Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 01, Kapitel 147


Weggang der Pharisäer und ihre Verirrung. Jesu Kritik wegen entgegengesetzten Forderungen an ihn und Johannes d. T.

01] Nach dieser Rede des zweiten scheiden sich die Erzpharisäer und Erzjuden von dem zweiten und dessen gemäßigterem Anhange und machen sich schon ziemlich spät abends auf den Weg nach Kapernaum, und zwar zu Lande; denn das Meer war stark wogend, und sie trauten den Schiffern nicht, obschon diese ihnen versicherten, daß es geheuer zu fahren sei.
02] Die ganze Karawane aber, bei hundertfünfzig Menschen stark und des rechten Weges unkundig, kam nicht gar zu weit, und zwar an den Ort, wo ein unübersteiglicher hoher Fels ins Meer hineinragte und eine überaus starke Brandung verursachte. Über dem Felsen erhob sich aber gleich ein hohes und steiles Gebirge, über das von dieser Stelle am Meere kein Weg führte, und so blieb der Karawane nichts übrig, als den ziemlich gedehnten Rückweg von ein paar guten Stunden anzutreten, und kam erst gegen Mitternacht bei stockfinsterer Nacht, in der es gewaltig stürmte und regnete, blitzte und donnerte, in das Gehöft des Zöllners Kisjonah zurück und suchte daselbst Schutz und Obdach; denn die ganze Karawane war bis auf die Haut durchnäßt und bis zum Niedersinken müde. Und der Zöllner und dessen Leute nahmen die Müden gut auf und verschafften ihnen ein trockenes Lager, was den Durchnäßten sehr wohl zustatten kam.
03] Am Tage darauf, ziemlich spät schon, kamen die Durchnäßten und noch etwas Müden von ihren Lagern wieder zum Vorschein und trockneten ihre Kleider an den Strahlen der Sonne.
04] Es war aber Sabbat, und Kisjonah und dessen Leute arbeiteten und versahen ihr Amt wie an einem andern Tage; und als es Mittag ward, wurden Tische gedeckt und mit allerlei wohlbereiteten Speisen bestellt.
05] Kisjonah lud auch die Durchnäßten und Müden zum Mittagsmahle; aber sie nahmen die Einladung nicht nur nicht an, sondern fingen an, zu murren und grelle Verwünschungen gegen solche Sabbatschänder und Sabbatbrecher auszusprechen; denn ein rechter Jude soll vor dem Untergange weder etwas angreifen noch etwas essen, - bloß dreimal zu trinken war ihm gestattet.

 

Jesu Kritik an Pharisäern wegen widersprüchlichen Forderungen

06] Da die Geladenen die Freundschaft des Zöllners also lohnten, so wandte sich dieser an Mich und fragte (Kisjonah:) »Herr! Was soll denn mit diesen Narren geschehen? Ich will ihnen Gutes erweisen, und sie verfluchen mich darum! Sage mir doch, ob Gott auf den Fluch solcher Narren hört, zum Nachteil der von ihnen Verfluchten!«

  • Matthäus.11,15] Wer Ohren hat, der höre! ( ⇒ jl.ev01.147,07*;  V. 15-19: jl.ev09.067,27-30;  gm.pred.051)

    07] Sage Ich: »O ja; aber nicht zum Nachteil der von ihnen Verfluchten, sondern zu der Flucher höchst eigenem. a Wer Ohren hat zu hören, der höre! Denn Ich will euch sagen, wie es in Wahrheit mit diesen steht: Meinet ihr, sie halten darum den Sabbat, weil solchen Moses geboten hat? Oder meinet ihr, sie fasten darum? (a Matthäus.11,15*; jl.ev09.067,27-30;  gm.pred.051)
    08] Ich sage es euch: Moses und alle Propheten sind in ihren Herzen nicht drei Stater wert, sondern daß sie von den Leuten, die ihnen den Zehent und gutes Geld geben, gesehen werden als Aarons würdige Nachfolger!

  • Matthäus.11,16] a Mit wem soll ich aber dieses Geschlecht vergleichen? b Es gleicht den Kindern, die am Markt sitzen und ihren Gesellen zurufen (a = Lukas.07,31b = Lukas.07,32;  ⇒ jl.ev01.147,09a*; 15-19: jl.ev09.067,27-30)

    09a] a Wem soll aber Ich dies elende Geschlecht vergleichen? b Ist es nicht den Kindlein gleich, die am Markte sitzen und ihren Gesellen zurufen und schreien: (a Matthäus.11,16*; = Lukas.07,31b = Lukas.07,32;  ⇒ jl.ev01.147,09a*; 15-19: jl.ev09.067,27-30)

  • Matthäus.11,17] und sprechen: a »Wir haben euch gepfiffen, und ihr wolltet nicht tanzen; wir haben euch geklagt, und ihr wolltet nicht weinen.« (a Johannes.05,35;  ⇒ jl.ev01.147,09b*;  15-19: jl.ev09.067,27-30)

    09b] a 'Wir haben euch gepfiffen, und ihr wolltet nicht tanzen; wir haben euch geklagt, und ihr wolltet nicht weinen!' Ich meine aber hier nicht, als seien diese Pharisäer und Erzjuden, wie sie da vor uns stehen, solche Kindlein, sondern, die da sind an unserer Seite; denn diese haben diese Narren und perfekten Gottesleugner in ihrem Herzen gestern hierbehalten wollen, und die Narren haben ihrer und Meiner gespottet; und die Schiffer wollten sie, da ein guter Wind ging, übers Meer nach Kapernaum bringen, und diese Narren trauten den Schiffern nicht; sie gingen, und ein arger Sturm trieb sie wieder hierher. Nun habt ihr sie zum Mittagsmahle geladen, und sie verfluchen euch! (a Matthäus.11,17*; = Lukas.07,32; Johannes.05,35;  ⇒ jl.ev01.147,09b*;  15-19: jl.ev09.067,27-30) )
    10] Ihr lieben Kindlein, die ihr hier vor Mir am wahren Markte des Lebens sitzet, Ich sage es euch: Pfeifet diesen Narren nichts mehr vor; denn sie sind lahm am Geiste und mögen darum nicht tanzen. Also lasset auch stehen das Klagen; denn deren Gemüter sind Steine, die keine Feuchtigkeit haben!

  • Matthäus.11,18] Johannes ist gekommen, a aß nicht und trank nicht; so sagen sie: Er hat den Teufel (a = Lukas.07,33;  Matthäus.03,04Markus.01,06;  ⇒ jl.ev01.147,11*; 15-19: jl.ev09.067,27-30)

    11] Johannes, über den gestern so viel gesprochen wurde, und dem Ich ein gerechtestes Zeugnis gab, a ist gekommen und führte ein so strenges Leben, daß er  außer Heuschrecken und wildem Honig, den er sich aus den Löchern der Erde mühsamst holte, b nahe nichts aß und trank; und diese und andere ihres Gelichters sagten ihm ins Gesicht, daß er den Teufel habe, der ihn zur Nachtzeit füttere und erhalte! (a Matthäus.11,18*; = Lukas.07,33;  Matthäus.03,04Markus.01,06;  ⇒ jl.ev01.147,11*; 15-19: jl.ev09.067,27-30) b Matthäus.11,18)
    12] Johannes hat doch wie keiner vor ihm gepfiffen und geklagt zur Übergenüge, und sehet, - diese und viele ihresgleichen wollten weder tanzen noch weinen!

  • Matthäus.11,19] a Der Menschensohn ist gekommen, ißt und trinkt; so sagen sie: »Siehe, was ist dieser Mensch für ein Fresser und Weinsäufer, Geselle der Zöllner und Sünder!« Und die b Weisheit muß sich rechtfertigen lassen von ihren Kindern. (a = Lukas.07,34Matthäus.09,10-15;  Johannes.02,02 ff.;  b = Lukas.07,351. Korinther.01,24-30;  ⇒ jl.ev01.147,14*;  15-19: jl.ev09.067,27-30;  jl.ev11.311jl.him3.177)

    13] a Nun ist in Mir in die Welt gekommen der lange verheißene Menschensohn. Dieser ißt und trinkt. Was sagen sie nun? Ihr habt es gestern selbst vernommen, wie sie über Mich urteilten und schrieen: 'Sieh! Wie ist dieser Mensch ein Fresser und Weinsäufer, und dazu ein Geselle der Zöllner und Sünder!' (a Matthäus.11,19*; = Lukas.07,34Matthäus.09,10-15;  Johannes.02,02 ff.;  )
    14] Aber Ich sage es euch: a Solche Weisheit muß sich rechtfertigen lassen von ihren Kindern! Das heißt, ihre eigenen Kinder erklären sie als Narren, und so ist in ihren Kindern solche Weisheit, die sie uns aufgetischt haben, gerechtfertigt; aber auch die Meine, da ihre Kinder sie erkennen und annehmen, und so ist dadurch jegliche Art der Weisheit, der falschen wie der echten, zur Genüge gerechtfertigt.« (a Matthäus.11,19*; = Lukas.07,351. Korinther.01,24-30jl.ev09.067,27-30;  jl.ev11.311jl.him3.177)
    15] Da erhoben sich die Pharisäer und Erzjuden und sagten zu Mir: »Habe acht, - noch bist du ein Jude! Wir haben das Gesetz und das Recht, dich als einen Erzketzer zu verderben; denn du willst Moses verderben und die Propheten untergraben. Wehe dir, so du solche Gelüste nicht magst fahren lassen! Wir haben vom Kaiser die gewichtige Zusage, uns im Notfalle des römischen Gerichtes zu bedienen, und jeglicher Landpfleger muß unserem Begehren Folge leisten!«


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