Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 01, Kapitel 101


Warum Evangelien des Matthäus und Johannes unterschiedliche Schwerpunkte aufweisen. Petri großer Fischfang.

Anweisungen an Evangelienschreiber Matthäus, welche Zeichen aufzuschreiben sind (jl.ev01.100,01-04)

01] Hier tritt Matthäus zu Mir hin und fragt Mich, ob er auch dieses a Zeichen aufschreiben solle und so manche Lehren und Reden, die Ich die paar Tage hindurch im Hause des Obersten gegeben habe. (a Heilung der Schwiegermutter des Petrus, s. Matthäus.08,14-15)
02] Ich sage: »Das Zeichen mit dem a Hauptmann vor Kapernaum, und was Ich allda geredet habe, und dieses b Zeichen im Hause Petri auch, aber mit Weglassung der gesprochenen Worte, die da nicht zur öffentlichen Lehre gehören! Die Beredungen im Hause des Obersten aber, und daß Ich zwei Tage hindurch Mich bei ihm aufhielt, laß ganz hinweg! (a Matthäus.08,05-13; b Matthäus.08,14-15)
03] Wir werden aber schon noch in Kürze wieder in das Haus dieses Obersten (Kornelius) kommen, und zwar zur Zeit, da ihm seine a liebste Tochter sterben wird, die Ich dann erwecken und sie ihm wiedergeben werde. Dann magst du seiner sowie des Zeichens Meldung also niederschreiben, daß du weder ihn noch den Ort näher zu bestimmen brauchst, - sonst würden wir ihm weltlich schaden, da die Priesterschaft auch auf ihn ein obachtsames Auge geworfen hat, was wir aber durchaus nicht tun wollen und werden. (a Matthäus.09,23-26)
04] Ich werde aber nun bis zum nächsten Fest in Jerusalem in dieser Seegegend herum, die Mir am besten gefällt, noch viele Zeichen tun und werde viele Lehren geben; diese wirst du aber alle vollständig aufzuschreiben haben!«

Aufgabe des Evangelienschreibers Johannes im Gegensatz zu Matthäus (jl.ev01.100,05-06)

05] Matthäus richtet sich nun zum Schreiben ein. Aber der Johannes wird bei der Gelegenheit ganz traurig und sagt: »Aber Herr, Du meine Liebe der Liebe! Werde ich denn gar nichts mehr zum Schreiben bekommen?«
06] Sage Ich: »Mein liebster Bruder, sei darob nur du nicht traurig! Du wirst noch sehr vieles zu schreiben bekommen! Denn dich habe Ich nur für die wichtigsten und tiefsten Dinge bestimmt!«

Johannes.04,46-53; Matthäus.08,05-13] Geistige Entsprechung der Heilung des Sohnes des königlichen Verwandten und der Heilung des Knechtes des Hauptmanns von Kapernaum (jl.ev01.100,07-09)

07] Sagt der Johannes: »Aber das Zeichen zu Kana, das Du tatest dem a Sohne des königlichen Beamten, kommt mir doch um nichts größer und wichtiger vor als das, welches Du vor Kapernaum für den Hauptmann gewirkt hast!?« (a Johannes.04,46b-53)
08] Sage Ich: »Da irrst du dich sehr, wenn du solcher Meinung bist! Denn unter dem Sohne des königlichen Beamten wird die ganze überarg verdorbene Welt verstanden, und wie ihr nun von fernehin Hilfe gereicht wird durch Meine Lehre und durch Mein geistiges Einfließen. Durch den Knecht des Hauptmanns aber wird vorderhand bloß nur der gichtische Knecht, den Ich geheilt habe, verstanden, nachderhand aber wohl auch eine Gemeinde oder irgend ein Verein in Meinem Namen, dem aber durch allerlei politische Besorgnisse die Tätigkeit nach Meiner Lehre in einem oder dem andern Punkte völlig mangelt, und der dadurch auch nach und nach in die Untätigkeit der anderen Punkte Meiner Lehre übergeht; und das ist dann auch eine Gichtbrüchigkeit der Seele, der dann nur durch den festen Glauben an Mein Wort wieder geholfen werden kann!
09] Siehe nun, du Mein lieber Bruder Johannes, das ist darum ein gar großer Unterschied zwischen den beiden Zeichen! Das erste stellt das geistige Krankheitsverhältnis der ganzen Welt vor, und Ich sage dir, noch tiefer genommen, auch der ganzen Unendlichkeit! Das zweite Zeichen aber nur das, was Ich dir soeben erläutert habe. Mit dem aber weißt du denn nun auch, was du und was der Matthäus zu beschreiben hat.
10] Nun aber hat das Mädchen samt der andern Dienerschaft Petri schon das Mittagsmahl fertig, und wir wollen darum uns nun sogleich über das Mittagsmahl machen und wollen dann nachmittags ein wenig dem Petrus einige gute Fische fangen helfen. Gegen den Abend hin aber werden wir genug zu tun bekommen.«
11] Wir nahmen nun ein für die ganze große Gesellschaft hinreichend reichliches Mahl ein und begaben uns darauf zum See, der auch das »Meer von Galiläa« genannt ward, und haben da in wenigen Stunden eine große Menge der besten Fische gefangen, so zwar, daß sie kaum mochten in den Fischbehältern untergebracht werden.
12] Dem Petrus ward es bange, daß er darob in einer Art von frommer Betäubung ausrief: »Herr, ich bitte Dich, verlaß mich; denn ich fühle es nun zu sehr, daß ich ein sündiger Mensch bin! Schon einmal erschrecktest Du mich, als Du, mir vorher noch ganz unbekannt, von irgendwoher kamst und mich und meine Gehilfen hier fischend trafst! Schon damals erkannte ich sogleich Deine Göttlichkeit; nun aber wird es mir noch banger, weil ich es nun nur zu klar einsehe, was und wer Du im Grunde des Grundes bist! Damals wie jetzt wurde die ganze Nacht gefischt und sozusagen nichts gewonnen; auf Dein Wort aber und in Deiner Gegenwart rissen die Netze vor zu großer Menge der gefangenen Fische! Mir wird es nun darob ganz ernstlich bange vor Dir, denn Du bist -«
13] Sage Ich: »Sei stille und verrate Mich nicht! Denn du kennst den einen unter uns! Dieser aber ist und bleibt ein Verräter.«
14] Petrus ist nun stille und macht Anstalten zur Unterbringung der Fische. Da es aber Abend wird, begeben wir uns nach Hause, allwo durch den Fleiß der gesund gemachten Schwieger Petri ein gutes und reichliches Abendmahl uns erwartet. Alles ist nun voll Freude und Heiterkeit; und Petrus stimmt den Lobgesang an, und alle respondieren (im Wechselgesang antworten) ihm einstimmig.


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