Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 3, Kapitel 234

Das Wesen der Materie.

01] Sagt Raphael: »Oh, meinst du denn, daß es in der Sonne keine dienstbaren Geister gibt? Ich sage es dir und euch beiden andern: Weder in der Sonne, noch auf dieser Erde geschieht irgend etwas ohne einen dienstbaren Geist; denn alles, was du ansiehst und anrührst, ist im Grunde ja alles Geist. Die gröbste Materie sogar ist Geist, Seele, - aber nur in einem gerichteten Zustande. Beleidigest du die im tiefen Gerichte wie tot ruhenden Geister zu sehr durch Flug, Stoß und Druck, so werden sie dich bald ihre Macht und Stärke fühlen lassen!
02] Seht, die Luft ist gewiß etwas gar sehr Sanftes und weich Zartes; wird sie aber irgend durch einen zu gewaltigen Stoß oder Druck aus ihrem Gleichgewichte gebracht und zu sehr in ihrer Ruhe gestört, so reißt sie die dicksten und kräftigsten Baumstämme aus der Wurzel, macht die Erde erheben, entzündet sich in tausend verheerenden Blitzen und wird zum furchtbarsten Elemente!
03] Wer aber wütet dann so grimmig in und durch die Luft? Die in ihr ruhenden und eigentlich sie ausmachenden Geister und gerichteten Seelen!
04] Schlage du mit zwei Steinen recht heftig aneinander, und es werden sich die in ihnen gebannten Geister bald melden und die ganze Steinmasse, so hart sie auch sein möchte, in die kleinsten Staubteilchen zerstören, bei welcher Gelegenheit es an feurigen Erscheinungen keinen Mangel haben wird!
05] Nimm das Wasser und setze es einem möglichst stärksten Drucke aus! Zuerst wirst du dir dadurch einen Eisklumpen zeihen, der auch ganz solid und noch in aller Ruhe das ihn enthaltende noch so feste Gefäß zerstören wird; könntest du das Eis aber noch einem größeren Druck unterziehen, so wird es sich plötzlich in einen Feuerdampf auflösen und alles, was ihn zu halten sich bemüht, mit dem furchtbarsten Getöse und Gekrache zerstören!
06] Solange die in der Erscheinlichkeit der Materie gebannten Geister und Naturseelen nicht beleidigt werden, ruhen sie freilich wie tot und lassen vieles aus sich machen und formen; werden sie aber einmal irgend zu sehr aus ihrer ordnungsmäßigen Ruhe geweckt, da wehe dem, der sich in ihrer Nähe befindet!
07] Die Anwesenheit der Geister in der Materie aber läßt sich gar leicht erkennen. Wenn sie zu einer außerordentlichen Tätigkeit genötigt werden, so werdet ihr stets nach dem Grade der Stärke und Heftigkeit einer geistigen Tätigkeit ein Leuchten ersehen. Je stärker das Leuchten, desto heftiger ist die Tätigkeit der in irgendeiner Materie tätig gewordenen Geister.
08] Wie tätig demnach die Sonnenluftgeister besonders auf deren Oberfläche sind, das beweist der Sonne heftigstes Licht.
09] Mit welcher Heftigkeit aber dann aus der Sonne bei Gelegenheit ihrer großen Eruptionen (Ausbrüche), bei denen ihrer Materie Geister in die größte Unruhe und Tätigkeit versetzt werden, ein solcher Klumpen hinausgeschleudert wird, könnet ihr euch schon aus der Heftigkeit des Sonnenlichtes einen leisen und ahnungsweisen Begriff machen!
10] Ja, ich versichere es euch: Im Schoße der großen Sonne gibt es nicht selten so mächtige Eruptionen, daß deren Kraftäußerungen mit Klumpen in der Größe dieser Erde ebenso herumspielen würden, wie hier auf dieser Erde der Wind mit der leichten Spreu spielt! Und so wird es euch desto begreiflicher sein, wie und mit welcher schnellsten Leichtigkeit dieser Klumpen aus der Sonne auf diese Erde herabkam!«
11] Sagt Murel: »Wenn aber ungezweifelt also, da ist dieser Klumpen am Ende von einem unschätzbaren Wert, und man sollte ihn zum ewigen Angedenken als etwas Außerordentlichstes in ein Museum bringen!«
12] Sagt Raphael: »Da müßtest du dann schon gleich die ganze Erde in ein Museum stecken; denn die ganze Erde ist ebenfalls von dorther, von woher dieser Klumpen ist!«
13] Sagt Murel: »Wenn so, was ist dann von der Schöpfungsgeschichte Mosis zu halten?«
14] Sagt Raphael: »In dieser Hinsicht wende du dich an den Freund Mathael! Der ist in dieser Beziehung ganz zu Hause; auch Philopold hat darin ganz gewichtige Kenntnisse!«


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