erfolgt eine Redepause des Zorel, und Zinka fragt: »Wie sieht er denn das alles, und wie geht er nun durch ein Wasser, und doch liegt er so unbeweglich da, als wäre er tot?!«
02] Sage Ich: »Seine Seele sieht nun nur ihre zum Bessern führenden Zustände; aus diesen formt sich im Gemüte der Seele eine eigene Welt, und das, was du hier eine Gedankenbewegung nennst, das erscheint im Seelenreich als eine Bewegung von einem Orte zum andern.
03] Der Teich, der aus seinen Tränen entstand, und dessen Wasser seine Seele heilte, stellt seine Reue über die begangenen Sünden vor, und das Bad darin bezeichnet eine rechte Buße, die aus der Reue entspringt. Das reine Wasser bezeichnet das gerechte Erkennen seiner Sünden und Gebrechen; und so der Teich zu einem See wird, so drückt dies das mächtigere Wollen aus, aus sich selbst gereinigt und geheilt zu werden. Das schöne Gras unter dem Wasser bezeichnet die Hoffnung auf die Erreichung der vollen Gesundheit und der höheren freien Gnade Gottes. Diese stellt sich bereits am noch etwas fernen Ufer erscheinlich auf; Ich Selbst bin das im Geiste und im Willen. Die Bewegung zu Mir hin durch das Gewässer der wahren Reue und Buße aber bezeichnet in sich den Fortschritt der Seele zur wahren Besserung.
04] Das alles aber ist für seine Seele nur eine entsprechende Erscheinlichkeit, aus der die Seele ersieht, wie sie beschaffen ist und was zu ihrer Besserung sie in ihrem Gemüte vornimmt und tut, freilich in diesem Zustande nur allein im Willen, ohne eine äußere, wirkliche Tätigkeit. Diese muß erst erfolgen, so er sich im wachen Zustande im vollen Verbande mit seinem Leibe befinden wird.
05] Nun wird er bald bei Mir sein und sogleich wieder zu reden beginnen. Gebet nur recht acht; alles, was er nun aussagt, hat Entsprechung mit seinem innern Seelenzustande! Es wird noch manches Verworrene zum Vorscheine kommen, bis er ins dritte Stadium, das ist in die zeitweilige Verbindung mit seinem reinen Lebenskeime treten wird.
06] Im dritten Stadium werdet ihr euch dann schon überzeugen, wie zusammenhängend und wie weise er da reden wird! Jetzt spricht nur seine für diesen Augenblick geläuterte Seele; im dritten Stadium aber wird sein Geist aus ihm sprechen! Und da werdet ihr gar keine Lücken mehr in ihm entdecken; da wird er eine Rede führen, bei der es euch allen warm ums Herz wird!
07] Nun kommt er schon uns Ufer und sagt: "Ah, war aber das doch eine recht mühevolle Reise! Da bin ich nun bei dir, du edler Freund! Hast du kein Hemd bei dir? Sieh, ich schäme mich meiner Nacktheit ganz entsetzlich!"
08] Sage Ich aus Meinem ihm nun sichtbaren Geiste und Willen: "Steige heraus aus dem Wasser; nach deinen Werken wirst du bekleidet werden!"
09] Sagt Zorels Seele: "Freund, o rede nicht von meinen Werken; denn diese sind eitel schlecht und böse! Wenn ich danach ein Kleid bekomme, so wird es ganz entsetzlich schwarz und zerlumpt aussehen!"
10] Sage Ich: "Wenn das, so ist ja hier des Wassers genug, um es weiß zu waschen!"
11] Sagt Zorel: "O Freund, das hieße einen Mohren weiß waschen wollen! Das wird nicht gut gehen! Aber ein Kleid ist immer besser denn gar keines. Ich steige sonach aus dem Wasser!"
12] Zu Meinen Füßen liegt eine Toga mit vielen Falten, aber sehr beschmutzt, obschon die Grundfarbe weißgrau ist, eine Eigentümlichkeit der Heidenkleidungenfarbe im Geisterreiche. Er nimmt das Kleid und findet einen Ekel an dem Schmutze, was da ein gutes Zeichen ist. Aber er nimmt es dennoch, eilt aber damit schnell ins Wasser und fängt an, es zu rippeln und zu schwemmen und endlich auszubalgen.
13] Nun ist er fertig, und das Kleid ist rein. Da es aber noch feucht ist, getraut er sich nicht, es so recht mutig anzuziehen. Ich aber bedeute ihm, daß er es dennoch anziehen soll; er habe doch ehedem das Wasser nicht gescheut, wie solle er nun vor dem noch ein wenig feuchten Kleide eine Art Abscheu haben?! Nun sagt er - höret nur, denn solches wird er laut reden! -:«
14] Zorel: »Ist aber auch wahr! Früher hat mir der ganze See nichts gemacht, und nun sollte das feuchte Hemd mir etwas machen? Nur über den Leib damit! Ah, wie das wohl tut!«


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