Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 2, Kapitel 213

Die negativen Folgen des Wohlstandes.

01] Sagt Cyrenius: »Herr, Du bist wahrhaft der Meister der Menschheit und bist nun eine lebendigste Schule des wahren Lebens, und ich weiß nun vollkommenst, woran ich bin, und woran alle Menschheit ist. Nur das einzige geht mir noch nicht recht ein, warum ein Volk, das irgend doch ein wenig übers Sklaventum hinaus leiblich versorgt wäre, am Ende in eine völlige Lethargie übergehen müßte! Darüber möchte ich noch gerne ein erläuterndes Wörtchen aus Deinem Munde, o Herr und Meister, vernehmen!«
02] Sage Ich: »O Freund, frage die Geschichte der Völker der Erde; siehe an das alte, wohlversorgte Ägypten, siehe an Babel und Ninive, siehe an Sodoma und Gomorra! Ja, siehe an das israelitische Volk in der Wüste, das Ich vierzig Jahre hindurch aus den Himmeln mit Manna versorgt habe! Und so siehe du noch eine Menge fertig gewordener Völker an, und du wirst es nur zu bald finden, wohin die leibliche Wohlversorgtheit alle diese Völker gebracht hat!
03] Siehe, zum Beispiel wird ein versorgtes Frauenzimmer am Ende nichts mehr tun, als sich putzen und schmücken den ganzen Tag über; am Ende wird sie sogar dazu zu faul und läßt sich von anderen waschen, putzen und schmücken. Aber das dauert auch nicht immer zu lange; am Ende wird solch ein verweichlichtes Frauenzimmer sogar zum Sich-bedienen-Lassen zu träge und wird auf diese Weise ein förmliches Schwein, wo nicht gar ein vollkommenes Faultier, wie es deren gibt in Indien und Mittelafrika. Frage: Was ist hernach mit einem solchen Weibe etwa noch anzufangen? Welcher geistigen Bildung ist es noch fähig? Ich sage es dir: Nicht einmal zu einer Hure taugt es mehr! Das war ja auch in Sodoma und Gomorra der Fall, darum eigentlich das Volk anfing, sich mit der Unnatur zu befriedigen! - Verstehst du das?«
04] »Wahrlich«, sagt Cyrenius, »so freigebig mit der glänzendsten Weisheit warst Du meines Wissens noch kaum je! Ich muß es offen gestehen, da Du diesmal mir mehr gesagt hast als alle andern Male, in denen ich das Glück hatte, Dich zu hören. Es ist nun alles klar und sonnenhelle, was Du uns hier wahrlich aus der Wurzel der Entstehung und des Seins der Menschheit in allen ihren Verhältnissen mitgeteilt hast, - nur etwas geht mir dennoch ab; weiß ich das auch noch, dann bin ich wahrlich versorgt für die Ewigkeit! Soll ich die Frage stellen, oder liest Du sie mir schon wieder also aus meinem Herzen?«
05] Sage Ich: »Frage diesmal nur, der andern wegen, damit sie gleich anfangs auch vollends innewerden, um was es sich da handelt!«
06] Spricht Cyrenius: »Nun denn, wolle mich denn gnädigst vernehmen!«


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