Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 01, Kapitel 235


Der Unterrichter verweist Oberrichter Faustus an Jesus. Große Freude des Faustus, Jesus wiederzusehen.

01] Sagt der Richter von Kis: »Du, Freund, es hält sich hier der berühmte Jesus von Nazareth auf, abwechselnd schon bei drei Wochen, und wird wahrscheinlich noch einige Tage hier zubringen. Ich sage dir, Er ist ein Gott, dem alle noch so verborgenen Dinge sonnenklar sind, wovon Er uns bereits Hunderte der handgreiflichsten Beispiele gegeben hat; nun, wie wäre es denn, so wir uns in dieser Sache an Ihn wendeten? Er könnte uns ein großes Licht geben, und das um so eher, da Er durchaus kein Freund der schwarzen Diebe und Räuber aus des Tempels schnödesten Verfügungen ist. Denn ich selbst habe es mit meinen Ohren gehört, wie Er Chorazin und Kapernaum, respektive deren Priester und Pharisäer, bis in den tiefsten Tartarus hinab verwünscht hat. Und so bin ich überzeugt, daß wir durch Ihn ins klare kommen werden.«
02] Sagt ganz erstaunt der Oberrichter: »Was?! Dieser Gottmensch ist hier?! Ei, warum habt ihr mir das nicht sogleich gesagt?! Wahrlich, ich hätte Ihn sogleich an meiner Stelle Gericht halten lassen und mir dabei drei Viertel Arbeit erspart! Führet mich doch schnell zu Ihm! Denn es hat mir auch der Oberste Kornelius dringlichst aufgetragen, mich angelegentlich nach diesem göttlichsten aller Menschen zu erkundigen und ihn davon sogleich zu benachrichtigen.
03] So der Oberste es bestimmt erfährt, daß Jesus hier weilt, so ist er in der kürzesten Zeit mit seiner ganzen Familie hier; denn er und sein ganzes Haus beten diesen Jesus ja ganz förmlich an, und ich selbst halte es mit ihnen. Alles Lob irgendeiner wahren Gottheit darum, daß mir noch einmal das unschätzbarste Glück zuteil ward, meinen rein allerhimmlischsten Freund Jesus zu sehen und zu sprechen! Führt mich nur schnell, schnell zu Ihm! Jetzt ist schon alles gewonnen!«
04] Wie der Oberrichter gegen das große Haus geht mit der heißesten Sehnsucht, Mich zu sehen und zu sprechen, komme Ich ihm entgegen; und als er Mich ersieht, schreit er vor Freuden: »Da, da bist Du ja, Du mein göttlichster Freund und Bruder, wenn ich Dich noch so nennen darf!
05] O laß Dich umarmen und Dein heiliges Antlitz bedecken mit tausend Freundes- und Bruderküssen! O Du mein heiliger Freund Du! Wie unaussprechlich glücklich bin ich nun, daß ich Dich endlich einmal wiederhabe! Wahrlich, wo nur irgend Menschen in der größten Not stecken, da auch bist Du gegenwärtig, ihnen zu helfen! Ach, ich weiß mir nun ja vor Freuden nicht zu helfen, daß ich Dich hier gefunden habe!«
06] Sage Ich, ihn auch fest an Mein Herz drückend: »Sei auch du Mir endlose Male gegrüßt! Denn dein Herz hat bei deinem schweren Richteramte wahrlich keinen Schiffbruch erlitten, und Ich liebe dich darum auch gleichfort über die Maßen und segne vollauf deine Arbeiten.
07] Wahrlich, daß du hier hinter den argen Steuerraub gekommen bist, das hast du Mir und Dem, der in Mir wohnt, zu verdanken!
08] Doch gehen wir nun ins Haus, allwo ein reichliches Abendmahl unser harret! Nach dem Mahle wollen wir mehr darüber reden!«


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