Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 1, Kapitel 67


Oberpriester Jonael und der geheilte Gichtbrüchige über Gottes Macht, Satan, Gesetz und Liebe. Jesus als Messias ist Jehova Selbst.

01] Sagt Jonael: »Gegen die Macht der Menschen mögen derlei Kniffe von Erfolg sein; aber gegen die Macht Gottes nützt kein solcher Kniff etwas. Mit der Gottesmacht richtet nur die reine und wahre Liebe etwas aus; alles andere ist Spreu gegen des starken Windes Sturmmacht! Daher besorge du nichts; denn mit uns ist Gott! Wer sollte da wider uns sein können?!«
02] Sagt der Genesene: »Jawohl, jawohl, du hast recht! Aber mit Adam war auch ohne allen Zweifel Gott, und dennoch hatte Satan durch die schlaueste List es verstanden, den Adam zu kapern! Und Michael hatte nach einem dreitägigen Kampfe Mosis Leib dennoch dem Satan überlassen müssen! Gott ist allmächtig wohl, daran ist kein Zweifel; aber der Satan ist voll der ärgsten List, und diese hat dem Volke Gottes schon manchen Schaden bereitet. Daher ist Vorsicht im Angesicht eines Tigers solange gleichfort nötig, als dieser lebt; nur so er einmal tot ist, dann erst kann man ohne Vorsicht und Sorge ganz frei atmen!«
03] Sagt Jonael: »Auch du hast recht in deiner Art, aber du mußt nun das wohl bedenken, daß der Herr in der früheren Zeit es dem Satan zuließ, so oder so zu wirken; denn dem erstgeschaffenen Geiste (Luzifer) mußte eine große Zeit zur Probung seiner Freiheit belassen werden, da er nicht nur der erste, sondern auch der größte der geschaffenen Geister war.
04] Aber diese Zeit ist nun zu Ende, und dem Fürsten der Nacht werden nun sehr enge Fesseln angelegt werden, in denen er sich nimmer so frei als wie bisher wird zu bewegen imstande sein.
05] Aus dem Grunde denn, so in uns die rechte Liebe zu Gott waltet, wir wohl sorgenfreier auf der Erde wandeln können, als wie dies früher unter des Gesetzes hartem Joche der Fall war.
06] Von Adam bis auf uns herrschte das Gesetz der Weisheit, und es gehörte viel Weisheit und der kräftigste und unbedingteste Wille dazu, um solch ein Gesetz in sich zu erfüllen.
07] Gott aber sah, daß die Menschen das Gesetz der Weisheit nimmer erfüllen mochten, und kam nun Selbst in die Welt, um ihnen ein neues Gesetz der Liebe zu geben, das sie leicht werden erfüllen können. Denn in dem Gesetze der Weisheit ließ Jehova unter die Menschen nur Sein Licht strahlen; das Licht aber war nicht Er Selbst, sondern es ging nur aus Ihm unter die Menschen, gleichwie auch die Menschen aus Ihm hervorgegangen sind, aber dennoch nicht Jehova Selbst sind. Aber durch und in der Liebe kommt Jehova Selbst zum Menschen und nimmt geistig in aller Fülle der Wahrheit Wohnung im Menschen und macht dadurch den geschaffenen Menschen Sich völlig ähnlich in allem. Und da ist es dann dem Satan nicht mehr möglich, den also gewaffneten Menschen anzutasten mit seiner Schlauheit; denn Jehovas Geist im Menschen durchschaut allzeit des Satans noch so verborgen gehaltene Tücke und hat stets Macht in Übergenüge, des Satans völlige Ohnmacht zu zerstäuben.
08] Der Prophet Elias bezeichnete diesen nunmaligen Zustand der Menschen, wo Jehova unmittelbar in der Liebe zu den Menschen kommt, mit dem a sanften Gesäusel, das vor der Grotte vorüberzog; aber im großen Sturm und im Sturm war Jehova nicht! (a 1. Könige.19,12)
09] Das sanfte Gesäusel ist alsonach die Liebe der Menschen zu Gott und ihren Brüdern, in der Jehova Selbst ist, während Er im Sturme der Weisheit und im flammenden Schwerte des Gesetzes nicht ist!
10] Und da nun Jehova Selbst also bei uns, mit uns und unter uns ist, so haben wir des Satans Kniffe durchaus nicht mehr alsosehr zu fürchten, als wie dies in der Urzeit und Vorzeit leider traurig genug der Fall war, und du darfst darob dem blutdürstigen Tiger Roms nun schon mutiger und sorgloser in sein tückevolles Antlitz schauen! Sahst du vorhin nicht, wie die ganze Legion vor den zwei Jünglingen das allerschmählichste Fersengeld nahm?! Uns begleiten aber solche Jünglinge in einer großen Anzahl, und wir sollen Furcht vor den uns mit einer weißen Fahne entgegenkommenden Römern haben?! Ich sage dir: nicht einmal in einem Traume, geschweige in der Wirklichkeit!«
11] Auf diese Rede macht der Genesene große Augen und sagt nach einer kurzen Weile: »Was sagst du? Jehova wäre nun unter uns? Ich meinte, daß dieser Mann, der mir half, bloß nur der erwartete Messias sei!? Wie, ist denn bei dir Jehova und der Messias Eins?
12] Daß im Messias Jehovas Kraft in viel größerer Fülle walten wird, als sie in allen Propheten zusammengenommen gewaltet hat, das mag ich recht wohl begreifen; aber daß der Messias und Jehova vollends Eins sein würden, das hätte ich mir nicht einmal zu denken, geschweige auszusprechen getraut! Es steht dazu auch geschrieben, daß man sich Jehova unter gar keinem Bilde vorstellen solle, und nun soll dieser Mensch, der für den Messias wahrlich alle Eigenschaften besitzt, Jehova Selbst sein?! Ja, mir ist es vollkommen recht, wenn es dir als unserm Oberpriester nichts macht!
13] Daß der Messias ein besonderer Gott sein dürfte, das habe ich mir wohl gleich nach meiner Heilung gedacht; denn Götter sind wir nach der Schrift alle mehr oder weniger, je nach der Haltung des Gesetzes Jehovas. Aber daß Er Jehova Selbst wäre!? - Ja - wenn so, da heißt es nun anders sich verhalten! Ich bin von Ihm Selbst geheilt worden, - und da heißt es nun zu einem ganz andern Danke schreiten!«
14] Hier will er sogleich zu Mir gehen. Aber Jonael hindert ihn daran und bescheidet ihn, das zu tun, so sie in Sichar sein werden, und der Genesene stellt sich damit vollkommen zufrieden.


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