Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 3, Kapitel 84

Götter und Menschen.

01] Ich aber sage zum Griechen: »Höre du, Mein Freund! Wohl mögen auch deine vierzehn Diener recht fleißige und geschickte Leute sein; aber da du viele Sachen mit dir hast, so dürfte es deinen vierzehn Leuten doch eine ziemliche Zeit kosten, bis sie alles in eine gute Ordnung brächten.
02] Sieh, dieser anscheinende Jüngling aber ist einer Meiner vielen Diener und richtet in einem Augenblick mehr aus als alle deine vierzehn Diener in vollen hundert Jahren; darum sollen deine Diener für diesmal ruhen, und dieser Mein einziger hier anwesender Diener wird mit all deinen Sachen augenblicklich also in der Ordnung sein, nach deiner altgewohnten Sitte, wie deine vierzehn Diener kaum in drei Tagen!
03] So du willst, will Ich ihn dazu beordern!«
04] Sagt der Grieche: »Freund, wenn so etwas auf der Erde möglich ist, so bitte ich dich darum! Denn meine Diener sind ohnehin schon äußerst reisemüde und dürften darum mit dem Auspacken und Aufrichten der Zelte hübsch lange zu tun haben!«
05] Sage Ich zu Raphael: »Zeige, was einem reinen Geiste in einem schnellsten Augenblick möglich ist!«
06] Hier machte Raphael eine tiefe Verbeugung und sagte: »Herr, Du hast es befohlen, und sieh, es ist bereits schon alles in der besten Ordnung!«
07] Sage darauf Ich zum Griechen: »Nun, Freund, erhebe dich und siehe nach, ob die Arbeit nach deinem Sinne ausgefallen ist!«
08] Hier erhebt sich der Grieche, schlägt dreimal die Hände über dem Haupte zusammen und sagt im höchsten Grade erstaunt: »Ja, um aller Götter willen! Was ist denn das?! Der Junge hat uns ja noch nie verlassen, und meine Zelte sind schon bestens aufgerichtet, und alles scheint schon in der besten Ordnung zu sein! Nein, nein, nein! Da geht es durchaus nicht mit natürlichen Dingen zu! Nun muß ich nur in die Zelte und sehen, wie darin die gute Ordnung beschaffen ist!«
09] Darauf verläßt er das Schiff und begibt sich, von uns und seiner Tochter geleitet, in seine Zelte und findet zu seiner größten Verwunderung im Ernste alles in der besten Ordnung.
10] Nun ist es aber erst recht aus bei ihm. Wie von einer Art Verwunderungsschwindel ergriffen, sagt er (der Grieche) nach einer Weile seines nimmer enden wollenden Staunens: »Entweder bin ich unter die Erzmagier Ägyptens oder unter lauter Götter geraten; denn was ich hier erlebt habe, ist unerhört und seit Menschengedenken nie dagewesen! Und du, Freund, (sich zu Mir wendend) scheinst der Meister, oder der Zeus selbst, unter diesen vielen zu sein!? Das Fleisch hat dich nicht gezeugt, so wie auch diesen Jungen nicht; du mußt aus dem Geiste von Ewigkeit her gezeugt sein! O Götter, o Götter, welche Kraft muß euch innewohnen, daß ihr solche Dinge zu leisten imstande seid, und was Elendes ist der arme Mensch, der blinde Wurm im Staube gegen euch?! Ihr vermöget alles, aber der sterbliche Wurm im Staube seiner Nichtigkeit vermag nichts! Freund, der du ein Gott bist und dir alles zu Gebote steht, was kann ich Sterblicher dir unsterblichem Gotte tun? Was soll ich dir geben, der du über die ganze Erde, über Sonne, Mond und alle Sterne gebietest?«
11] Sage Ich: »Freund, du hast viel natürlichen Lichtes und beurteilst das geschehene, dir scheinende Wunderwerk eben mit einem richtigen Takt, aber du mußt den Menschen nicht zu tief unter den Begriff deiner Götter setzen; denn Ich sage es dir: Alle Götter, die du als solche kennst und verehrst, sind eigentlich gar nichts gegen einen vom wahren Geiste Gottes erfüllten Menschen.
12] Siehe, diese vielen Menschen, die du hier siehst, sind zumeist schon ebenso mächtig wie dieser Junge hier und sind doch nur Menschen von Fleisch und Blut!
13] Fühle Mich an, und du wirst es wahrnehmen, daß auch Ich aus Fleisch und Blut dem außen erscheinlichen Leibe nach bestehe; aber dies Fleisch und Blut ist erfüllt vom Geiste Gottes, der allein allmächtig ist, und dem sich alles fügen muß unter die Macht Seines Willens.
14] Und sieh, also wirken wir hier lediglich aus der Kraft des Geistes Gottes, der in uns ist, in uns denkt und will, was Seine allsehende und allfühlende höchste Weisheit für nötig und gut erkennt.
15] Nun, diese Eigenschaft besitze für jetzt wohl Ich Selbst nur im höchsten Grade und bin darum ein Meister darin; aber Ich kann auch einen jeden Menschen dazu befähigen, der irgendeines guten Willens ist.
16] Natürlich aber kann einem Menschen, der einen bösen, widrigen Willen hat, solche Fähigkeit nicht und nie verliehen werden; denn da heißt es, zuvor in der heiligen Ordnung des Geistes Gottes völlig eingeweiht sein, bevor einem die Machtfähigkeit des ewigen Gottesgeistes erteilt wird, und diese kann in nichts anderem bestehen als eben in dem, daß der reine Mensch in seiner Seele ganz vom Geiste Gottes durchdrungen wird. Die vom Geiste Gottes durchdrungene Seele will nun nur das, was der Geist Gottes will; was aber Der will, das muß geschehen, weil Er allein die ewige Urkraft und Macht ist in der ganzen Unendlichkeit!
17] Denn alles, was im endlosen Raume ist, lebt und denkt, ist dieses ewigen Geistes in der von Ihm Selbst gestellten Ordnung festgestellter und unwandelbar gehaltener Gedanke, dem geistig lebendigen Teile nach, und daraus formulierte Idee, die aber nach der Art ihres Seins ebenfalls ins selbständig Geistige übergangsfähig ist.
18] Siehe, Freund, also stehen in aller Kürze berührt, die Dinge! Du bist ein guter Denker und wirst bald vieles fassen; aber für jetzt genüge dir dies wenige!
19] Ich werde dir aber einen gewissen Mathael, einen Mann voll Weisheit, zum Gesellschafter geben; von dem wirst du vieles erfahren, und wirst Mich Selbst nachderhand besser verstehen denn jetzt!«
20] Damit ist der Grieche, voll tiefsten Staunens über Meine Weisheit, ganz zufrieden und wünscht sehr, den Mann zu sehen.
21] Ich aber berufe sogleich den Mathael und sage: »Da, lieber Freund, ist ein etwas baufälliges Haus; du bist ein guter Zimmermann und wirst wissen, was dabei auszubessern ist!«
22] Sagt Mathael: »Herr, mit Deiner Hilfe wird das Haus gut und fest werden!«


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