Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 01, Kapitel 211


Große Krankenheilung durch Jesus. Folgen des Wuchers.

01] Als die Kranken, teils geführt, teils auf Maultieren mühsam sitzend und teils von Menschen getragen auf Krankenlagern liegend, um Mich herum in einem Halbkreise aufgestellt waren, da traten die Ältesten dieses Ortes zu Mir und baten Mich, sagend:
02] »Herr! Der du uns vor dem mächtigen und überreichen Kisjonah schuldenfrei gemacht hast, - eine Tat, wofür wir dir nie genug danken können, - mache, so du es vermagst, denn auch diese Armen gesund, auf daß sie sich im Vollmaße der großen Wohltat mit uns erfreuen könne, die du uns erwiesen hast.«
03] Sage Ich: »Ja, Ich habe euch dazu aufgefordert und kann und werde Mein Versprechen auch erfüllen; aber zum voraus frage Ich euch, ob ihr das glauben könnet oder möget?! Euer Glaube würde euch viel helfen!«
04] Sagen die Ältesten: »Herr, uns kommt vor, daß du solches vermagst, und darum glauben wir sozusagen blind, daß du unsere Kranken heilen wirst durch deine uns noch unbekannten, wundersamen Heilmittel!«
05] Sage Ich: »Aber wie dann, so Ich keine speziellen Heilmittel bei Mir habe, weder ein heilsam Öl noch einen heilsamen Saft oder sonstige, zur Heilung verschiedener Krankheiten übliche Mittel? Wie meint ihr denn, daß Ich dann diese Kranken heilen werde?«
06] Sagen die Ältesten: »Herr! Wie möglich könnten wir das verstehen?! Denn wir haben wohl sicher von allen Dingen in der Welt mehr Wissenschaft als eben von der Heilkunst! Wir haben im Orte wohl einen Arzt; aber der ist so gut als gar keiner; denn der hat noch keinem anders geholfen außer unter die Erde! So wir alsonach auch soviel wüßten als etwa unser Arzt, da könnten wir dir über deine Art, alle Kranken ohne Heilmittel zu heilen, eben auch nichts sagen; daher wissen wir unmöglich, wie dir auf einem natürlichen Wege möglich sein solle, die Kranken ohne Heilmittel gesund zu machen!
07] Vielleicht stehen dir übernatürliche Mittel zu Gebote, was wir nicht wissen können; oder du kannst vielleicht ein Jünger des berühmten Wunderarztes von Nazareth, namens Jesus, sein? Dann natürlich dürften dir solche Heilungen wohl möglich sein!
08] Es ist nur ewig schade, daß, wie wir vernommen haben, die Pharisäer zu Jerusalem so lange in den Herodes gedrungen seien, bis er sich endlich entschloß, diesen berühmtesten Heiland gefangenzunehmen und Ihn in den Kerker zu werfen! Oh, das ist ein großes Unglück für die arme, leidende Menschheit!
09] Ein Glück ist es aber dennoch, daß Er mehrere Schüler in Seiner Kunst soll unterwiesen haben! Es ist wohl sehr selten, daß ein Jünger so vollkommen wird, wie da war sein Meister; aber etwas kann er dem Meister bei rechtem Fleiße immer abgelernt haben. Und das ist denn doch schon immer ein ganz bedeutendes Etwas, das wir bei dir in einem hohen Grade als zu Hause seiend vermuten und daher den Glauben haben, daß du - - ja was ist denn das?! Während wir dir unsern Glauben auf Grund, daß du ein Jünger Jesu seist, darzutun uns alle Mühe geben, stehen auf einmal alle Kranken auf! Die Blinden sehen, die Lahmen gehen, die Stummen reden, die Aussätzigen sind rein (Jesaja.35.05-06; Matthäus.11,051)! Und es waren darunter etliche, die mit der Cholera, und etliche, die mit dem Todeshusten behaftet waren, und sie sind gesund! Ah, so was ist doch wohl, solange die Welt steht, nicht erhört worden! Um des großen, allmächtigen Gottes willen, wie ist denn das zugegangen? Hast wohl du sie alle geheilt?! Oder ist etwa ein Engel in dieses Tal von oben herabgekommen und hat die Kranken alle unsichtbar angerührt und also gesund gemacht? Wie - wie ging denn das zu?
10] Du hast dich nicht einmal nach den Kranken umgesehen und hast dein Wesen pur mit uns gehabt, und alle Kranken sind nun gesund! O sage uns doch, wie das zuging!«
11] Sage Ich: »Was liegt da an dem Wie, wenn nur die Kranken durch Meinen Willen und durch Mein inneres Wort, dem alle Dinge untertan sind, völlig gesund geworden sind, daran ihr etwa doch wohl nicht mehr zweifeln könnt!? Es geschah aber diese Tat hier nicht so sehr der Kranken wegen, sondern vielmehr euretwillen, die ihr zwar am Leibe völlig gesund seid, aber dafür an eurer Seele kränker - denn die es da waren an ihrem Leibe!
12] Ich wäre aber sehr froh, wenn Ich auch vermöchte eure Seelen also zu heilen, wie Ich geheilt habe die Leibkranken! Aber das geht nicht so leicht, indem jede Seele ihr eigener Arzt sein muß.
13] Ich habe aber euch die geistige Arznei schon ehedem gegeben; gebraucht sie tatsächlich, so werdet ihr gesund werden in euren Seelen und werdet euch dadurch zu wahren Kindern Gottes umgestalten.
14] Aber das Wort, das Ich zu euch gesprochen habe, muß ohne die geringste Zusetzung und ohne irgendeine geringste Weglassung tatsächlich beachtet werden. Und es sollt ihr wenigen Juden dieses Ortes vollkommene Juden im Herzen sein; und ihr Griechen sollt zu wahren Juden werden, auf daß Friede und Einigkeit unter euch sei!
15] Also sollt ihr Griechen durch euren schlauen Wuchergeist ja nicht mehr die ohnehin armen Juden nötigen, Geld von irgend jemandem auf Verschreibung von Zinsen zu borgen, um eure ungerechten Forderungen entfertigen zu können.
16] Habt denn ihr die Erde erschaffen mit ihren mannigfachen Schätzen, daß ihr nun damit tut, als ob sie euer Eigentum wären?!
17] Warum fordert ihr von den Juden einen Pachtzins, da doch das Land den Juden gegeben ward von Gott und also nur diese das Recht haben sollen, von euch den Pachtzins zu begehren?! Ihr seid Fremdlinge im Lande der Juden, die mehr denn ihr Jehovas Kinder sind, und verlangt den Pachtzins von den Äckern, Wiesen und Waldungen, die ein Eigentum der Juden sind seit Abraham! Fragt euch selbst, ob solches wohl recht sein kann vor Gott und vor allen rechtlichen Menschen!
18] Ich warne euch darum ganz ernstlich für die Zukunft vor derlei zu schreienden Ungerechtigkeiten, ansonst es euch im vollsten Ernste schlecht ergehen dürfte!
19] Stellet das allerunrechtmäßigst an euch gerissene Gut und Eigentum den Juden ohne Entgelt zurück und betrachtet euch im Lande der Juden als das, was ihr seid, nämlich als Fremdlinge, so sollt ihr einen gesegneten Anteil an all dem haben, was nun den Juden nach der Verheißung wortgetreu zuteil wird; ansonst aber wird euch der Fluch von Tausenden und dessen Folgen zuteil!
20] Betrachtet die Sache doch einmal bei einigem Lichte, und ihr werdet sehen daß die Juden in euren Augen nichts als eitel Lasttiere sind!
21] Ihr laßt den Juden das politische Eigentumsrecht wohl, und der Jude kann wohl noch immer sagen: >Dieser Grund gehört mir!<; aber ihr seid da mit euren verlockenden Waren, habt die schönen Töchter und Weiber der Juden zu eitlen Putzkrämerinnen gemacht und zu Narren die blinden Juden, denen ihre griechisch geputzten Weiber und Töchter besser gefielen als in der jüdisch züchtigen, einfachen Kleidung! Da verschrieben sie euch den Fruchtgenuß ihrer Äcker, Gärten, Wiesen und Waldungen; und da sie doch auch für den eigenen Lebensbedarf auf ihren Äckern eine Frucht ernten wollten, so mußten sie die Nutzung in einen teuren Afterpacht nehmen und euch von der Fechsung noch dazu den Zehent geben! Zudem laßt ihr sie aber, als die eigentlichen Besitzer, alle Steuern und andere Lasten tragen!
22] Ich sage euch: Solches Unrecht schreit in die Himmel hinein und verlangt Züchtigung von oben! Laßt euch darum wohl zurechtweisen von Mir, sonst werdet ihr der schärfsten Zuchtrute von oben nicht entgehen!«


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