Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 01, Kapitel 170


Jesus heilt den halbblinden, alten Tobias. Abendmahl und Ruhe auf der Alphütte.

01] Es hatte aber der Alte vernommen, was die drei Engel zu den Weibern geredet haben; da ging er hin und sagte: »Also habe ich vernommen, daß ihr genannt habt meines Urvaters Namen und habet an den Tag gelegt, daß euch nicht unbekannt ist mein Name; durch Gottes Gnade und Kraft, die in euch ist, gabt ihr dem toten Auge des alten Tobias Leben und Licht wieder.
02] Sehet, ihr lieben und ewigen Freunde Gottes, ich stehe auf dem Punkte, völlig zu erblinden; auf dem einen Auge sehe ich bereits nichts mehr, und das andere fängt auch an, bedeutend schwachen Lichtes zu werden. Wie wäre es denn, so ihr mir das volle Licht meiner Augen wiedergäbet? Euch wäre so was ja doch leicht möglich! Erbarmet euch meiner!«
03] Sagen die Engel: »Siehst du denn Den nicht, der vor dir mit dem Kisjonah die hochauflodernden Feuer betrachtet und die Gesänge und Psalmen der Hirten vernimmt? Nicht wir, sondern Der ist es, der dem alten Tobias das Licht seiner Augen wiedergab! Zu Ihm gehe; Er ist der Herr und kann tun, was Er will; Er allein kann dir das Licht deiner Augen wiedergeben! Wir aus uns selbst können und vermögen ebensowenig, als du vermagst aus dir selbst. Wir sind bloß Seine Diener und harren Seiner Winke.«
04] Nach solchen Worten von seiten der drei Engel begibt sich der Alte zu Mir hin und bittet Mich um das Licht seiner Augen. Sage Ich: »Du warst doch lange ein starrer Pharisäer und ein Lobpreiser des Tempels zu Jerusalem und hieltest Mich für einen Essäer, Magier und dergleichen mehr; wie kommt dir nun der Glaube?«
05] Sagt der Alte: »Herr! Auch ich war zugegen in Kapernaum, wo Du des Obersten Jairus Tochter vom Tode zum Leben erweckt hast; schon damals kam mir der Glaube. Aber ich mußte noch mehr sehen und hören, damit da fester würde mein Glaube; und ich habe gesehen und gehört und glaube nun, daß Du, o Herr, alles vermagst, was Du willst. Wenn Du, o Herr, also mich nur heilen willst, so kannst Du es auch in aller Fülle!«
06] Darauf sagte Ich denn zum Alten: »Es ist zwar etwas Ungereimtes, jemanden sehend zu machen zur Nachtzeit; aber wenn dein Glaube so stark ist, wie du sagst, so magst du ja wohl auch zur Nachtzeit sehend werden! Ich sage dir aber, daß nun geistig für alle Menschen Nacht ist und sie alle völlig blind sind, und es werden die Menschen nimmer am Tage, sondern in der Nacht sehend werden, und es wird da auch für viele aus ihrem Abend und Morgen ein erster Tag für bleibend hervorgehen. Und so denn werde du sehend in der Nacht!«
07] Auf diese Worte ward der Alte sehend und bewunderte nun die einzelnen Feuer, wo er früher alles ineinander verschwommen und somit ein Feuer sah.
08] Als er solch reines Sehlicht in seinen Augen gewahrte, da fiel er vor Mir nieder auf die Knie, konnte Mich nicht genug loben und preisen und war also glücklich über die Maßen.
09] Ich aber sagte zu ihm: »Auch du hast Mein Gebot vernommen; darum schweige auch du von allem, was du hier gesehen und gehört hast, sonst begegnet dir, was Ich jedem angedroht habe!« Darauf erhob sich der Alte und beteuerte, daß er schweigen werde wie ein Grab.
10] Und es ward also alles gut und vollendet auf dieser Höhe. Und als die Feuer zu Ende brannten, kamen des Kisjonah Töchter und luden Mich und alle Anwesenden zum Abendmahle. Und wir gingen alle, verzehrten ein gutes Mahl und begaben uns darauf zur Ruhe.


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