Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 3, Kapitel 90

Entstehung und Erklärung der Götternamen der Griechen.

01] (Mathael:) »Damit du aber erfahrest, woher deine Götter stammen, und wie sie an und für sich gar nichts sind, so sage ich es dir im Namen des Herrn, der hier unter uns weilet, daß sie nun nichts als leere für euch gar nichts sagende Namen sind; früher aber waren sie bezeichnende Ausdrücke von den Eigenschaften des einen, allein wahren Gottes, dessen Geist nun in aller Fülle in diesem nun vor euch stehenden Meister waltet.
02] 'Ceus< ist jene Bezeichnung, welche zu den Zeiten der Urpatriarchen stets vor einem gegebenen Gesetze stand, das immer von dem in die Gemüter der Väter einfließenden Geiste Gottes herführte und soviel besagte als: 'Der Vater will es!' Denn durch Ce, auch Ze, war der Begriff des festen, unwandelbaren Willens, und durch us, besser uoz oder uoza, der Begriff des stets schaffenden und alles regierenden Vaters im Himmel dargestellt.
03] Ebenso war der Begriff >Jupiter<, besser Je u pitar, das, wodurch die alten Väter den Kindern ein entsprechendes Gefäß zur Aufnahme der Liebe und Weisheit aus Gott darstellten; denn Je u pitar heißt dann soviel als: Das u, welches Zeichen die Linie der Außenseite eines offenen Herzens darstellte, ist das wahre Lebenstrinkgefäß; denn pit heißt trinken, pitaz ist ein Trinker, und pitar, auch pitara, ein heiliges Trinkgefäß, und pitza, auch piutza, ein gemeines Trinkgeschirr.
04] Wie aber also euer Ceuz oder Jeupitar nichts anderes für euch ist als ein leerer Name, weil euch die Kenntnis der Bedeutung dieser Urbezeichnungsbegriffe fremd geworden ist, ebenso und oft eigentlich noch nichtssagender und somit noch mehr nichtsseiender sind die leeren Namen aller eurer andern Götter und Göttinnen.
05] Zum Beispiel eure Venuz oder Avrodite (Venus oder Aphrodite), die bei euch eine Göttin der weiblichen Schönheit ist, besagte nach den sehr bezeichnenden Begriffen der alten Väter wohl eine sehr schöne Weibsperson, aber eben nicht zu ihrem geistigen Vorteile; denn auch die Alten hat schon die Erfahrung gelehrt, daß ein sehr schönes Weib mit seltener Ausnahme gewöhnlich dumm ist und keinen Reichtum an Wissenschaft in sich birgt, weil es eitel ist und stets mit der Bewunderung der eigenen Schönheit sich beschäftigt und darum wenig Zeit findet, sich andere nützliche Kenntnisse zu erwerben. Darum nannten die Altväter eine solche weibliche Schönheit eine wahre Ve nuz, auch Ve niz, was soviel besagt als: 'Die weiß nichts!' oder: 'Sie kennt nichts!'
06] Eben nahe dasselbe besagte denn auch der Ausdruck A v rodite. Stand irgend O V rodite, so bezeichnete das soviel als: die reine, göttliche Weisheit gebären, und Slou rodit: die menschliche Weisheit gebären; v rodit aber heißt: die irdische Dummheit gebären, und Avrodite bezeichnete dann soviel als irgendein schönes geputztes Weib, das stets eine Gebärerin der Dummheit ist, weil es zumeist selbst dumm ist.
07] Unter V stellten die Alten stets das Zeichen eines Aufnahmegefäßes dar. Stand nun ein heiliges O vor dem V, welches O als Nachbildung des Sonnenrundes und entsprechend denn auch Gott in Seinem Urlichte darstellend bezeichnete, so stand das V zur Aufnahme des Weisheitslichtes nach dem Gott bezeichnenden O; stand aber ein A, durch das die Alten alles rein und eitel Irdische bezeichneten, vor dem V, so stellte dies Gefäßzeichen die Aufnahme der nichtigen, irdischen Dummheit dar. Rodit aber heißt: gebären, und A V rodit nichts anderes als: die Dummheit gebären.
08] Sage, ob dir über das eigentliche Wesen deiner Götter nun nicht anfängt, so ein wenig dämmerig zu werden!«
09] Das Gesicht des Ouran und der Helena fängt nun an, sich sehr aufzuheitern, und es ist nun der Helena nimmer bange um ihre Liebe zu Mir.
10] Ouran aber sagt darauf zum Mathael: »Freund! Deine Weisheit ist groß! Denn was du nun an mir mit wenig Worten ausgerichtet hast, das hätten alle Schulen Ägyptens, Griechenlands und Persiens in hundert Jahren nimmer zustande gebracht! Du hast mir nun mit einem Zuge alle Götter Ägyptens, Griechenlands und Persiens rein hinausgewischt bis auf den einen, unbekannten Gott, den ich aber, wie es mir nun stets klarer wird, hier gefunden habe und hoffentlich noch stets mehr und mehr finden werde. Kurz, du bist mir nun ein Mann, der mit keinem Golde zu bezahlen ist! Fürs erste danke ich dir als Mensch und Freund aus meinem ganzen Herzen - alles andere wird nachfolgen.« - Auch die Helena dankt dem Mathael für solch eine weise Belehrung.


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