Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 3, Kapitel 230

Die Nichtigkeit aller Missionssorgen.

01] Sagt Murel: »Liebe Freunde, ohne euch irgend nur im geringsten nahetreten zu wollen oder zu sagen, eure Wünsche wären nicht in der göttlichen Ordnung begründet, mache ich nur ganz einfach ohne etwelchen unnötigen Wortprunk diese Bemerkung, daß wir da rein wegen der Wendung eines einzigen Haares uns beraten, während der Herr schon sicher längst für alles fürgesorgt hat!
02] Es werden sicher Verfinsterungen über unsere geistige Sonne mit der Zeit ebensogut kommen, wie da gar oft die finsteren Wolken die liebe Sonne am hellen Tage derart verfinstern, daß man fürs erste nicht einmal eine Spur hat, auf welchem Himmelsflecke des Tages Mutter steht, und es fürs zweite noch obendarauf derart finster wird, daß man sich um Mittag ein Licht anzünden muß, um etwas sehen zu können. Aber die Wolken gebären darauf einen fruchtbaren Regen, und am nächsten sonnenhellen Tage lachen und strotzen die duftenden Fluren vom Segen des Himmels.
03] Und so glaube ich denn auch, daß des Herrn höchste Liebe und Weisheit über unsere geistige Erde auch zu öfteren Malen mitten am hellsten Mittage der menschlichen Erkenntnis und Weisheit trübe und finstere Wolken über das heilige Antlitz der Sonne unseres Geistes kommen lassen wird, um die Menschen desto lichtdurstiger zu machen. Im Verluste des Lichtes erkennen wir erst, wie groß und unschätzbar der Wert des wahren Lebenslichtes ist.
04] Die Menschen fangen dann bald ängstlich an zu fragen: 'Wo ist das Licht des Lebens?' Sie seufzen und weinen, und die Tränen, als der Regen aus den geistigen Wolken, fallen auf des beklommenen Herzens Furchen und beleben von neuem die hie und da verkümmert gewordenen Wurzeln des heiligen Wortes in der Seele, und wir leben dann mit den Wurzeln neu auf, und mit der neu gestärkten Sehe erschauen wir dann bald und leicht wieder die Lebenssonne in unserm neu erleuchteten Herzen und freuen uns dann über alle Maßen des neuen Lichtes, dessen wir in allerlei Zank und Hader eine Zeitlang entbehren mußten.
05] Ich sage es euch: Der Herr weiß es ganz sicher, was da noch alles kommen wird über unsern naturmäßigen und geistigen Erdkreis, und warum!
06] Darum scheint mir wenigstens unser Rathalten ein rein vergebliches zu sein. Wir werden von Ihm, so Er uns für Seine Zwecke als tauglich erachtet, sicher Wort und Tatkraft erhalten; aber vorzeichnen können wir Ihm doch nach unserer blöden Einsicht nimmer, was Er uns vor allem geben und was Er verfügen soll!
07] Denn wüßten wir nicht, wer Er ist, dann könnten wir mit Ihm wohl wie mit einem Menschen unserer Art handeln; aber da wir alle nun nur zu gut wissen, wer Er ist, so geht das wohl nicht mehr! Denn dadurch würden wir bekunden, daß wir entweder noch sehr blöde sind, oder wir dünkten uns nun am Ende schon für weiser denn Er! - Überdenket das wohl und saget es mir, ob ich im Grunde des Grundes nicht auch recht geurteilt habe!«
08] Sagt Mathael: »Das ist gar keine Frage mehr, daß du allein vollkommen recht hast! Meine Meinung ging aber eigentlich auch nur daraufhinaus, daß ich von mir aus erkannte, was da allenfalls nötig wäre, um der Menschheit für bleibend zum Lichte des Lebens zu verhelfen. Aber ich erkannte auch sogleich, daß ihr beide, und gar besonders der Freund Murel, um vieles heller geurteilt habt denn ich. Übrigens meine ich, daß es uns allen dreien am guten Willen nicht fehlt, und der Herr Selbst wird das Beste tun! - Aber nun, Freunde, von etwas anderem!«


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