Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 2, Kapitel 67

Jesus heilt einen Tollwutkranken.

01] Gleich darauf aber kommen aus der Stadt eine Menge Bürger und geben kund, daß ein Mensch tobend geworden sei.
02] Ich aber frage sie, was Ich mit dem Tobenden machen solle.
03] Und die Bürger sprechen: »Wir wissen, daß du ein Wunderarzt bist, da uns heute die Pharisäer das verkündet haben und erzählten, wie du bloß durch den Willen das Haus des alten Josa völlig gesund gemacht hast, und daß du mehr seist als allein der uns allen wohlbekannte Zimmermann Jesus! Und so bitten wir dich als unsern wohlbekannten Landsmann, daß du diesen tobenden Menschen wieder gesund machen wollest!«
04] Frage Ich: »Wie ist er denn zu dieser Tobsucht gekommen?«
05] Sagen die Bürger: »Ja, lieber Meister, das hat er von einem tollen Hunde, der ihn gebissen hatte, geerbt, und das ist ein schrecklich gefährliches Übel, das bis jetzt noch nie von einem Arzt hat geheilt werden können! Wenn er stirbt, muß das ganze Haus mit ihm verbrannt werden; denn wer ihn nur anrührete, würde kurz darauf auch von solcher schrecklichen Tobsucht befallen werden! Darum haben wir ihn in seinem Hause wohl verwahrt, damit er nicht ins Freie kann, allwo er einen großen Schaden anrichten würde. Lieber Meister, befreie uns doch von dieser Plage!«
06] Sage Ich: »So gehet und bringet ihn heraus, auf daß er gesund werde, und alle, die er schon angesteckt hat, als sie ihn einfingen und ins Haus sperrten!«
07] Sagen die Bürger: »O Meister, wer wird den herausführen? Wer ihn anführt, ist ja so gut als schon des schrecklichen Todes!«
08] Sage Ich: »So ihr nicht glaubet und kein Vertrauen habt, da kann Ich weder ihm noch euch helfen!«
09] Sagen die Bürger: »Meister, konntest du doch dem Hause Josa helfen, das von einem nahezu ähnlichen Übel behaftet war, und die Kranken wurden nicht zu dir geführt, also könntest du ja auch diesem Tobenden helfen, ohne daß es nötig wäre, ihn zu dir herauszubringen!?«
10] Sage Ich: »Josa glaubte, ihr aber glaubet nicht und seid vielmehr gekommen, Mich aus eurem Halbglauben heraus zu prüfen, was Ich mit dem unheilbar Tobenden tun würde. Darum sage Ich euch noch einmal: Bringet ihn heraus, so soll ihm und euch geholfen werden! Denn ihr habt schon alle, wie ihr da seid, dasselbe in euch, das in kurzer Zeit ausbrechen kann; so ihr aber glaubet und ihn herausbringet, so soll eben dadurch das Satansgift in euch vertilgt werden!«
11] Auf diese Meine Worte begeben sie sich von dannen und bringen in kurzer Zeit gebunden den Tobenden heraus, der ganz schrecklich wild aussah und also geifernd brüllte wie ein hungriger Löwe. Als Meine vielen Gäste dieses Tobenden ansichtig wurden, überfiel sie eine große Angst, und die Weiber flüchteten sich samt und sämtlich ins Haus; denn sie hatten nicht Mut, dieses schrecklich verzerrte und gräßlich brüllende Bild anzusehen. Selbst Meine Mutter verbarg sich ins Haus, und Meine Jünger erweiterten ebenfalls ihren Weilkreis, Judas verbarg sich hinter einem Baume; nur Cyrenius, Faustus, Kornelius, Kisjonah und Borus blieben fest bei mir.
12] Da sprach Ich zu den Bürgern: »Löset ihn los und lasset ihn frei!«
13] Da entsetzte sich alles und schrie: »Herr, da sind wir verloren!« - Und die Bürger getrauten sich solches auch nicht zu tun, weil das andere Volk samt den Jüngern zu viel schrie!.
14] Da sagte Ich zum Borus: »Gehe hin und löse du ihn los; denn er ist schon geheilt und kann niemandem mehr schaden!«
15] Da ging Borus ganz beherzt auf den noch Tobenden zu und sprach: »Der Herr Jesus sei mit dir, und du sei geheilt in Seinem Namen!«
16] In dem Augenblick ward der Tobende ruhig; seine schon nahe ganz mohrenschwarze Gesichtsfarbe ward wieder wie früher natürlich, und er bat den Borus mit dankbarer Miene, daß er ihm die harten Bande abnähme; und Borus löste ihm sogleich die Bande, die ganz rein und unbegeifert waren. Und der Genesene ging zu Mir hin und dankte Mir allerinbrünstigst für diese ihm erwiesene, nie erhörte Wohltat, bat Mich aber auch, daß er künftighin vor solch einem Übel möchte verschont bleiben.
17] Und Ich sagte zu ihm: »Du und alle, die durch dich unfehlbar in dein Übel verfallen wären, ihr seid nun vollkommen geheilt; aber seid in Zukunft Menschenfreunde und keine Hundefreunde mehr! Wozu müsset ihr Hunde halten im Übermaß? Hunde sollen diejenigen halten, die ihrer nötig haben bei Jagden der wilden, reißenden Tiere, und die Schafhirten großer Herden als Schutz gegen die Wölfe, Bären und Hyänen; außer diesen bedarf niemand eines Hundes. Wer aber schon einen hält, der halte ihn an einer Kette wohl angehängt, auf daß sich die Armen nicht der bösen Hunde wegen fürchten, in eure Häuser zu treten und euch um ein Almosen zu bitten. Wer aus euch künftighin solchen Rat nicht befolgen wird, der soll von seinen Hunden denselben Lohn erhalten, der dir zuteil ward.
18] Nehmet lieber Kinder armer Eltern in eure reichen Häuser denn nutzlose und leicht große Gefahr bringende Hunde, so werdet ihr nie von der bösesten Tobsucht, die vom Gifte des Satans, den die Hunde in sich tragen, herstammt befallen werden!«
19] Nach diesen Worten versprechen Mir alle, daß sie an diesem Tage noch ihre Hunde vertilgen und fürder nimmer derlei Tiere halten werden. Es fragen Mich aber dennoch einige Schwachgläubige, ob sie nun wohl vollkommen von diesem Übel befreit seien und solches sie wohl nimmer befallen werde.
20] Sage Ich: »O ihr Kleingläubigen! Sehet ihr denn nicht, daß der, den ihr gebracht habt, vollkommen genesen ist? Wenn aber ihm geholfen ward, so wird wohl auch euch geholfen sein, die ihr noch lange nicht von solcher Toberei befallen worden wäret! Wenn Ich Tote aus dem Grabe rufen kann, so werden wohl solche Übel nicht größer sein als der wirkliche Tod selbst! Die Zeit aber soll euch den Beweis liefern, daß ihr alle völlig wieder geheilt seid! Nun aber möget ihr wieder ganz ruhig nach Hause ziehen. Gehet aber nun auch zu den Ältesten und Pharisäern hin, zeiget euch, daß ihr völlig geheilt seid, und gebet dann auf dem Altar euer Opfer, das Moses anbefohlen hat den Aussätzigen, wann sie rein geworden sind!«
21] Nach diesen Worten danken Mir alle auf das inbrünstigste und fragen Mich, was sie denn Mir für diese übergroße Wohltat entgegentun sollen.
22] Und Ich sage: »Das glauben und tun, was euch die Pharisäer und Schriftgelehrten lehren werden!«
23] Nach diesen Worten treten sie ihren Rückweg ganz getrost an, begeben sich gleich in die Synagoge und erzählen den Pharisäern alles, was sich hier zugetragen hat, und geben dafür eine reiche Opfergabe.
24] Die Pharisäer aber, die vorher von diesem Tobenden noch nichts vernommen hatten, fangen an, sich überaus zu verwundern und sagen: »Wahrlich, das ist eine Heilung, die nur Gott allein möglich sein kann! Solches ist in ganz Israel noch nie erhört worden! Wahrlich, dieser Mensch tut Dinge, die noch nie einer der allergrößten Propheten getan hat! Es gibt keine Krankheit, die er nicht zu heilen imstande wäre, und keinen Toten im Grabe, den er nicht wieder ins Leben zurückzurufen vermöchte! Ist das doch ein Mensch, wie die Erde noch nie einen ähnlichen getragen hat! Gehet nun nach Hause, und kommet morgen wieder, und wir wollen dann mehreres über ihn mit euch verhandeln!«


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