Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 3, Kapitel 188

Das Gericht über die Gegend von Cäsarea Philippi.

01] Sage Ich: »Weißt du, Mein lieber Markus, ein jeder redet, wie er irgendeine Sache versteht, und du redest nun auch also, wie du die Sache verstehst! Ich sage es dir: Der Herr fegt selten; aber wenn Er fegt, dann fegt Er rein!
02] Kennst du diese weite Umgegend? Ja, du kennst sie und weißt, daß sie als eine der fruchtbarsten nur von den übermütigst reichen Griechen besessen wird; die armen Juden aber müssen gegen einen wahren Spottlohn im Schweiße ihres Angesichtes für die reichen Griechenhände arbeiten und alle Früchte in die Scheuern der Griechen bringen. Diese treiben dann damit einen sehr viel Goldes und Silbers eintragenden Handel in alle Weltgegenden, und unsere Juden müssen dann im Winter betteln und Fische fangen gehen, wenn sie leben wollen!
03] Sieh, das können die Juden immer tun, und der See wird gleichfort fischreich verbleiben!
04] Hat denn ein Jude von so einem Griechen je auch nur ein Stück Brotes erhalten, wenn es ihn hungerte? O nein, er mußte darum über den See fahren und sich jenseits bei seinen Glaubensgenossen das Brot erbetteln! Da steht Mein Kisjonah und da Mein Ebahl! Frage sie, und sie werden es dir sagen, wie viele Tausende von armen Juden aus diesen Gegenden sich nur allein bei ihnen das Winterbrot abgeholt haben!
05] Ich habe diesem frevelhaftesten Unfuge lange übergeduldig zugesehen; aber nun ist das Maß voll geworden, und Ich will diese unbarmherzigen und aller Treue baren Wucherhunde nun züchtigen, daß ihnen das Hören und Sehen vergehen soll für immerdar!
06] Siehe deinen Garten und deine kleinen Äcker: es tut da weder das Wasser noch der Hagel irgendeinen Schaden; aber besieh dir hernach die andere Gegend, und du wirst da eine derartige Verwüstung finden, wie dir nicht leichtlich irgendwo eine ähnliche vorgekommen ist!
07] Mit dieser Geißel werden die griechischen Wucherhunde aus diesem Lande vertrieben werden. Denn auf den nackten Steinen werden sie keinen Weizen, kein Korn, keine Gerste, keinen Mais, keine Linsen und keine Bohnen mehr ernten; daher werden sie den wüsten Boden verlassen und sich nach Europa ziehen.
08] Aus eben diesem Grunde ließ Ich hauptsächlich zu, daß nahe die ganze Stadt in einen Aschen- und Schutthaufen verwandelt wurde; denn wo der Mensch keine Wohnung und keinen Anbaugrund mehr hat, da verläßt er bald die leere und wüste Stätte und zieht weiter.
09] Für die armen Juden aber wird schon noch am Meere herum Anbaugrundes zur Genüge bleiben, und die Stadt wird für die wahren Juden schon wieder erbaut werden, - aber in einem reineren und besseren Stil, als das bis jetzt der Fall war! Es ist dies zwar noch eine sehr junge Stadt, und sie zählt kaum siebzig Jahre eben als Stadt, da zuvor nur ein ganz unbedeutender Flecken an ihrer Stelle stand; aber von nun an wird es keine Stadt mehr genannt werden, sondern nur ein Fischerdorf soll es sein und bleiben. Die Pracht der Griechen muß verschwinden; aber der Himmel Herrlichkeit soll dafür hier offenbar werden, wie solches nun soeben geschieht und vor sich geht. - Bist du, alter Markus, nun einverstanden mit Meiner Haushaltung?«
10] Sagt Markus: »Ja, wenn also, oh, da laß Du, o Herr, noch zehnmal ärger dreinschlagen! Das ist aber auch die reinste Wahrheit! Es war mit diesen reichen Griechen aber auch im Ernste kein Wort mehr zu reden, und von einer Nächstenliebe war schon gar lange keine Rede mehr. Was man von ihnen haben wollte, mußte mit Silber oder Gold reichlichst bezahlt werden; kauften sie aber von unsereinem etwas, so mußte man stets andere Tauschartikel dafür nehmen. Oh, darum ist das nun sehr gut, und ich habe eine große Freude an diesem heftigen Sturme! Oh, jetzt kann er schon noch wenigstens um zehnmal heftiger werden!«
11] Sage Ich: »Laß du nur alles gut sein, es wird schon das vollrechte Maß getroffen werden!«
12] Sagt Cyrenius: »Du meinst demnach, daß diese Gegend ganz wüste bleiben wird?«
13] Sage Ich: »Das gerade nicht; aber die reichen Griechen müssen fort aus dieser Gegend: Ich sage es dir, daß dieser Sturm wenigstens tausend der wohlhabendsten Familien aus dieser Gegend weithin treiben wird; denn Ich habe ihn schon lange vorgesehen! Sie werden aber darum doch noch Roms Untertanen verbleiben.«
14] Sagt Cyrenius: »Ist es denn für eine Gegend oder für ein ganzes Land nicht gut, so es sehr wohlhabende Einwohner hat?«
15] Sage Ich: »O ja, wenn sie also sind wie Meine Freunde Kisjonah und Ebahl; denn dann sind sie wahre Landesväter für alle armen Bewohner des Landes, und ein jedes Land kann sich glücklich preisen, recht viele solcher Landesväter zu besitzen.
16] Aber diese reichen Griechen sind ja wahre Blutsauger des Landes und meinen, die armen Juden müßten schon sehr froh sein, daß sie zum Lohne für ihre schweren Arbeiten mit den Schweinen der Griechen Mahlzeit halten dürfen! Das sind bei Mir keine Menschen mehr, sondern pure Teufel voll Härte, und mit diesen habe Ich kein Mitleid und keine Erbarmung über ihr elendes, hochmütiges Fleisch! Sie sollen nun nach dem Sturme, der in einer Stunde ausgerast haben wird, nur ihr vieles Gold und Silber auf die nackten Steine legen und den Weizen darübersäen, und wir werden sehen, ob da nur ein Halm aufschießen wird!
17] Und sieh, so habe Ich nun hier mit einem Hieb eine Menge böser Fliegen niedergemacht; die lügenhaften Priester mußten das Weite suchen, und nun werden auch die wucherischen Griechen dasselbe tun! Ihre Paläste liegen im Schutte, und ihre großen Äcker, Gärten und Wiesen sind völlig weggeschwemmt. Wenn sie nach dem Sturme ihre Gründe besehen und sich überzeugen werden, daß eine jede künftige Bearbeitung eine rein vergebliche Mühe wäre, so werden sie aufzupacken anfangen und sich zumeist nach Europa begeben; dann aber habe ich schon noch Mittel zur Genüge, diese Gegend in aller Kürze wieder so blühend als möglich zu machen.«
18] Nun wird aber auch der Sturm rückgängig, und obschon der Hagel aufgehört hat, so fällt aber nun der Regen in solcher Dichte aus den Wolken, daß das Wasser auf dem Flachboden sich gleich halbmannshoch sammelt und dann mit dem furchtbarsten Getöse abfließt, so daß sogar das Meer den gewaltigen Zufluß wahrzunehmen beginnt, was doch sicher keine Kleinigkeit ist. Häuser, Hütten, Bäume und tausenderlei andere Dinge strömen dem Meere zu. Auch eine Menge Vieh, als Hühner, Vögel aller Art, die der Hagel erschlagen hat, Schweine in einer Unzahl, Esel, Kühe, Ochsen, Schafe, Ziegen und Hasen, Rehe und Hirsche bekommt das Meer zum Verspeisen, und die übergroße Menge von Fischen, die dieses Binnenmeer in sich birgt, wird sich daran sehr erquicken, davon sehr fruchtbar werden und sich sehr vermehren; und das wird ein guter Ersatz für die armen Juden sein, die hier ohnehin nichts verlieren konnten, weil sie wenig oder nichts besaßen. Die wenigen Wohlhabenden aber waren in ihrem Gemüte schon ziemlich griechisch hart und gefühllos geworden, und es schadet ihrer Seele durchaus nicht, sich nun auch mit den andern aufs Fischen und Betteln zu verlegen.
19] Als es nun gar so gewaltig zu regnen begann, da erhoben sich alle, die früher unter den Tischen den Schutz gesucht hatten, begaben sich ganz durchnäßt zu Mir hin und konnten sich nicht genug verwundern, als sie Mich und alle, die bei Mir im Freien verblieben, ganz staubtrocken ersahen, sowie auch die etwas erhabenen Plätze so trocken fanden, daß da nicht einmal auf einem Grashalme ein Wassertropfen hing.
20] Hebram fragte Mich, nachdem er sich bis zu Mir vorgeschoben hatte: »Herr, wie ist das möglich, daß bei diesem unerhörten Gusse dieser Platz - und ihr alle trocken geblieben seid, während wir doch so durchnäßt worden sind, als wären wir ins Meer gefallen, und es friert uns nun wie im Winter; aber hier auf diesem Platze ist es ebenso angenehm warm, als wie es heute morgen war?! Herr, wie geht denn das zu?«
21] Sage Ich: »Das geht gerade so zu, wie es eigentlich zugeht! Ich kann dir auf deine Frage wahrlich keine andere Antwort geben! Denn du solltest doch nun schon bei dem vielen, was du gehört und gesehen hast, wissen und sogar lebendig wahrnehmen, wer und was hier ist! Und so du das begriffest in deiner Seele, wie könntest du dann solch eine Frage an Mich stellen?!
22] Der Morgen ließ sich bei euch recht gut an; aber der Abend scheint bei euch auch wieder ein Seelenabend zu werden! O du furchtbar blinde Menschheit! Du wirst zwar auf Momente leicht erleuchtet; aber das Licht, weil nicht auf eigenem Grund und Boden erzeugt, bleibt nicht, und in wenig Augenblicken tritt die Nacht wieder an die Stelle des Seelenmorgens!«
23] Sagt Hebram: »Herr, was ist es denn, was wolltest Du mir und meinen neunundzwanzig Brüdern dadurch sagen?«
24] Sage Ich: »Nichts, als daß du und deine Brüder lauter blinde Fische in einem trüben Wasser seid! Saget Mir, was euch bei Meiner vollsten Gegenwart unter die Tische und Bänke getrieben hat!«
25] Antworten die Durchnäßten: »Herr, eine ganz natürliche, von unserer Kindheit uns noch zurückgebliebene Furcht und Scheu vor solchen ungeheuren Gewittern!
26] In unserer blinden Angst dachten wir nicht daran, wo und bei wem wir waren; nun sehen wir unsere Torheit wohl ein, und sehen auch ein, wie blind wir allesamt waren, und wie sehr weit gefehlt haben vor Deinem heiligsten Angesichte. Wir können nun nichts anderes tun, als Dich, o Herr, mit aller wahrsten und lebendigsten Zerknirschung unseres Herzens um Vergebung bitten! Herr, vergib uns unsere große Torheit!«
27] Sage Ich: »Ich habe euch schon lange alles vergeben und der Torheit wegen noch für niemand irgendein Schuldbuch eröffnet; denn ein jeder Tor hat es sich selbst zuzuschreiben, so er zu einem Schaden kommt. Aber ein anderes Mal, da ihr Mich nicht wie jetzt bei euch haben werdet, gedenket im rechten, lebendigen Glauben Meines Namens, und er wird euch besser schützen als irgendein schwaches und zerbrechliches Brett!«
28] Mit dieser Zurechtweisung begnügen sich die dreißig und bitten, auf dem trockenen Platze bleiben zu dürfen.
29] Sage Ich: »Nun, das versteht sich ja doch wohl von selbst! Bleibet! und trocknet euch; denn der Regen wird noch eine gute halbe Stunde anhalten!«
30] Darüber werden die dreißig sehr froh und bleiben und trocknen sich und haben eine große Freude, daß sie unter dem stärksten Wolkenbruchregen in Kürze ganz staubtrocken werden.


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