Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 3, Kapitel 65

Jesus gibt Lebenswinke für Anfänger.

01] Hier wende an Mich um und sage zu Hebram: »Nun, nun, du hast ja schon große Fortschritte gemacht, so wie ihr alle; an solchen Jüngern kann man eine rechte Freude haben, und sie werden bald zu guten Arbeitern im Weinberge Gottes zu verwenden sein! Aber auf eines mache Ich euch alle dennoch aufmerksam, und dieses eine besteht darin:
02] Ihr gleicht nun den Frühblümchen, die im Frühjahre schnell ihre Häupter über den toten Erdboden gar herrlich erheben. Kommen hinfort keine Fröste, dann sind solche emsigen Blümchen ganz wohl daran; kommen aber, wie das die Frühjahre zumeist bezeugen, auf warme Tage wieder einige mit schaurigem Froste, da lassen solche Frühblümchen dann gerne ihre herrlich geschmückten Häupter hängen und verdorren darauf oft ganz und gar.
03] Ich sage es euch: Ein Mensch sieht oft eine Wahrheit noch so klar ein; wenn sich aber oft trübe Wolken, mit allerlei versuchenden Ungewittern schwanger, über das Gemüt des Menschen zu erheben anfangen, da wird es trüber und trüber im Menschenherzen, und er ersieht dann gar manches nicht mehr, was noch kurz vorher doch so klar erleuchtet vor seiner Seele stand.
04] Bewahret daher wohl in euch, was ihr nun erfahren habt und erhebet eure schön geschmückten Häupter erst dann über den Boden der Erde eurer äußeren Menschheit, wenn die Prüfungsfröste vorüber sein werden; wahrlich, dann wird euer Wissen von keinem bösen Reife mehr zerstört werden können!
05] Es braucht aber alles seine Zeit, bis es gediegen und haltbar wird; also auch des Menschen Wissenschaft. Es ist bei guter Gelegenheit so manches an schnell erlernt und auch begriffen, - aber über andern Erscheinungen auch ebensobald vergessen! Darum erfasset alles, was ihr vernehmet, mehr mit eurem Gemüte denn mit eurem Gehirne, so wird es euch auch bleiben!
06] Wenn ihr eine Blume ansehet, so habt ihr sicher eine rechte Freude ob ihrer schönen Gestalt; aber was nützet euch solche Freude, die doch notwendig ebenso vergänglich ist wie die Blume, die in euch solche Freude erweckte?! Die Kraft der Blume muß sich aber ablagern in die Tiefe jenes Gefäßes, in welchem der lebendige Same gehegt und gepflegt wird, und so muß auch eure äußere Freude verwelken, und ihre Kraft muß hinabsteigen in den tiefen Grund, allwo das ewige Leben des Geistes gehegt und gepflegt wird; dann wird daraus eine mit dem Geiste ewig dauernde Freude über dessen wahrhaftige innere Schönheit erstehen, der kein Reif mehr irgend etwas wird anhaben können.
07] Nun aber gebet recht wohl acht; denn Ich werde nun jene Stücke ein wenig näher beleuchten, über die der Cyrenius eine nähere Aufhellung wünscht!«
08] Darauf aber wandte Ich Mich zur Jarah und zum Josoe und sagte zu ihnen: »Und ihr, Meine allerliebsten Kinderchen, könnet nun ein wenig in die Küche zu den Töchtern unseres Markus gehen, die werden euch so manches zu erzählen wissen, was sie nun seit etlichen Tagen bei ihrer Kocherei alles erlebt haben, was zu vernehmen euch beiden sehr nützlich sein wird; denn das Ich noch den Gästen vortragen werde, ist wie ein steinig hartes Brot, und es gehören da schon sehr kräftige und gut ausgebildete Zähne dazu, um solch ein hartes Stück Brot ganz gehörig zermalmen zu können, auf daß es darauf den sehr empfindlichen Magen der Seele nicht belästige und ihm Schmerzen und Schaden verursache. Später, wenn die Zähne eures Gemütes kräftiger werden, wird euch auch solches mitgeteilt werden!«
09] Jarah verläßt zwar nicht gar zu gern ihren Platz, aber Josoe sagt zu ihr: »Komm, liebe Jarah, nur ganz freudig mit mir! Denn was der Herr will, das muß man stets mit freudigem Herzen sogleich befolgen; verstehst du solches ja doch besser denn ich, darum erhebe dich nun nur behende von deinem Sitz und komme mit mir nach dem Willen des Herrn!«
10] Darauf erhebt sich die Jarah und geht mit dem Josoe in das Haus des Markus, wo sie von dessen Töchtern nach des Hauses Brauch sehr freundlich empfangen wird, und es gibt da bald ein Wort das andere, und die Kinder unterhalten sich bis nahe an den Abend hin ganz gemütlich und sich gegenseitig belehrend.
11] Ich aber wende Mich nun an den Cyrenius und sage: »Nun, liebster Freund, kannst du aufmerken, was Ich dir über deine ziemlich gedehnte Frage für eine aufklärende Antwort geben werde; bei der bleibe du dann und ein jeder, der sie vernehmen wird!«
12] Hier wollte Suetal dem Raphael noch eine frohe Bemerkung zuflüstern darüber, daß Ich nun endlich werde zu reden beginnen; aber Raphael bedeutete ihm ernstlich zu schweigen, und er schwieg denn auch, und Ich begann also weiterzureden:


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