Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 01, Kapitel 240


Jesu Entscheidung und Anordnungen zur Erledigung des Falles der räuberischen Pharisäer. Rückgabe der geraubten Kinder und sonstigen Beute.

01] Am nächsten Tage aber, der ein Sabbat war, fragte Mich dennoch Faustus, obschon er ein Römer war, ob hier der Sabbat der Juden gefeiert werden solle oder nicht, und was da mit den elf Pharisäern geschehen solle.
02] Sage Ich: »Liebster Freund und Bruder! Jeder Tag mit guten Taten erfüllt ist ein wahrer Sabbat, und an jedem Tage, an dem man etwas entschieden Gutes verübt hat, hat man eben dadurch auch eine wahre Sabbatfeier begangen. Darum sollst du am heutigen Sabbate Gutes tun, soviel du nur immer kannst und magst, und dir wird es wahrlich zu keiner Sünde gerechnet werden, außer von den argen Weltnarren, die sogar den Wind verfluchen, so er an einem Sabbate weht, sowie den Regen und die Scharen durch die Lüfte dahinfliegender Vögel. Solche Narren aber sollen uns nie zu einem nachahmungswürdigen, sondern nur zu einem über alles zu verabscheuenden Beispiele dienen; denn sie verfluchen das Gute und wollen ihr Böses von aller Welt hochgerühmt wissen! Das also zu deiner Danachachtung für jeglichen Sabbat!
03] Was aber die elfe betrifft, so laß auch sie, nachdem du dich aller ihrer Schätze wirst bemächtigt haben, frei! Übersende dem Kaiser das Seine und gib ihm den Grund der Verspätung an, welchen du willst; aber gib auch dem Tempel das Seine aus der Höhle zu Chorazin, gib aber auch dem Oberpriester an, wie diese Schätze von den betreffenden elf Pharisäern seit mehreren Jahren entdeckt, dem Tempel vorenthalten worden sind, dem sie im Grunde zu eigen gehören, und der Tempel wird mit den elfen schon eine ganz gehörige Verhandlung abhalten.
04] Was aber die Schätze in Kisjonahs Gebirge betrifft, so entfalle davon ein Drittel ihm, ein Drittel dir im Namen des Kaisers, und ein Drittel soll unter alle die Armen, die ihrer Kinder und ihrer geraubten Sachen halber hergekommen sind, verteilt werden, und die ganze Verhandlung hat nachher ein Ende für alle Zeiten der Zeiten. Benutzt den heutigen Tag!
05] Baram und Kisjonah haben gute Schiffe, und bei einem guten Wind werdet ihr in wenigen Stunden mit der Räumung bei Chorazin in der vollsten Ordnung sein; ein Teil aber mache sich an die Räumung der Kisjonahhöhle, und so ihr nur ein wenig tätig seid, könnt ihr bis zum Abend beider Höhlen Schätze hier haben und sie morgen an die Orte ihrer Bestimmung abgehen lassen!
06] Ich könnte zwar die Schätze alle in einem Augenblick durch den Archiel hierherschaffen lassen, aber es ist nun zu viel Volkes hier, und es würde solch ein Wunder zu viel Aufsehen erregen; darum unterlasse Ich es. Aber Ich werde euch dennoch im geheimen dahin behilflich sein, daß ihr diese Arbeit - dazu ihr in einem gewöhnlichen Gange wohl gut bei drei Tage benötigen würdet und genug zu tun hättet - in einem Tage, als dem heutigen, völlig beenden werdet. Jetzt aber säumet nicht, sondern geht nach links und rechts!
07] Nehmt aber überall nur einen Pharisäer mit; die andern sollen unterdessen hier verwahrt bleiben!
08] Pilah aber soll hier verbleiben; denn er ist schon zu gut für solche Dinge, mit denen sich Gotteskinder so wenig als nur immer möglich befassen sollen. Also brauchst du selbst mit deiner Person dich auch nicht an die bezeichneten zwei Orte hinzubegeben, sondern es genügt ein Kommissär, von dir mit der erforderlichen Vollmacht versehen. Wir aber werden hier unterdessen die Verteilung der Pfänder und der Kinder an ihre betreffenden Eltern vornehmen.«
09] Wer ist mit dieser Anordnung zufriedener als Faustus!? Denn er hat einen dreifachen Vorteil davon: Fürs erste bleibt er bei Mir, fürs zweite bei seiner jungen Gattin, die er nun überaus liebt, und fürs dritte hat er Muße, nebstbei an den Kaiser ein instruktives Schreiben und ein Begleitungs- und Bestimmungsschreiben auf gutem Pergamente abzufassen und all die Gelder und Schätze schon am nächsten Tage an den Ort der Bestimmung abgehen zu lassen.
10] Als die beiden Kommissäre abgehen, die bewußten Schätze abzuholen, machen wir uns sogleich an die Verteilung der Pfänder und der Kinder, die wohl schon in der Nacht zumeist ihre Eltern gefunden haben; aber es gab dennoch einige darunter, deren Eltern daheim krank lagen aus Gram und Traurigkeit und daher nicht vermochten, nach Kis zu kommen und allda abzuholen ihre Kinder und andere Sachen.
11] Solche kranke Eltern gaben dann ihren Nachbarn den Auftrag, ihre Kinder und Sachen, so diese nach der Bekanntmachung noch irgendwo bestehen sollten, in den Empfang zu nehmen; und so wurde denn bei der Verteilung auch solches berücksichtigt, und es kam jedem bis auf ein Haar all das Seinige zu, und ward jeder Partei vom Kisjonah als Drittelgebühr aus dem Schatze der Höhle auf seinem Grunde auf die nachträgliche Abrechnung, und zwar nach Meiner Bestimmung, eine Summe von 100 Pfunden verabreicht, - nach welcher Arbeit und Dotation (Ausstattung) alle die Parteien, deren es natürlich mehrere Hunderte gab, von Kis entlassen wurden, nachdem ihnen allen zuvor noch vom Faustus eine gute Belehrung und Ermahnung gegeben ward.
12] Kisjonah ließ alle Warenschiffe herrichten, und die ganze große Karawane, sämtlich von Chorazin, Kapernaum und Nazareth zu Hause, ward auf diese Weise wieder nach ihren Häusern geschafft, und es dauerte die Verteilung samt der Nachhauseschaffung kaum ein wenig etwas über siebeneinhalb Stunden.


Home  |    Inhaltsverzeichnis Band 1   |   Werke Lorbers