Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 3, Kapitel 55

Über den Unterschied der Wunder Rahphaels und denen der Magier.

01] Sagt Suetal: »Amen! Das ist auch mein Wort! Denn so etwas hat noch nie eines Sterblichen Auge gesehen! Die Magier zu den Zeiten Pharaos haben wohl auch Stöcke geworfen, aus denen Schlangen wurden; aber wir waren damals nicht dabei! Und wären wir auch dabeigewesen, so hätten wir wahrscheinlich ganz dasselbe Kunststücklein gesehen, wie wir einmal etwas ganz Ähnliches in Damaskus gesehen haben, wo ein persischer Zauberer auf eine vor ihm hin weit ausgebreitete Flugsandfläche Knittel schleuderte, und als der Knittel, eigens geschickt geworfen, sich in dem Flugsande vergrub, daß man von selbem nichts mehr sah - was natürlich in einem Augenblick geschah -, da erhob sich darauf aus dem Sande bald eine Ratte oder eine Maus und floh jählings davon! Dieser Zauberer gab auch an, daß er aus den in den Sand geworfenen Knitteln Retten und Mäuse zeihen (ziehen) werde. Aber ich untersuchte hernach den Sand und fand die geworfenen Knittel ganz unversehrt; aber ich fand auch nur zu deutlich Spuren, wie der Zauberer, etwa ohne Zeugen, zuvor eine gewisse Anzahl Ratten und Mäuse dadurch in dem Sande gebannt hielt, daß er ihnen an mehreren Stellen gewisse Lieblingsköder in von ihm gemachte Sandgrübchen legte, mit denen sich die dahin gesetzten Ratten und Mäuse ganz ruhig und behaglich so lange unterhielten, bis sie der geschickt geworfene Knittel aus dem Grübchen zu springen und davonzulaufen zwang.
02] Das dumme Volk erwies dem persischen Magier eine nahezu göttliche Verehrung und steckte ihm seine Säcke mit allerlei kostbaren Sachen voll; und als ich einige mir etwas weiser Dünkende davon überzeugen wollte, hießen sie mich einen Frevler, und ich hatte sehr gemessene Zeit, mich aus dem Staube zu machen. Ich gewann dabei die Überzeugung, daß fürs erste derlei Magier ganz feine Käuze sind, die sich durch ihre etwaigen Kenntnisse und gemachten Erfahrungen auf dem weiten Gebiete der Natur die Dummheit der vielen andern Menschen, die so wie das Vieh dahinleben, zunutze zu machen verstehen, und fürs zweite, daß so recht eingefleischt dumme Menschen auch bei dem besten Willen eines weisen Menschenfreundes nimmer vollends zurechtzubringen sind.
03] Und sogestaltig werden etwa wohl alle die gepriesenen Wunderwerke der Priester und Magier in ganz Ägypten und Persien aussehen, und die Wundertaten der Essäer werden kein anderes Gesicht haben.
04] Aber diese beiden Wunder hier, die der Jünger des großen Meisters vollbrachte, und die wundervollsten Heilungen, von denen wir gehört haben, wie sie von dem großen Heilande vollführt worden sind, sind so rein über alle die magischen Betrügereien erhaben, wie eine Sonne mit ihrem hellsten und reinsten Licht erhaben ist vor jedem nichtigen und trügerischen Sumpflichte. Bei diesen zwei Wundertaten nimmt, wie gesagt, jede menschliche Weisheit ihr entschiedenes Ende; da nützt kein Denken und Prüfen mehr, da wirkt die Allmacht Gottes, der natürlich nichts unmöglich sein kann.
05] Für uns aber bleibt die Lehre, daß wir eben darum das, was der große Heiland lehrt, um so lebendiger befolgen sollen, weil durch ihn, wie es mir nun vorzukommen anfängt, vielleicht eben in dieser unserer Zeit eine alte Verheißung Jehovas in Erfüllung gehen dürfte.«
06] Sage Ich, von den zwölfen noch immer persönlich nicht erkannt, zu Suetal: »Bist du wohl mit einiger Überzeugung solcher Meinung?«
07] Sagt Suetal: »Freund, meine nun gefaßte Meinung wird zur Gewißheit, wenigstens in mir! Denn sieh, ich habe einen ganz einfachen, aber sicher stichhaltigen Grund, das anzunehmen! Gott ist zu endlos gut und weise, als daß Er einen Menschen also mächtig erwecken und ihn erfüllen würde mit Seinem allmächtigen Geiste bloß deshalb, daß er dann mehrere Kranke dem Fleische nach heilen und aus Steinen Brot und Fische zeihen (ziehen) solle. Mit solch einem Menschen, der bei weitem über Moses und allen andern Propheten wie eine Sonne ganz allein dasteht, hat Gott sicher auch noch einen höheren, uns noch ganz unbekannten großen Zweck verbunden! Denn für die sehr untergeordneten Zwecke, allein vor den Augen der gafflustigen und wundersüchtigen, blinddummen Menschenmenge allerlei Wunder zu wirken, hat Gott, wie gesagt, einen solchen Gottmenschen nicht auf diese Erde gesetzt! Ich möchte in ihm fast den durch alle Patriarchen und Propheten verkündeten großen Messias der Juden entdecken und bin, lieber Freund, davon fast völlig überzeugt!
08] Sollte er es dennoch nicht sein, so wüßte ich wahrlich nicht, auf wen wir dann noch warten sollen, der noch Größeres und Gotteswürdigeres zu leisten imstande wäre! - Welcher Meinung bist denn da du, lieber Freund, vorausgesetzt, daß du als ein Grieche mit den Schriften der Juden irgend vertraut bist?!«
09] Sage Ich: »Ja, da bin Ich völlig deiner Meinung; denn mit den Schriften der Juden bin Ich sehr wohl vertraut. Aber nun möchte Ich denn doch noch von deinen Gefährten erfahren, was sie zu dieser unserer ganz wohlbegründeten Meinung sagen! Der Ribar ist so ziemlich ein Votant (Wortführer) für alle die zehn andern Gefährten. Wir wollen ihn darüber befragen und sehen, was er eben darüber für eine Meinung von sich geben wird. Frage du ihn!«
10] Sagt Suetal: »Er soll darum gleich angegangen werden; denn jetzt wird er sich hoffentlich an seinem Fisch doch schon satt gesehen haben!«


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