Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 40

Der Somnambulismus und seine Anwendung.

01] Tritt näher zu Mir Kornelius und sagt fragend: »Herr, Du hast nun im Verlaufe Deiner übergöttlichen Rede und Lehre davon eine Andeutung gemacht, wie ein geistig vollendeter Mensch einem andern die Hände auflegen könnte, und dieser andere würde darauf alsbald in einen Verzückungsschlaf geraten und mit gesunder Seele weise Reden von sich geben, - und wäre er sonst ein noch so blinder und vollends dummer Mensch! Wenn ich doch nur den Vorgang einer solchen Behandlung sehen könnte, so wüßte ich dann, wie solch ein heilsamer Versuch an jemand vorzunehmen ist, so es irgend nötig wäre. Wenn man aber in der Behandlungsweise ein Laie ist, da kann man selbst bei bestem Willen nichts unternehmen und somit auch nichts zustande bringen. - Möchtest Du mir darüber etwas Näheres anvertrauen?«
02] Sage Ich: »O ja, recht gerne, weil dieser Akt zur Herstellung der verlorenen leiblichen und auch seelischen Gesundheit ein unbedingt notwendiger ist! Denn einmal lindert schon das pure Auflegen der Hände selbst den heftigsten Leibesschmerz, und dazu ergibt sich zumeist als Folge, daß der Mensch, dem du die Hände festgläubig aufgelegt hast mit dem starken Willen, ihm zu helfen, hellsehend wird und sich dann selbst eine taugliche Arznei bestimmen kann, die, nach seiner Vorschrift angewendet, ihm die volle Heilung bringen muß. Natürlich, wenn irgend, wider seine Vorschrift, sich widrige Fälle ereignet haben, da wird es mit der vollkommenen Heilung nicht gut gehen; ist aber die Vorschrift in ungestörter Behandlung geblieben, so erfolgt die volle Heilung ganz sicher.
03] Wenn aber bei dieser Heilbehandlung irgendeine menschliche Person in den weissagenden Schlaf gekommen ist, da soll sie nicht durch allerlei unnütze Fragen gestört und geschwächt werden, sondern nur um das gefragt werden, was da notwendig ist.
04] Wer aber jemand die Hände auflegt, der muß das in Meinen Namen tun, ansonst seine Behandlung keinen Nutzen brächte und nichts bewirkte.
05] Es gehört ein fester, unerschütterlicher Glaube und ein ebenso unerschütterlicher, fester Wille dazu.
06] Aus des Herzens tiefstem Grunde muß solch eine Bestrebung rühren und muß aus der wahren Nächstenliebe ausgehen, dann erfüllt solche Kraft der Liebe die Hände des Handauflegers, und sie dringt dann durch dessen Fingerspitzen und fließt wie ein sanfter Tau in die Nerven des Kranken und heilt den oft stechenden und oft brennenden Schmerz.
07] Das aber ist wohl zu merken, daß mehr dazu gehört, einen Mann in den Verzückungsschlaf zu versetzen denn ein Weib! In gewissen Fällen könnte auch ein Mann von einem Weibe in den Verzückungsschlaf versetzt werden; dem frommen Weibe aber gelänge solche Behandlung nur mit Hilfe eines ihm zur Seite stehenden, unsichtbaren Engels, den es sich dienstbar machte durchs Gebet und des Herzens Reinigkeit.
08] Solche frommen Weiber würden besonders den oft schwer und mit großen Schmerzen Gebärenden eine große Linderung verschaffen. Dies wäre besser, als daß gewöhnlich die Wehemütter nach Bethlehem reisen und dort die Kunst erlernen, wie einer Gebärenden beizustehen ist, wobei ein ganzer Haufe von allerlei abergläubischen Mitteln, die stets mehr schaden als nützen, in die dümmste Anwendung gebracht wird.
09] Welche höchst dummen und lächerlichen Zeremonien werden oft besonders bei den Erstgeburten vorgenommen! Wird ein Mägdlein zuerst geboren, dann müssen allerlei dumme Klagelieder angestimmt und es muß drei Tage lang jämmerlich geseufzt und geplärrt werden. Wird ein Knäblein geboren, so müssen Kälber und Lämmer geschlachtet und Semmeln gebacken werden und müssen alle Sänger, Pfeifer und Geiger zusammenkommen und einen ohrenzerreißenden Lärm machen den ganzen Tag hindurch, was der Gebärenden eine Linderung ihrer Geburtswehen verschaffen soll! Also statt solcher Dummheiten wäre die vorerwähnte Geburtshilfe doch sicher sehr am Platze!«
10] Sagt Kornelius: »Na und ob! Aber kommt ein Weib zu solch einer Frömmigkeit?«
11] Sage Ich: »Ganz leicht! Zuerst gehört eine gute Erziehung dazu, und dann ein gründlicher Unterricht einer vollreif gewordenen Jungfrau! Aber der Unterricht darf einer noch so reifen Jungfrau nicht vor der erprobten wahren Frömmigkeit des Herzens erteilt werden.
12] Aber auch Männer können durchs Händeauflegen einer Gebärenden beistehen und ihr eine große Linderung verschaffen!«


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